Großer Appell an die Ärzteschaft: Antibiotika seltener und richtig verordnen

Nina Reese
Neues Projekt soll sensibleren Umgang mit Antibiotika fördern
Antibiotika helfen dabei, bakteriell bedingte Infektionskrankheiten zu bekämpfen und dadurch eine Ausbreitung der Krankheitserreger zu verhindern. Doch die Mittel werden viel zu oft und fehlerhaft eingesetzt, was zu einer zunehmenden Resistenz der Erreger gegenüber Antibiotikum führt. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) appelliert daher an die Ärzte, die Mittel zukünftig zurückhaltender und nur in begründeten Fällen einzusetzen.

Mediziner verschreiben viel zu oft unnötig Antibiotika. Wie kürzlich eine Studie der australischen Bond University zeigte, werden die Wirkstoffe gerade bei akuten Atemwegsinfektionen oft fehlerhaft eingesetzt. Denn Erkrankungen der Atemwege wie Husten oder Bronchitis werden meist durch Viren verursacht – Antibiotika wirken jedoch nur gegen Bakterien. Dementsprechend bleiben die Medikamente bei vielen Patienten wirkungslos und führen stattdessen zu Nebenwirkungen und steigenden Antibiotikaresistenzen.

Bei akuten Atemwegserkrankungen ist eine Antibiotika-Verordnung meist völlig unnötig. (Bild: Henrik Dolle/fotolia.com)

Auch der Report der DAK-Gesundheit 2014 belegte, dass 2013 fast 30 Prozent der Antibiotika-Verordnungen in Hinblick auf die Diagnose „fragwürdig“ waren. Bei vielen Atemwegserkrankungen seien die Mittel demnach häufig entgegen der Behandlungsleitlinien verschrieben worden, so die Mitteilung der DAK-Gesundheit.

Mediziner verordnen zu oft Breitspektrum-Antibiotika
Um den inflationären Einsatz von Antibiotika einzudämmen, will der der Verband der Ersatzkassen (vdek) Mediziner dazu motivieren, die Mittel bei akuten Atemwegserkrankungen gezielter einzusetzen und die Zahl der unnötigen Verordnungen weiter einzuschränken. Den Rahmen bildet hier das im April dieses Jahres gestartete Versorgungsprogramm „RESIST“, welches der vdek gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) entwickelt hat, berichtet der Verband in einer Mitteilung.

„Oft spielt die von Ärzten empfundene Erwartungshaltung der Patienten eine Rolle. Manche Patienten denken z.B., dass sie mit einem Antibiotikum schneller wieder gesund werden. Die Erwartungshaltung der Patienten wird aber häufig überschätzt. Auch werden aus der falschen Annahme heraus damit auf der ‚sicheren Seite‘ zu stehen, noch zu oft Breitspektrum-Antibiotika verordnet“, so der Direktor der Universitätsmedizin Rostock, Prof. Attila Altiner.

Kommunikation zwischen Arzt und Patient steht im Mittelpunkt
Schwerpunkte des Programms sind die Aufklärung und die Arzt-Patienten-Kommunikation. RESIST sieht vor, dass Patienten mit Verdacht auf einen Atemwegsinfekt sich von einem Haus-, Kinder-, HNO-Arzt oder einem Facharzt für Innere Medizin speziell beraten lassen. Bis zum Herbst sollen der Mitteilung zufolge etwa 3000 Ärzte ein spezielles Online-Schulungsprogramm abgeschlossen haben, um das Konzept in im Praxisalltag umsetzen zu können.

„Unser Ziel ist es, Ärzte und Patienten zu einem sensibleren Umgang mit Antibiotika zu bewegen und dadurch die Qualität der Versorgung zu verbessern“, so die Vorstandsvorsitzende des vdek, Ulrike Elsner. (nr)