Grosse Hoden durch sexuellen Entzug: Kavaliersschmerzen wirklich real?

Haben Männer nach einer längeren Zeit ohne Geschlechtsverkehr schmerzende Hoden, ist oft von "Kavaliersschmerzen" die Rede. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)
Alfred Domke
Tagelang ohne Sex: Kann Enthaltsamkeit zu Kavaliersschmerzen führen?
Hodenschmerzen sind in der Tat sehr unangenehmen. Sie tun nicht nur weh, sondern Betroffene trauen sich oft aus Scham nicht darüber zu reden. Im Internet fällt dies deutlich leichter. Dort werden oft – anonym – Fragen gestellt, wie, ob auch Enthaltsamkeit schmerzende Hoden zur Folge haben kann.

Kavaliersschmerzen bei enthaltsamen Männern
Plagen Männer Schmerzen im Unterleib und in den Hoden, versuchen sie häufig zunächst im Internet Antworten und Ratschläge zu finden. Haben Betroffene in der Zeit vor den Schmerzen längere Zeit keinen Sex gehabt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie im Netz auf die Ursache „Kavaliersschmerzen“ stoßen. Gibt es diese aber wirklich? Experte wissen: Ja, diese auch als „Bräutigamsschmerzen,“ oder „Blaue Hoden“ („Blue Balls“) bezeichneten Schmerzen sind – insbesondere bei jungen Männern – gar nicht mal so selten. Der Volksmund spricht in diesem Zusammenhang manchmal auch von „dicken Eiern“, einige Männer bezeichnen das Phänomen als „Hodenkrampf“. Die US-amerikanischen Wissenschaftler Jonathan M. Chalett und Lewis T. Nerenberg schrieben noch im Jahr 2000 im Fachmagazin „Pediatrics“, dass es bemerkenswert sei, dass das Phänomen in der medizinischen Literatur komplett fehle.

Haben Männer nach einer längeren Zeit ohne Geschlechtsverkehr schmerzende Hoden, ist oft von "Kavaliersschmerzen" die Rede. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)
Haben Männer nach einer längeren Zeit ohne Geschlechtsverkehr schmerzende Hoden, ist oft von „Kavaliersschmerzen“ die Rede. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)

Sexuelle Erregung ohne Ejakulation
Die Beschwerden, die von von unangenehmen Spannungsgefühlen im Hoden bis zu bestehenden Schmerzen im Hoden reichen können, treten meist nach sexueller Erregung ohne Ejakulation oder auch nach besonders langer Erektion und anschließender Ejakulation auf. Auf der Internetseite „Dr-Gumpert.de“ heißt es dazu: Wenn der Mann sexuell erregt ist, fließt das Blut in die Geschlechtsteile, erst in den Penis und dann auch in die Hoden. Die Arterien sind dabei geweitet, die Venen allerdings verengt (Vasokonstriktion). Der Blutfluss in den Genitalien wird erhöht und verhilft so zu der Erektion des Penis sowie zu einer Anschwellung der Hoden. Diese können sich dabei um 25-50 Prozent ihres ursprünglichen Volumens vergrößern.

Hoden und Penis verkleinern sich nach Samenerguss
Die Schmerzen können nun daher rühren, dass sich die glatte Muskulatur der Samenwege verkrampft. Kommt es zum Orgasmus und einer Ejakulation, nehmen die Gefäße wieder ihre ursprüngliche Größe an. Dadurch verkleinern sich Penis und Hoden wieder. Wenn die Ejakulation allerdings nicht erfolgt, bleibt die Vasokonstriktion der Gefäße bestehen und kann so ein anhaltendes Gefühl von Druck, Unwohlsein oder Schmerz in den Hoden hervorrufen. „Ähnlich ist es, wenn der Zustand lange anhielt bevor die Ejakulation erreicht ist. Dieses Empfinden beziehungsweise dieser Schmerz kann dabei auch in die Leisten ausstrahlen“, heißt es bei „Dr. Gumpert“.

Keine medizinische Behandlung erforderlich
Eine medizinische Behandlung ist laut Gesundheitsexperten nicht notwendig. Besserung bringt das Herbeiführen eines Samenergusses. Danach dauert es oft nur wenige Minuten, in Ausnahmefällen allerdings auch mehrere Stunden, bis die Schmerzen komplett verschwinden. Helfen kann auch eine moderate Kühlung der Hoden, etwa mithilfe eines nassen Handtuchs oder einem kühlen Eisbeutel. Wenn die Schmerzen jedoch – selbst nach einer Ejakulation – bestehen bleiben und verlieren sie nicht an Intensität, sollte ein Arzt aufgesucht werden. (ad)

Advertising