Haarausfall als Indikator des Prostatakrebs-Risiko

Fabian Peters

Haarausfall als Indikator des Prostatakrebs-Risikos? Früher Haarausfall könnte ein Anzeichen für ein erhöhtes Prostatakrebs-Risiko sein.

16.02.2011

Männer, denen bereits ab einem Alter von 20 Jahren die Haare ausfallen, erkranken häufiger an Prostatakrebs. Sie sollten daher regelmäßig zur Krebsvorsorge gehen. Wenn Männern schon in frühem Alter unter Haarausfall leiden, kann dies ein Anzeichen für ein erhöhte Prostatakrebs-Risiko sein, warnen französische Forscher. Philippe Giraud und Kollegen berichten in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Annals of Oncology“, dass Männer, die bereits ab einem Alter von 20 Jahren eine Glatze entwickeln, häufiger an Prostatakrebs erkranken als Männer, die erst mit 30 oder 40 Jahren unter Haarausfall leiden. Betroffene sollten dringend alle Optionen der Prostatakrebs-Früherkennung nutzen, mahnen die französischen Forscher.

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Haarausfall als Indiz für Prostatakrebs?
Im Rahmen ihrer Studie hatten die Wissenschaftler 388 Männer mit Prostatakrebs und 281 gesunden Männern (als Kontrollgruppe) befragt. Beim Vergleich der Ergebnisse, habe sich herausgestellt, dass die Untersuchungsteilnehmer mit einem diagnostizierten Prostatakarzinom doppelt so häufig schon im Alter von Anfang 20 Jahren unter Haarausfall litten wie die gesunden Probanden der Kontrollgruppe, berichteten Philippe Giraud und seine Forscherkollegen. Insbesondere für die Krebsvorsorge seien die Studienergebnisse interessant, erklärten die Wissenschaftler weiter. Denn „bislang gibt es keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass eine Prostatakrebs-Früherkennung für die gesamte männliche Bevölkerung sinnvoll ist“, weshalb ein Weg gefunden werden müsse, „um Männer mit einem hohen Risiko zu identifizieren“, betonte Philippe Giraud. Der frühe Haarausfall bietet hier offenbar ein erstes Indiz, doch seien weitere Forschungsarbeiten notwendig, um den Zusammenhang zwischen dem frühzeitigen Ausfallen der Haare und einem erhöhten Prostatakrebs-Risiko eindeutig zu belegen.

Prostatakrebs dritthäufigste krebsbedingte Todesursache
Prostatakarzinome sind hierzulande bei Männern die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung. Der Deutschen Gesellschaft für Urologie zufolge erkranken deutschlandweit jährlich rund 60 000 Männer Prostatakrebs, womit etwa 22 Prozent aller jährlichen Krebserkrankungen bei Männern hierzulande die Prostata betreffen. In erster Linie sind dabei nach Aussage der Experten Männer ab dem vierzigsten Lebensjahr gefährdet – vorher tendiert das Erkrankungsrisiko gegen null. Danach steigt die Wahrscheinlichkeit eines bösartigen Tumors jedoch drastisch an und nimmt mit steigendem Alter kontinuierlich zu. Allerdings führt Prostatakrebs nur in seltenen Fällen zu einem schnellen Tod der Patienten. Dennoch bilden Prostatakarzinome in Deutschland, mit 11.000 durch die Erkrankung ausgelösten Todesfällen jährlich, die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern. Ab einem Alter von 50 Jahren (bei Risikopatienten 45 Jahren) zahlen die Krankenkassen im Rahmen der gesetzlichen Krebsvorsorge einmal jährlich eine Tastuntersuchung zur Prostatakrebs-Früherkennung.

Prostatakrebs im Anfangsstadium symptomlos, später kaum heilbar
Das Problem bei Prostatakarzinomen ist, das die Erkrankung im Anfangsstadium nahezu symptomlos verläuft. Sobald die ersten Beschwerden wie Blasenentleerungsstörungen und Knochenschmerzen oder im weiteren Verlauf Gewichtsverlust und Blutarmut auftreten, ist die Krankheit meist schon in einem deutlich fortgeschrittenen Stadium. Erfolgt eine Diagnose erst zu diesem Zeitpunkt, liegt häufig bereits eine Metastasierung vor und die Behandlung der bösartigen Tumore wird entsprechend schwieriger – die Chancen auf Heilung reduzieren sich erheblich. Daher ist die Prostatakrebs-Früherkennung von besondere Bedeutung, um die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung zu erhöhen. Bisher galten dabei insbesondere Männer, in deren Familienumfeld bereits Prostatakrebs diagnostiziert wurde, als Risikopatienten, die sich regelmäßigen Vorsorge-Checks unterziehen sollten. Doch die Ergebnisse der französischen Forscher legen nahe, dass dies in Zukunft auf für Männer mit frühem Haarausfall gelten sollte. (fp)

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Bild: Duxschulz / pixelio.de