Gynäkomastien: Tausenden Patienten wuchsen durch Arzneitherapien Frauen-Brüste

Alfred Domke
Klage gegen Pharmaunternehmen: Männliche Brüste durch Arznei-Behandlung
In den USA haben Tausende Männer eine Klage gegen einen Pharmariesen eingereicht. Die Betroffenen wollen Schadensersatz, da ihnen durch die Einnahme eines Medikaments des Konzerns Brüste gewachsen sein sollen. Diese mögliche Nebenwirkung, die sogenannte Gynäkomastie, wurde erst Jahre nach der Markteinführung im Beipackzettel erwähnt.

Männer mit Brüsten
Viele Jungen bekommen während ihrer Pubertät durch ein Ungleichgewicht zwischen dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen und den männlichen Androgenen Brüste. Oft sind adipöse Teenager von der sogenannten Pubertätsgynäkomastie betroffen. Doch auch im Erwachsenenalter kommt es zum „Männerbusen“. Laut einer Studie der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) stellen Brustverkleinerungen bei Männern in Deutschland mittlerweile die häufigsten ästhetisch-chirurgischen Eingriffe dar.

Wenn Männer Brüste bekommen, ist häufig Übergewicht die Ursache. Doch auch manche Medikamente können dazu führen. In den USA haben daher nun Tausende Männer eine Klage gegen ein Pharmaunternehmen eingereicht. (Bild: MartesiaBezuidenhout/fotolia.com)
Wenn Männer Brüste bekommen, ist häufig Übergewicht die Ursache. Doch auch manche Medikamente können dazu führen. In den USA haben daher nun Tausende Männer eine Klage gegen ein Pharmaunternehmen eingereicht. (Bild: MartesiaBezuidenhout/fotolia.com)

Gynäkomastie als mögliche Nebenwirkung wird erst seit 2006 erwähnt
Die Brustbildung kann unter anderem durch Vererbung, chronische Erkrankungen, Drogenkonsum oder Medikamente entstehen. Letztere Ursache ist nun der Grund für eine Massenklage gegen einen Pharmagiganten aus den USA.

Laut einem Bericht des Nachrichtensenders „CNN“ haben rund 13.000 Männer Klage gegen den Pharmakonzern Johnson & Johnson eingereicht, weil ihnen durch das Medikament Risperdal Brüste gewachsen seien.

Das Medikament gegen Angstzustände und Depressionen ist seit 1994 auf dem Markt, doch erst seit dem Jahr 2006 wird im Beipackzettel des Medikaments Gynäkomastie als mögliche Nebenwirkung erwähnt.

Größere Brüste als Mädchen
Über einen der Betroffenen berichtet „CNN“ ausführlich. Der heute 26-jährige Eddie Bible begann im späten Kindesalter, Risperdal einzunehmen, um seine Angstzustände und eine bipolare Störung zu behandeln.

Als er 13 war, bemerkte der Jugendliche, dass ihm Brüste wuchsen. „Ich hatte größere Brüste als die Mädchen in meiner Schule“, sagte Bible gegenüber dem Nachrichtensender. „Ich dachte: „Muss ich mir jetzt einen Sport-BH zulegen?““

Er teilte mit, das er sich die „Männerbrüste“ mit seiner Gewichtszunahme erklärte. Dass sie eine Folge des Arzneimittels sein könnten, habe er zunächst nicht gedacht. Der Teenager litt enorm unter seinem Körper, zog sich immer mehr zurück und ging kaum noch aus dem Haus.

Narben werden bleiben
„Wenn ich von diesen Nebeneffekten des Medikaments gewusst hätte, hätte ich es nie eingenommen“, so Bible. Die Kläger nehmen an, dass die Information, die erst seit 2006 auf den Beipackzetteln erwähnt wird, bewusst zurückgehalten wurde, um den Verkauf nicht zu beeinträchtigen.

„Wenn ich zurückblicke, fühle ich mich als Teil eines Experiments“, sagte der 26-Jährige. Den Angaben zufolge hat er sich die Brüste mittlerweile operativ entfernen lassen, die Narben werden ihn aber weiterhin daran erinnern.

Anwalt fordert Schadensersatz für Geschädigte
Das Pharmaunternehmen erkennt die Vorwürfe nicht an. Laut „CNN“ erklärte Johnson & Johnson: „Risperdal ist ein sicheres und effektives Medikament, das seit mehr als zwei Jahrzehnten schon Millionen Menschen geholfen hat, ein besseres Leben zu führen.“

Der Anwalt der Geschädigten fordert Schadensersatz von dem Medikamentenhersteller. Er meinte: „Das ist eine Firma, die Menschen helfen soll, stattdessen hat sie vielen Schaden zugefügt.“ (ad)