Häufige Erkältungen erhöhen Diabetes-Risiko

Alfred Domke

Gefahr für Kinder von Diabeteskranken

08.07.2013

Häufige Erkältungen in den ersten Lebensmonaten von genetisch vorbelasteten Kindern scheinen das Risiko zu erhöhen, später an Typ-1-Diabetes zu erkranken. Die Infektionen machen demnach anfälliger für ein späteres Auftreten von sogenannten Autoantikörpern, die die Entwicklung der Krankheit kennzeichnen.

Elternteil oder Geschwister mit Diabetes
Kinder, die ein Elternteil oder ein Geschwister mit Typ-1-Diabetes haben, sind scheinbar besonders gefährdet, ebenfalls daran zu erkranken, wenn sie in den ersten Lebensmonaten häufig erkältet sind. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz-Zentrum München. Infektionen, vor allem Erkältungen würden demnach anfälliger machen für ein späteres Auftreten von sogenannten Autoantikörpern, die die Entwicklung von Typ-1-Diabetes kennzeichnen. Bei dieser Form der Zuckerkrankheit bilden sich Antikörper gegen die Insulin-bildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Am häufigsten passiert dies im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren. Bei der Suche nach möglichen Auslösern während dieser Zeit, stießen die Wissenschaftler unter anderem auf Atemwegsinfektionen.

BABYDIÄT-Studie
Um zu diesen Ergebnissen zu gelangen, analysierten die Forscher die Daten von 148 Teilnehmern der BABYDIÄT-Studie, die ein Elternteil oder ein Geschwister mit Typ-1-Diabetes haben. Dabei wurden neben Informationen wie über Fieber, Medikation oder regelmäßigen Blutwertdaten auch Infektionsprotokolle geführt. Es wurde unterschieden zwischen Atemwegserkrankungen, Magen-Darm-Infektionen sowie sonstigen Infektionen. Es zeigte sich, dass im ersten Lebensjahr ein Zusammenhang zwischen Atemwegsinfektionen und einem erhöhten Auftreten von Autoantikörpern besteht. Die Münchner Wissenschaftler veröffentlichten ihre Studie in der Fachzeitschrift „JAMA Pediatrics“.

Potentieller Risikofaktor Atemwegserkrankungen
Erstautor Andreas Beyerlein vom Institut für Diabetesforschung fasste die Ergebnisse zusammen: „Die Analyse hat gezeigt, dass häufige Atemwegserkrankungen im ersten Lebensjahr ein potentieller Risikofaktor für die Entstehung von Typ-1-Diabetes sind.“ Die Anzahl der Infektionen sei in den ersten sechs Lebensmonaten in der BABYDIÄT-Studie stark angestiegen. „Das Immunsystem ist in den ersten Lebensmonaten noch unreif, und nach einigen Monaten entfällt der passive Immunschutz durch die Mutter", so Beyerlein. Die Kinder, die später Antikörper gegen die eigenen Inselzellen aufwiesen, hatten sich im ersten Lebensjahr mindestens zweimal angesteckt, vor allem mit Atemwegsinfektionen. Die Kinder, die sich im selben Zeitraum mehr als fünf Atemwegsinfekte einhandelten, besaßen die höchste Antikörper-Wahrscheinlichkeit. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Summe der Infektionen und der dabei freigesetzten entzündlichen Botenstoffe für das Risiko einer Autoimmunreaktion entscheidend sei.

Erkältungskrankheiten vermeiden
Laut Studienleiterin Anette-Gabriele Ziegler sollten in früher Kindheit multiple Erkältungskrankheiten am besten vermieden werden. Sie meinte weiter: „Die Entwicklung gezielter Impfungen oder antientzündlicher Therapien könnte besonders bei genetisch bedingten Risikopersonen zu einer gesunden Reifung des Immunsystems und somit zur Prävention von Typ-1-Diabetes beitragen." Und Erstautor Beyerlein erklärte, dass die Ergebnisse der Studie nur für Kinder mit einem besonderen Diabetes-Risiko gelten. „Es handelt sich hier ja nur um Kinder mit familiär bedingt deutlich erhöhtem Typ-1-Diabetes-Risiko.“ Für diese Kinder werde bereits nach passenden Impfungen gesucht. (ad)

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Bild: Karl-Heinz Laube / pixelio.de