Große Studie: Glutenfreie Ernährung steigert signifikant das Diabetes-Risiko

Alexander Stindt
Der Konsum von zu wenig Gluten kann der Gesundheit schaden
Eine glutenfreie Ernährung ist in den letzten Jahren zu einer Art Trend geworden. Solch eine Form der Ernährung kann sich aber auch durchaus negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken. Forscher fanden jetzt heraus, dass eine Ernährung mit wenig Gluten dazu führen kann, dass sich das Risiko für Typ-2-Diabetes bei den Betroffenen erhöht.

Die Wissenschaftler der international anerkannten Harvard University T.H. Chan School of Public Health in Boston stellten bei einer Untersuchung fest, dass eine Ernährung mit einer höheren Einnahme von Gluten mit einem niedrigeren Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes verbunden zu sein scheint. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie beim diesjährigen Treffen der American Heart Association.

In der heutigen Zeit ist eine glutenfreie Ernährung zum Trend geworden. Die Auswirkungen dieser Art von Ernährung scheinen aber das Risiko für Typ-2-Diabetes zu erhöhen. (Bild: photocrew/fotolia.com)

Konsum von Getreidefasern schützt vor Typ 2-Diabetes
Für ihre Forschung analysierten die Experten die Daten von knapp 200.000 freiwilligen Probanden. Die dafür verwendeten Daten stammten aus drei zuvor durchgeführten Langzeitstudien. Die festgestellten Ergebnisse zeigen, dass Konsumenten von zu geringen Mengen von Gluten dazu tendieren, dass sie generell zu wenig Getreidefasern zu sich nehmen. Der Konsum dieser Fasern ist aber ein bekannter Schutzfaktor für die Entwicklung von Typ 2-Diabetes, Herzerkrankungen und verschiedenen Krebsarten, erläutern die Autoren.

Trend der glutenfreien Ernährung kann zu mehr Erkrankungen von Typ 2-Diabetes führen
Aufgrund der Studien wird der Verzehr von ausreichend Gluten mit einem niedrigeren Risiko für die Entwicklung von Typ 2-Diabetes assoziiert, fügen die Forscher hinzu. Somit könne der neue Trend einer Glutenfreien Ernährung sich negativ auf die Wahrscheinlichkeit für Typ 2-Diabetes auswirken.

Was sind Gluten?
Gluten bezeichnen ein Gemisch aus Proteinen, welches beispielsweise in Weizen, Roggen und Gerste vorkommt. Gluten geben Brot und anderen Backwaren die Elastizität während des Backens und führen zu einer zähen Textur bei den fertigen Produkten. Es gibt einen kleinen Prozentsatz von Menschen, welche durch sogenannte Zöliakie oder Glutenempfindlichkeit keine Gluten vertragen können, erklären die Wissenschaftler. Allerdings ist in den letzten Jahren eine glutenfreie Ernährung auch bei Menschen ohne solche gesundheitlichen Einschränkungen populär geworden. Bisher gibt es aber keine Beweise dafür, dass die Verringerung des Verbrauchs von Gluten zu langfristigen gesundheitlichen Vorteilen führt, fügen die Autoren hinzu.

Glutenfreie Lebensmittel enthalten weniger Ballaststoffe und andere Mikronährstoffe
Wir wollten feststellen, ob der mangelnde Konsum von Gluten die Gesundheit bei Menschen ohne offensichtliche medizinische Gründe beeinträchtigt, erklärt Dr. Geng Zong von der Harvard University T.H. Chan School of Public Health in Boston. Glutenfreie Lebensmittel haben oft weniger Ballaststoffe und andere Mikronährstoffe. Aus diesem Grund sind sie weniger nahrhaft und haben häufig auch einen erhöhten Preis. Mikronährstoffe sind Bestandteile wie beispielsweise Vitamine und Mineralien. Menschen ohne Zöliakie sollten einen verminderten Konsum von Gluten überdenken, um chronische Erkrankungen und vor allem Diabetes zu vermeiden, raten die Experten.

Hoher Konsum von Gluten vermindert das Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken
Bei der Untersuchung fanden die Forscher heraus, dass die meisten Teilnehmer der Studien eine geringere Aufnahme von Gluten als zwölf Gramm am Tag hatten. Die Probanden mit dem höchsten Konsum von Gluten unter den Teilnehmern zeigten ein vermindertes Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken, sagen die Mediziner. Dieser Effekt konnte in der dreißig Jahre langen Nachfolgeuntersuchung festgestellt werden.

13 Prozent geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes bei Probanden festgestellt
Nach weiterer Berücksichtigung der potenziellen Wirkung von Getreidefasern hatten die Personen, welche zu den 20 Prozent mit dem höchsten Konsum von Gluten gehörten, ein 13 Prozent geringeres Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes, verglichen mit Teilnehmern mit dem niedrigsten täglichen Verbrauch von Gluten (etwas weniger als 4 Gramm). Im Laufe der Studie wurden bei den Nachfolgeuntersuchung insgesamt 15.947 Fälle von Typ-2-Diabetes festgestellt. Die Studie wurde bereits durchgeführt, bevor eine glutenfreie Ernährung populär wurde, sagen die Forscher. Die derzeitigen Trends einer glutenfreien Ernährung werden in den Ergebnissen somit nicht berücksichtigt.

Weitere Forschung ist nötig
Die Probanden gaben während der Untersuchungen ihre Essgewohnheiten selber an. Aus diesem Grund sollten die Ergebnisse in Zukunft bei weiteren medizinischen Studien nochmal genau überprüft werden. Trotzdem raten die Wissenschaftler Menschen, bei denen es nicht medizinisch notwendig ist auf Gluten zu verzichten, dass sie eine glutenfreie Ernährung gründlich überdenken sollten. Nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung ist an Zöliakie erkrankt und muss wirklich den Konsum von Gluten vermeiden, erklären die Experten. (as)