Gute Immunabwehr: Ebola-Impfstoff kann auch bei Kindern angewendet werden

Alfred Domke
Geringe Nebenwirkungen: Ebola-Impfstoff auch bei Kindern einsetzbar
Vor rund zwei Jahren ist die schwere Ebola-Epidemie in Westafrika für beendet erklärt worden. Über 11.000 Todesopfer forderte der Ausbruch der gefährlichen Krankheit. Forscher arbeiteten lange Zeit an der Entwicklung eines Impfstoffes. Ein solcher Wirkstoff ist auch für Kinder einsetzbar, berichten Wissenschaftler nun. Die Experten ermitteln die richtige Dosis.

Warnung vor weiterem Ebola-Ausbruch
Insgesamt 22 Ebola-Ausbrüche weltweit sind bislang verzeichnet. Allein 2016 waren in Westafrika mehr als 28.600 Menschen vom bisher schwersten Ausbruch aller Zeiten betroffen. 11.300 Todesopfer waren am Ende dieser Epidemie zu beklagen. Laut Experten ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis es zur nächsten kommt. So warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor kurzem, dass ein neuer Ebola-Ausbruch unausweichlich sei. Umso wichtiger ist daher, dass es bald einen verlässlichen Wirkstoff gegen die gefährliche Infektionskrankheit gibt. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat nun erfolgreich einen Impfstoff gegen Ebola-Viren getestet.

Forscher haben erstmals einen neuen Impfstoff gegen Ebola-Viren und in verschiedenen Dosierungen auch an Kindern getestet. Es zeigte sich, dass sie bei geringen Nebenwirkungen eine gute Immunabwehr entwickelten. (Bild: sharryfoto/fotolia.com)

Impfstoff erstmals an jungen Menschen getestet
Der schlimme Ebola-Ausbruch in Westafrika veranlasste Mediziner aus vielen Ländern gemeinsam an der Entwicklung eines Impfstoffes für den Einsatz am Menschen zu arbeiten.

In einer globalen Aktion wurden aus bereits früher voruntersuchten Impfstoffkandidaten insgesamt acht für klinische Versuche ausgesucht. Der Impfstoff rVSVΔG-ZEBOV-GP wird bereits seit 2015 in Afrika klinischen Tests unterzogen.

Nun konnte er erstmals an jungen Menschen und in verschiedenen Dosierungen getestet werden, berichtet die Universität Tübingen in einer Mitteilung.

Die Probanden erhielten einen Bestandteil aus genetischem Material des Ebola-Virus. Dieser ist in ein für Menschen harmloses Trägervirus eingebaut, das Vesikuläre Stomatitis Virus (VSV).

Die Mediziner ermittelten die Dosis, die einen wirksamen Schutz gegen Ebola-Viren bieten könnte und prüften den Impfstoff erstmals an Kindern.

Der klinische Versuch fand unter Leitung der Tropenmediziner Dr. Selidji T. Agnandji (Centre de Recherches Médicales de Lambaréné, Gabun) und Professor Peter Kremsner (Institut für Tropenmedizin, Universität Tübingen, Universitätsklinikum Tübingen) statt.

115 Erwachsene, 20 Jugendliche sowie 20 Kinder hatten in Gabun den Impfstoff gegen die Viruskrankheit erhalten und bei geringen Nebenwirkungen eine gute Immunabwehr entwickelt. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „PLOS Medicine“ veröffentlicht.

Bessere Immunantwort
Es erwies sich, dass Teilnehmer aus von Ebola betroffenen Ländern oft schon vor Impfung Antikörper gegen das Virus ausgebildet hatten und nach der Impfung eine bessere Immunantwort zeigten als Menschen ohne Antikörper im Blut.

Auch geringe Impfdosen konnten so schon eine ausgezeichnete Immunantwort erzeugen.

Die Wissenschaftler wollen nun für Menschen mit Antikörpern wie auch für Kinder und Jugendliche testen, ob die Impfdosis verringert werden kann. Zu lösen sei auch noch die Fragen, warum das Impfvirus von den Probanden mehr als eine Woche ausgeschieden wurde, sagte Kremsner.

„Der katastrophale, unvorhergesehene Ebola-Ausbruch in Westafrika hat gezeigt, dass es möglich ist Akademiker, Hilfsorganisationen, Industrie und Sponsoren an einen Tisch zu holen“, so der Tropenmediziner.

Professor Peter Kremsner ist Mitglied des Expertenkonsortiums, das auf Veranlassung der WHO in Genf Strategien gegen Ebola und andere Seuchen sucht.

„Wir brauchen ein Krisenmanagement und einen Notfallplan im Falle einer Epidemie, aber auch Maßnahmen zur Vorsorge gegen Erkrankungen wie Ebola“, sagte der Experte.

„Wir müssen die Entwicklungsprozesse von Impfstoffen weiter verbessern und beschleunigen, um diese bei Bedarf schnell einsetzen zu können ‒ gerade in Weltregionen ohne gute Infrastruktur für die Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten.“ (ad)