Großer Durchbruch in der Prostatakrebs-Diagnostik?

Alexander Stindt
Neue Methode zur Feststellung von Prostatakrebs könnte viele Biopsien überflüssig machen
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Schon lange suchen Mediziner nach Möglichkeiten für eine effektivere Früherkennung. Forscher fanden jetzt heraus, dass mit der Hilfe eines sogenannten fortgeschrittenen MRT die Diagnose von Prostatakrebs deutlich zuverlässiger und effektiver wird.

Die Wissenschaftler der Medical Research Council Clinical Trials Unit stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass neue Geräte bei Prostatakrebs zu erfolgreicheren Scans führen. So kann die gefährliche Erkrankung schneller gefunden und effektiver behandelt werden. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet“.

Die Diagnose von Prostatakrebs ist zur Zeit noch sehr unzuverlässig. Eine neue Art der Diagnose könnte in Zukunft bewirken, dass die Erkrankung effektiver erkannt und behandelt werden kann. Dadurch könnte vielen Betroffenen die unangenehme Biopsie erspart bleiben. (Bild: science photo/fotolia.com)

Oft konnte eine invasive Biopsie vermieden werden
Die Experten bezeichneten die neuen San-Geräte als den größten Durchbruch bei der Diagnose von Prostatakrebs seit Jahrzehnten. Mit einem sogenannten fortgeschrittenen MRT hat sich die Zahl der erkannten Tumore beinahe verdoppelt. An der aktuellen Untersuchung nahmen 576 Männer teil. Mehr als ein Viertel dieser Probanden konnte durch MRT-Scans eine invasive Biopsie vermeiden, welche durchaus schwere Nebenwirkungen mit sich bringen kann.

Wann wird normalerweise eine Biopsie durchgeführt?
Obwohl Prostatakrebs sehr weit verbreitet ist, bringt die Feststellung dieser Art von Krebs häufig Probleme mit sich. Die Diagnose von Prostatakrebs ist noch lange nicht vollkommen, sagen die Mediziner. Wenn Männer hohe Werte von Prostata-spezifischen Antigenen (PSA) im Blut aufweisen, wird normalerweise eine Biopsie durchgeführt. Bei dieser nehmen dann zwölf Nadeln eine Stichprobe aus der gesamten Prostata, fügen die Forscher hinzu.

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Biopsie kann zu schweren Nebenwirkungen führen
Die PSA-Untersuchung kann jedoch fehlerhaft sein und den Krebs nicht richtig erfassen. Oder es wird bei der Biopsie nicht erkannt, dass der Krebs aggressiv ist. Außerdem können durch die Untersuchung schwere Nebenwirkungen auftreten, erklären die Wissenschaftler. Zu diesen gehören beispielsweise Blutungen, schwere Infektionen und erektile Dysfunktion.

In Großbritannien wird jährlich eine Biopsie an bis zu 120.000 Männern durchgeführt
Die Durchführung einer zufälligen Biopsie aus der Brust würde weder von Medizinern noch von Patienten akzeptiert werden, dennoch wird solch eine Untersuchung an der Prostata gebilligt, erläutert der Studienautor Dr. Hashim Ahmed. Alleine in Großbritannien durchlaufen diese Art der Behandlung laut Aussage des Experten jedes Jahr etwa 100.000 bis 120.000 Männer.

MRT-Untersuchung findet 93 Prozent der Krebserkrankungen
Die Studie verwendete innerhalb von elf Krankenhäusern sogenannte multi-parametrische MRT-Untersuchungen bei Patienten mit hohen Ebenen von PSA. Durch diese Art der Behandlung benötigten 27 Prozent der untersuchten Männer keine Biopsie mehr. Bei den Patienten wurden insgesamt 93 Prozent der aggressiven Krebserkrankungen gefunden, fügen die Experten hinzu. Im Vergleich dazu wurden durch eine durchgeführte Biopsie nur 48 Prozent der Fälle von Krebs erkannt.

Die langfristigen Ergebnisse der Methode bleiben abzuwarten
Es gelte, das langfristige Überleben nach Krebserkrankungen wie beispielsweise Prostatakrebs zu betrachten, sagen die Forscher. Durch die Verbesserung der Erkennung von wichtigen Krebsarten können wir einen erheblichen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit nehmen, solche Krebserkrankungen zu erkennen und zu überleben, erklären die Autoren. Die langfristigen Auswirkungen der neuen Diagnose können allerdings erst in zehn bis 15 Jahren analysiert werden.

Derzeitiges Testsystem ist unvollkommen
Das derzeitige Testsystem für Prostatakrebs ist notorisch unvollkommen. Eine Prostata-Biopsie ist außerdem äußerst schmerzhaft und unangenehm. „Die neuen Scan-Geräte sind wirklich ein großer Sprung nach vorne bei der Diagnose von Prostatakrebs“, betont Dr. Ahmed.

Neue Art der Untersuchung könnte massiv Kosten sparen
Die Kosten der Scans liegen zwischen 350 englischen Pfund und 450 englischen Pfund. Die Kosten einer Biopsie liegen bei 450 englischen Pfund. So sei es auch möglich Geld durch die Skans zu sparen, wenn die neue Art der Untersuchung unnötige Biopsien vermeiden kann, erläutern die Wissenschaftler. Frühzeitiges und effektives Erkennen von aggressivem Krebs würde außerdem dazu führen, dass weniger Patienten erkranken und deswegen würden erhebliche Kosten für die Behandlung gespart werden. (as)

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