Haben Selbstlose öfter Sex?

Alruistische Männer haben angeblich fünfmal so viele Sexdates wie Egoisten (olly/fotolia.com)
Dr. Utz Anhalt
Eine Doppelstudie von Steven Arnocky und Pat Barclay kommt zu dem Ergebnis: Altruisten haben bis zu fünfmal so viele Sexpartnerinnen wie Egoisten, „selbstlose“ Frauen mehr Sex in Beziehungen.

Die Forscher untersuchten Fragebögen von circa 800 Probanden und Probandinnen in zwei Studien. Sie stellten indirekte Fragen, die das uneigennützige Verhalten der Männer und Frauen belegen sollten – zum Beispiel, ob sie Geld für wohltätige Organisationen spendeten.

Altruistische Männer haben angeblich fünfmal so viele Sexdates wie Egoisten (olly/fotolia.com)
Alruistische Männer haben angeblich fünfmal so viele Sexdates wie Egoisten (olly/fotolia.com)

So schätzten Arnocky und Barclay ein, ob die Betroffenen zu egoistischem oder „selbstlosem“ Verhalten neigten.

Versteckte Fragen nach Sex
Der Clou lag darin, dass die Teilnehmer auch Auskunft über ihr Sexualleben gaben, aus den Fragen aber nicht unmittelbar ersichtlich war, dass dies in Zusammenhang stand mit ihrem sozialen Engagement.

Altruistische Männer kommen besser an
Bei Männern zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Die „Selbstlosen“ gaben an, bis zu fünfmal so viele Sex-Dates zu haben wie die „Egoisten“.

Altruistische Frauen haben mehr Sex in Beziehungen
Die „altruistischen“ Frauen hatten zwar nicht mehr Partner als die „Egoistinnen“ – dafür aber doppelt so viel Sex innerhalb einer Beziehung.

Eine zweite Studie
Den Wissenschaftlern vermuteten, dass Menschen ihre eigene Selbstlosigkeit überschätzen. Deshalb führten sie eine zweiten Studie durch. Dabei verlosten sie hundert Dollar – die Probanden mussten vorher angeben, ob sie das Geld spendeten oder behielten.

Statt Worten Taten
Die jetzigen Teilnehmer konnten also nicht behaupten, viel zu spenden, sondern mussten handeln. In jedem Fall hätten die „Selbstlosen“ hundert Dollar für den Eigenkonsum verloren.

Eindeutiges Ergebnis
Auch in der zweiten Studie beantworten die Teilnehmer Fragen über ihr Sexleben. Diese zweite Studie zeigte sehr ähnliche Ergebnisse bei „Altruisten“ und „Egoisten“.

Damit sehen die Forscher ihre These bestätigt: „Altruisten“ haben mehr Sex-Dates und mehr Sex als „Egoisten“.

Widerspruch zu populären Vorstellungen
Das Ergebnis steht im Widerspruch zu Klischees wie „Frauen stehen auf A…“ und dem Stereotyp des eiskalten Gigolos, der Frauen zu hunderten vernascht, gerade weil er keine Skrupel kennt.

Welche Aussagekraft hat die Studie?
Die Aussagekraft der Studie ist indessen mit Vorsicht zu genießen. „Selbstlosigkeit“ bezeichnet, psychologisch betrachtet, eine Täuschung.

Mythos Selbstlosigkeit
Wer altruistisch handelt, tut sich nämlich selbst Gutes, was wiederum egoistisch ist – sei es, dass er ein gutes Gewissen hat, sei es, dass seine Mitmenschen gut über ihn denken.

Sex ist eine soziale Praxis
Eins haben indessen Menschen, die sich sozial engagieren gemein mit Menschen, die viele sexuelle Affären eingehen: Beide bringen sich in soziale Beziehungen zu anderen Menschen ein und denken über andere Menschen nach.

Viele Beziehungen sind auch viele sexuelle Gelegenheiten
Es lässt sich vermuten: Wem nicht-sexuell andere Menschen wichtig sind, wer sich deshalb im sozialen Miteinander engagiert, der steht in Kontakt zu vielen Menschen und sucht ihn. Je mehr Beziehungen jemand pflegt, umso mehr sexuelle Kontakte ergeben sich.

Beziehungen sind anstrengend
Wer aber nur an sich denkt, so ein Gedanke, den stört es, Energie zu investieren, um Beziehungen zu knüpfen – auch kurze sexuelle Beziehungen sind Beziehungen.

Statt also Dates zu haben oder sich ausgiebig mit seinem Partner zu vergnügen, kann er oder sie auch Pornos gucken oder onanieren.

Sexualität ist ein weites Feld
Mit Vorsicht zu genießen sind solche Studien allerdings, weil Sexualität ein weites Feld ist.Transsexualität: Transsexuelle Orientierung kommt zum Beispiel bei Arnocky und Barclay nicht vor.

Oder was ist mit einem Menschen, der Schönheitsoperationen: Risiken und Nebenwirkungen auf sich nimmt, um sexuell attraktiv zu wirken. Handelt er egoistisch?

Eins zumindest vermittelt die Sex-Studie: Realität und Wunschdenken liegen weit auseinander. (Dr.Utz Anhalt)

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