Hälfte aller Krebserkrankungen sind vermeidbar

Fabian Peters

Britische Studie: Mehr als 40 Prozent der Krebserkrankungen vermeidbar

09.12.2011

Fast die Hälfte aller Krebserkrankungen wäre vermeidbar. Wie britische Wissenschaftler vom Zentrum für Krebsprävention an der Queen Mary Universität London in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „British Journal of Cancer Research“ berichten, gehen 43 Prozent der Krebserkrankungen in Großbritannien auf eine ungesunde Lebensweise zurück und wären somit zu vermeiden.

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Die Forscher um Max Parkin vom Zentrum für Krebsprävention an der Queen Mary Universität in London kommen bei der Auswertung zahlreicher epidemiologischer Studien zu dem Ergebnis, dass ungesunde Angewohnheiten wie Rauchen, Alkoholkonsum, fettreiches Essen und ausgeprägtes Sonnenbaden bei der Entstehung zahlreicher Krebserkrankungen eine wesentliche Rolle spielen. Durch eine veränderte Lebensweise ließe sich das Krebsrisiko demnach deutlich reduzieren. Hinzu kommen Belastungen durch Schadstoffe am Arbeitsplatz, die ebenfalls für zahlreiche Krebserkrankungen verantwortlich sind und nach Einschätzung des Teams um Max Parkin vermeidbar wären.

Tabakkonsum Hauptursache vermeidbarer Krebserkrankungen
Als größtes Risiko für eine im Grunde vermeidbare Krebserkrankung benennen die britischen Krebsforscher den Tabakkonsum. So ist Rauchen nicht nur der Hauptgrund für Krebserkrankungen der Lunge, sondern fördert außerdem die Bildung von Tumoren im Mund- und Rachenraum sowie die Entstehung von Kehlkopf-, Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, erläuterte Max Parkin. Auch Tumore im Bereich der Harnblase werden laut Aussage der britischen Wissenschaftler durch das Rauchen begünstigt. Insgesamt ist der Tabakkonsum in Großbritannien nach Einschätzung von Parkin und Kollegen für 23 Prozent der Krebserkrankungen bei Männern und für 15 Prozent der Krebserkrankungen bei Frauen verantwortlich, was Rauchen zur Nummer eins unter den vermeidbaren Krebsrisikofaktoren macht.

Auf Platz zwei folgt die ungesunde Ernährung, wobei laut Aussage der britischen Forscher nicht nur das oftmals zu fettige und salzige Essen als Risikofaktor für Krebs zu bewerten ist, sondern auch die zu geringe Aufnahme von Mineralstoffen und Vitaminen. Der zunehmende Verzicht auf Obst und Gemüse, bringt hier nach Einschätzung von Max Parkin und Kollegen ebenfalls eine deutliche Erhöhung des Krebsrisikos mit sich. Die durch ungesunde Ernährung verursachten Krebserkrankungen sind den Berechnungen der britischen Wissenschaftler zufolge mit 6,1 Prozent der Krebserkrankungen bei Männern und 6,9 Prozent der Krebserkrankungen bei Frauen sogar deutlich höher anzusetzen, als beim Alkoholkonsum – was auch Max Parkin und Kollegen überraschte.

Umstellung der Lebensweise könnte Krebsrisiko deutlich reduzieren
Auf Platz drei der vermeidbaren Krebsrisikofaktoren liegen laut Aussage der britischen Krebsforscher die Belastungen durch Schadstoffe und krebserregende Substanzen am Arbeitsplatz, wobei diese für 4,9 Prozent der Krebserkrankungen bei Männern und 3,7 Prozent der Krebserkrankungen bei Frauen verantwortlich gemacht werden. Erst an vierter Stelle der vermeidbaren Krebsrisikofaktoren folgt der Alkoholkonsum, wobei dieser Ursache für 4,6 Prozent der Krebserkrankungen bei Männern und 3,6 Prozent der Krebsleiden bei Frauen sein soll. Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) spielen laut Aussage der britischen Wissenschaftler bei 4,1 Prozent der Krebserkrankungen unter Männern und bei 3,4 Prozent der Tumorbildungen bei Frauen eine wesentliche Rolle, wobei die häufigsten hierdurch bedingten Krebserkrankungen Darmkrebs, Nierenkrebs und Gebärmutterkrebs sind.

Die Zahlen von Max Parkin und Kollegen verdeutlichen, welch großer Anteil der Krebserkrankungen tatsächlich durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden könnte. Schluss mit dem Tabak und Alkoholkonsum, eine Umstellung auf ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Sport und körperliche Bewegung könnte demnach bereits eine Vielzahl an Krebserkrankungen verhindern. Wie Max Parkin in dem aktuellen Beitrag des „British Journal of Cancer Research“ betonte, glauben auch heute noch zu „viele Menschen, dass Krebs ein Schicksal ist oder in den Genen liegt. Und dass das Los entscheidet, ob sie einen Tumor kriegen“, doch die aktuelle Studie belege das Gegenteil: Die Lebensweise hat maßgeblichen Einfluss auf das individuelle Krebsrisiko. (fp)