Grünphasen an Ampeln für Menschen mit Arthritis zu kurz

Alexander Stindt

Immer mehr Menschen mit Arthritis geraten in eine soziale Isolation

Gerade wenn ältere Menschen an einer Ampel die Straße überqueren wollen, reicht die sogenannte Grünphase meist nur knapp aus. Problematisch wird es besonders für Menschen mit Arthritis. Forscher fanden jetzt heraus, dass an Arthritis erkrankte Menschen es in der Zeit der Grünphase nicht schaffen, die Straße zu überqueren. Dies führt dazu, dass Betroffene nicht mehr freiwillig in unseren Städten unterwegs sind und so immer weiter in eine soziale Isolation geraten.

Die Wissenschaftler der Glasgow Caledonian University stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Patienten mit Arthritis und auch generell ältere Menschen häufig Probleme haben, während der Grünphase von Ampeln rechtzeitig die Straße zu überqueren. Dies führt dazu, dass es den Betroffenen peinlich und unangenehm ist und diese sich zunehmend isolieren, erklärt Professor Steultjens von der Glasgow Caledonian University. Das Problem wurde im Zuge der Vorbereitung einer noch andauernden groß angelegten Studie zur Verbesserung der Haltung, des Gleichgewichts und der Stabilität für Menschen mit rheumatoider Arthritis identifiziert. Die Forscher veröffentlichten jetzt eine Pressemitteilung zu den ersten Ergebnissen ihrer Untersuchung.

Ältere Menschen bewegen sich logischerweise nicht mehr so schnell wie in ihrer Jugend. Wenn dann noch Erkrankungen wie Arthritis dazu kommen, wird es für Betroffene immer schwerer in der Zeit der Grünphase einer Ampel die Straße zu überqueren. Vielen dieser Menschen sind solche Momente so unangenehm und peinlich, dass sie immer seltener das Haus verlassen. So kann eine soziale Isolation entstehen. (Bild: Sondem/fotolia.com)

Was ist das Ziel der laufenden Studie?

Die Experten untersuchten eine neue Behandlung für Probleme mit dem Gehen bei Menschen mit Arthritis, welche als sogenannte Gait-Rehabilitation bezeichnet wird. Diese Art der Behandlung hat sich bislang vor allem bei Patienten mit Mobilitätsproblemen bewährt, welche sich aus neurologischen Beeinträchtigungen ergeben.

Die grünen Ampelphasen sind zu kurz

In früheren Arthritis-Studien wurde von den Teilnehmenden ein Alltagsprobleme besonders häufig thematisiert. Viele Menschen mit Arthritis fühlen sich unsicher und es ist ihnen peinlich, dass sie während der Ampel-Grünphase nicht schnell genug die Straße überqueren können, erläutern die Experten. Dies geht bei vielen Betroffenen sogar so weit, dass sie in einer sozialen Isolation leben. Solche Menschen wollen einfach nicht mehr aus dem Haus gehen, und einer der Hauptgründe sind quasi zu kurze grüne Ampelphasen, sagen die Wissenschaftler weiter.

Viele älteren Frauen haben Probleme, die Straße während einer Grünphase zu überqueren

Der Experte Professor Steultjens erforscht die Bio-Mechanik von Arthritis an der Glasgow Caledonian University School of Health und Life Sciences. Gemeinsam it Kollegen präsentierte er jetzt ein Update der bisher festgestellten Ergebnissen. „Die normale Grünphase, in der Fußgänger die Straße überqueren können, setzt voraus, dass eine Person in der Lage ist, sich mit einer Geschwindigkeit von 1,2 m/s fortzubewegen“, erklärt Steultjens. Andere Untersuchungen hätten bereits gezeigt, dass 85 Prozent der älteren Frauen (in einem Alter über 65 Jahren) sich nicht mit dieser Geschwindigkeit fortbewegen können.

Städte müssen sich an die alternde Bevölkerung anpassen

Eine Veränderung der Länge der Grünphase an den Ampeln könnte einen massiven Einfluss auf das Leben vieler Menschen haben und sich sogar auf eine zunehmende soziale Isolation auswirken, erläutern die Mediziner. Es sei bislang relativ unbekannt, dass so viele Menschen Probleme mit dem rechtzeitigen Überqueren der Straße haben. Vielleicht ist es einfach an der Zeit, dass Städte die alternde Bevölkerung und Menschen mit Schwierigkeiten beim Gehen verstärkt berücksichtigen, so das Fazit der Wissenschaftler.

Die vollständige Studie wird im Jahr 2022 veröffentlicht

Die Gesamtergebnisse der laufenden Studie werden voraussichtlich im Jahr 2022 veröffentlicht. Außer der Glasgow Caledonian University sind auch noch die Keele University, das King’s College London und die Salford University an der Untersuchung beteiligt. (as)