Große Hitze für Herzpatienten und Senioren ein erhebliches Risiko

Fabian Peters
Was müssen Herzpatienten und ältere Menschen bei hohen Temperaturen beachten?
Das warme Wetter ist für viele Menschen durchaus erfreulich, doch können die hohen Temperaturen für manche auch ein Gesundheitsrisiko darstellen. Dies gilt beispielsweise für Herzpatienten. Die Deutsche Herzstiftung hat daher in einer aktuellen Mitteilung wichtige „Hitzetipps für herzkranke und ältere Menschen“ zusammengestellt.

Die sommerliche Hitze mit Temperaturen über 30 Grad Celsius stellt insbesondere für ältere Menschen und diejenigen, die bereits wegen Herz- oder Blutdruckproblemen in Behandlung sind, unter Umständen ein Risiko dar. Als mögliche Folgen der hohen Temperaturen nennt die Deutsche Herzstiftung in diesem Zusammenhang „Müdigkeit und Schwindel sowie Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufkollaps, außerdem Herzrhythmusstörungen oder auch Muskelkrämpfe.“ Daher sollten gefährdete Personen dringend Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

Die aktuellen Temperaturen über 30 Grad Celsius sind für ältere Menschen und Herzpatienten eine nicht zu unterschätzende Belastung. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist hier dringend zu beachten. Die Deutsche Herzstiftung gibt darüber hinaus weitere wichtige Hitzetipps zur Minimierung des Gesundheitsrisikos. (Bild: Mikkel Bigandt/fotolia.com)

Vorsichtsmaßnahmen mit dem Arzt besprechen
Um den Komplikationen bei hohen Temperaturen vorzubeugen, rät der Herzspezialist Professor Dr. med. Markus Haass vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung den Betroffenen, mit ihrem behandelnden Arzt spezielle Vorsichtsmaßnahmen zu besprechen. Diese können laut Aussage des Experten je nach Herzerkrankung und Behandlung unterschiedlich sein. Zum Beispiel sei unter Umständen eine Anpassung der Trinkmenge oder eine Dosierungsänderung bei den Medikamenten erforderlich.

Dosierung der Medikamente anpassen
Die meisten Herzpatienten müssen Medikamente einnehmen, bei denen wegen großer Hitze gegebenenfalls eine Änderung der Dosierung notwendig wird. Dies gelte zum Beispiel bei den blutdrucksenkenden Medikamenten für Bluthochdruckpatienten (ACE-Hemmer, Sartane, Calciumantagonisten) und den Diuretika (Entwässerungsmittel) für Patienten mit einer Herzschwäche, so die Mitteilung der Deutschen Herzstiftung. Laut Professor Haas sollten Herzpatienten daher von ihrem Arzt regelmäßig die Dosierung der Medikamente überprüfen lassen und besprechen, welche Arzneien wie lange bei Hitze reduziert werden können.

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Belastung durch die Regulierung der Körpertemperatur
Ein weiteres Problem ergibt sich laut Aussage der Experten aus der Regulierung der Körpertemperatur bei sehr hohen Außentemperaturen. Als Säugetiere sind wir sogenannte „gleichwarme Lebewesen“, die konstant eine Körpertemperatur von rund 37 Grad Celsius halten müssen, egal wie kalt oder heiß die Umgebung ist. Bei großer Hitze wärme sich der Körper zu sehr auf, so dass die Wärme wieder abgegeben werden muss, was auf zwei Wegen geschehen könne: Einerseits werde Wärme direkt über die Haut und anderseits über vermehrtes Schwitzen abgegeben, erläutert die Deutsche Herzstiftung.

Kühlung über die Wärmeabgabe der Haut
Für die Wärmeabgabe über die Haut nimmt das Blut die übermäßige Wärme aus dem Körper auf und transportiert sie zu den kleinen Hautgefäßen, die wie „Kühlschlangen“ funktioniere und die Wärme an die Luft abführen, erklären die Experten. Dabei falle die Wärmeabgabe umso höher aus, „je größer die Fläche der unbedeckten Haut, je kühler und trockener die vorbeistreichende Luft, und vor allem je mehr Blut vom Herzen durch die Hautgefäße gepumpt wird.“ Diese Mehrbelastung könne ein gesundes Herz problemlos bewältigen, doch ein krankes Herz komme schneller an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit, berichtet die Herzstiftung weiter.

Sommerliche Kleidung beachten
Laut Professor Dr. med. Dietrich Andresen vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung, sollten „ältere Menschen und vor allem Patienten mit einer Herzschwäche daher möglichst größere Hitze meiden, sich körperlich schonen und besonders darauf achten sich sommerlich zu kleiden.“ Die Abkühlung funktioniere am besten mit geringer Bekleidung wie T-Shirt, kurzer Hose oder Sommerkleid und durch Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung. Auch das Tragen einer Kopfbedeckung könne hier helfen.

Absacken des Blutdrucks bei Flüssigkeitsmangel
Die Wärmeabgabe beim Schwitzen geht mit einem erhöhten Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten (Salze: Natrium, Kalium, Magnesium) einher. Für den Ausgleich dieses Flüssigkeits- und Salzverlusts ist daher bei sehr heißem Wetter eine um ein bis zwei Liter erhöhte Trinkmenge pro Tag besonders wichtig, so die Experten der Deutschen Herzstiftung. Allerdings sei bei älteren oder herzkranken Menschen oft „das Durstgefühl nicht richtig intakt , so dass sie nicht ausreichend trinken und der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen wird“, warnt Prof. Andresen. Werden in einer solchen Situation zusätzlich wassertreibende Medikamente (Diuretika) eingenommen, gehe das Blutvolumen in den Gefäßen zu stark zurück, der Blutdruck sinke und es könne vor allem beim Aufstehen aus liegender oder sitzender Position zu einem Kreislaufkollaps mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit kommen, so die Warnung des Herzspezialisten.

Auch zu viel Flüssigkeitsaufnahme kann das Herz belasten
Weil bei Herzpatienten oft die ausgeschwitzten Salze nicht hinreichend ausgeglichen werden, kommt es laut Angaben der Deutschen Herzstiftung außerdem häufig zu weiteren Beschwerden wie Kopfschmerzen, allgemeiner Müdigkeit aber auch Muskelkrämpfen und bisweilen Herzrhythmusstörungen. Insbesondere ältere Menschen und Patienten mit einer Herzschwäche müssen daher an heißen Tagen angehalten werden genügend (zusätzlich ein bis zwei Liter pro Tag) zu trinken, so die Mitteilung der Stiftung. Dabei ist allerdings auch darauf zu achten, dass sie nicht zu viel trinken, da eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr bei herzkranken Patienten zur Verschlechterung ihrer Herzleistung führen kann, warnt Prof. Andresen. Der Experte rät herzkranken Patienten deshalb, ihre Trinkmenge ebenso wie die Medikamenteneinnahme mit ihrem betreuenden Arzt abzustimmen. Tägliches Wiegen könne zudem helfen, die notwendige Trinkmenge festzulegen. (fp)