Hantavirus in Baden-Württemberg geht zurück

Astrid Goldmayer

Hantavirus-Neuerkrankungen in Baden-Württemberg gehen zurück

07.09.2012

Die Hantavirus-Epidemie in Baden-Württemberg flaut langsam ab. Während zwischen Ende April und Mitte Mai wöchentlich bis zu 134 Neuerkrankungen registriert worden seien, würden die Behörden inzwischen nicht mehr als 20 Fälle pro Woche aufnehmen, hieß es aus dem Regierungspräsidium Stuttgart. Fast zwei Drittel der Erkrankten mussten stationär behandelt werden.

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1.644 Hantavirus-Neuerkrankungen in Baden-Württemberg
Die Zahl der Hantavirus-Neuerkrankungen ist rückläufig. „Noch liegen die wöchentlichen Neuerkrankungen deutlich höher als in den meisten früheren Jahren. Sie gehen auf das Niveau der bisherigen Rekordjahre 2007 und 2010 zurück“, teilt das Regierungspräsidium Stuttgart auf seiner Internetseit mit. Mehr als 60 Prozent aller Hantavirus-Fälle in Deutschland wurden den Angaben zufolge in Baden-Württemberg registriert. „Seit Jahresbeginn bis 05.09.2012 wurden 1.644 Hantavirus-Erkrankungen an das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg übermittelt – mehr als in jedem Jahr zuvor.“ Auch in den früheren Rekordjahren 2007 und 2010 wurden bis Anfang September nur jeweils rund 900 Krankheitsfälle gemeldet.

Wie das Regierungspräsidium weiter mitteilt, gibt es große regionale Unterschiede bezüglich der Erkrankungszahlen: „Die meisten Erkrankungen treten entlang der Schwäbischen Alb auf. Teile Oberschwabens, das Rheintal und der Südschwarzwald waren seltener oder kaum betroffen.“

65 Prozent der Hantavirus-Neuerkrankungen mussten im Krankenhaus behandelt werden
Vor allem männliche Erwachsene waren von der Infektionskrankheit betroffen. Bis zu 65 Prozent mussten stationär im Krankenhaus behandelt werden. 63 Prozent der Betroffenen litten unter einer gestörten Nierenfunktion, einer Folge der Erkrankung.

Hantaviren werden von Rötelmäusen verbreitet. Der Erreger befindet sich im Kot, Urin und Speichel der Tiere. Atmet ein Mensch erregerhaltigen Staub ein, kann er sich infizieren. 2012 ist die Population der Rötelmäuse besonders groß aufgrund des reichlichen Angebots an Bucheckern im letzten Herbst, der Hauptnahrungsquelle von Rötelmäusen. Deshalb sind Gebiete mit vielen Buchenwäldern, besonders stark von Hantavirus-Infektionen betroffen.

Normalerweise verläuft eine Hantavirus-Infektion mit grippeähnlichen Symptomen. Nach einer Inkubationszeit von 12 bis 21 Tage treten sehr hohes Fieber, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen und kleinere Blutungen (Petechien) auf. Bei schweren Verläufen kann es zur verminderten Urin Ausscheidung (Oligurie) mit „arterieller Hypertonie“ kommen, was bis zum Versagen einer oder beider Nieren führen kann. Sehr selten treten auch Lungenödeme auf.

Das Hantavirus ist nach einem koreanischen Fluss (Hanta Fluss) benannt. Weltweit bekannt wurde das Virus, nachdem sich tausende UNO-Soldaten im Koreakrieg in den 50er Jahren damit infizierten. Der Virus ist inzwischen weltweit verbreitet. (ag)