Grundschule: 3 Kinder an Krebs erkrankt

Heilpraxisnet

Grundschule: Drei Kinder an Krebs erkrankt

12.04.2015

Im brandenburgischen Forst sind drei Kinder einer Grundschule an Krebs erkrankt. Berichtet wurde, dass der Standort durch Hinterlassenschaften einer DDR-Textilreinigungsfirma belastet ist. Nun haben erste Messungen ergeben, dass die Raumluft in der Schule nicht gesundheitsgefährdend ist.

Giftige Altlasten aus DDR-Zeiten
Nachdem bekannt wurde, dass drei Kinder an einer Grundschule in Brandenburg an Krebserkrankt sind, wurde mit großem Aufwand nach den möglichen Ursachen dafür gesucht. Zunächst wurden giftige Altlasten aus DDR-Zeiten als mögliche Auslöser in Betracht gezogen. Doch nun wurde bekannt gegeben, dass es nach einer ersten Analyse von Messungen der Raumluft in der Schule keine Hinweise auf gesundheitliche Gefahren gebe. Wie die „Berliner Morgenpost“ berichtet, wollen Eltern ihren Nachwuchs noch nicht wieder in die Schule lassen. Sie misstrauen der Verwaltung und pochen darauf, „dass sie uns das Original-Protokoll der Messungen übergeben.“

Boden wurde durch chemische Reinigung kontaminiert
Die Krebserkrankungen der Kinder könnten mit Umweltbelastungen aus Zeiten der DDR in Verbindung stehen. Dies wurde beziehungsweise wird angenommen. Wie der stellvertretende Bürgermeister Sven Zuber (CDU) in der vergangenen Woche angekündigt hatte, solle dies untersucht werden. „Damals gab es in der Stadt eine chemische Reinigung“, berichtete der stellvertretende Bürgermeister laut „Berliner Morgenpost“. Die „Lausitzer Textilreinigung Forst“ habe jahrzehntelang leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) als Lösungsmittel eingesetzt. „Der Boden wurde dadurch kontaminiert. Der Grundwasserstrom trägt die Verunreinigungen in die nördliche Innenstadt“, so Zuber.

Krebserregende Substanzen
Manche LCKW weisen eine starke Lebergiftigkeit auf und sind zudem krebserregend. Wer den Schadstoffen über einen langen Zeitraum ausgesetzt ist, kann Schäden am zentralen Nervensystem, an Leber und Nieren entwickeln. Die krebserzeugende Wirkung betrifft meist die Leber, aber auch Nieren-, Lungen-, Brust- und Keimdrüsentumoren sowie Leukämiekönnen auftreten. „Die Belastung mit LCKW wird überwacht. Die bisher gemessene Belastung liegt aber unterhalb der Grenzwerte“, hatte der Vize-Bürgermeister erklärt. „Umweltexperten zufolge ist eine Gefahr auszuschließen. Wir wollen dies jetzt aber mit Messreihen untersetzen.“ Zuber betonte, dass es eine systematische Untersuchung der rund 260 Schüler und Lehrkräfte auf eine mögliche Erkrankung aber zu diesem Zeitpunkt nicht in Frage kommt. Sollten bei der Luftuntersuchung jedoch entsprechende Funde gemacht werden, würden auch solche Untersuchungen eingeleitet werden.

Verdacht bestätigt sich zunächst nicht
Den Angaben zufolge hätten nun die Messungen des Arbeitsmedizinischen Dienstes vom März nach der Auswertung nichts Auffälliges ergeben. „Sämtliche durch das Labor untersuchte Stoffe sind überhaupt nicht oder in geringen nicht relevanten Konzentrationen nachweisbar“, hieß es. Auch chlororganische Verbindungen aus der ehemaligen Reinigung seien untersucht worden. „Sie wurden an allen vier Messstellen im Keller und im Erdgeschoss durch diese erste Untersuchung nicht nachgewiesen“, hieß es von Seiten der Stadt. „Damit bestätigte sich der geäußerte Verdacht eines Zusammenhanges mit der ehemaligen Reinigung und Erkrankungen am Schulstandort zunächst nicht.“

Eltern wollen ihre Kinder nicht zur Schule schicken
Vize-Bürgermeister Zuber will dennoch weiter forschen. Am Freitag kündigte er an, dass die vertiefenden Messungen durch weitere Labore ausgewertet würden. Die Untersuchungen auf rund 100 Schadstoffe berücksichtigen den Angaben zufolge auch Baumaterialien bei der Sanierung des Gebäudes. Bis Ende April seien dann alle Ergebnisse ausgewertet. Mehrere Eltern trauen den Meldungen der Stadtverwaltung allerdings nicht. So erklärte etwa Frank Schneider laut „Berliner Morgenpost“: „Wir werden darauf pochen, dass sie uns das Original-Protokoll der Messungen übergeben.“ Dies wolle er dann von einem beauftragten Gutachter auswerten lassen. Er bleibt zudem bei seiner Forderung, die Kinder woanders unterrichten zu lassen, bis jede Gefahr ausgeschlossen ist. (ag, ad)