Anstieg der Hantavirus-Infektionen

Sebastian

Robert-Koch-Institut: Die Anzahl der Hantavirus-Infektionen ist in Deutschland rasant angestiegen.

(27.07.2010) Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes ist die Anzahl der Hantavirus-Infektionen in Deutschland angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Infektionsrate 45mal so hoch, als bislang.

Bis Juli 2010 wurden bereits 1148 Fälle dem Institut gemeldet. Im Vergleichszeitraum 2009 waren es gerade einmal 25 Fälle. Das meldete das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem jüngsten Report. Bei Menschen kann die Viren-Infektion Symptome wie sehr hohes Fieber, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen und Blutungen im Auge (Blut im Auge) verursachen. Zudem ist ein akutes Versagen der Nieren in Extremfällen möglich. Bislang wurden dem Institut keine Todesopfer verursacht durch Hantaviren gemeldet. Die Inkubationszeit bis zum Ausbruch der Erkrankung beträgt in der Regel 12 bis 21 Tage.

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Doch wie wird die Erkrankung übertragen? Am häufigsten werden die Hantaviren durch Rötelmäuse, die in den Wälder leben, übertragen. Die Mäuse leben jedoch auch immer mehr in Fluren, Kellern und Dachböden. Die Gesunheitsexperten gehen davon aus, dass eine rasante Vermehrung der Mäuse hochst wahrscheinlich dafür verantwortlich ist, dass es zu einem massiven Anstieg der Erkrankungsrate in Deutschland gekommen ist. Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass die Mäuse in diesem Jahr ausreichend Bucheckern zum Fressen hatten. Hinzukommend schützte die dicke winterliche Schneedecke die Tiere vor natürlichen Feinden.

Bereits im Jahre 2007 war ein Anstieg der Hantavirus-Infektionen zu verzeichnen. Auch damals war ein Vermehrung der Rötelmäuse dafür verantwortlich. 2007 waren dem RKI etwa 1700 Erkrankungsfälle gemeldet worden. Da Hantavirus-Erkrankungen in Deutschland erst seit 2001 meldepflichtig, können jedoch keine genauen Vergleiche angestellt werden. Doch wie genau können die Mäuse die Krankheit übertragen?

Die Viren werden über den Urin, Kot, aber auch über den Speichel der Tiere übertragen. Dieser sammelt sich in dem Staub ländlicher Gegenden. Kommen beispielsweise Menschen beim Putzen mit dem Urin oder Kot in Berührung, kann sich der Erreger übertragen. Eine andere Möglichkeit ist der Übertragungsweg über die Atemwege. Das passiert vor allem dann, wenn die Mäuse in dem Haus leben. Meistens sind die Mäuse in Scheunen, Schuppen, Ställen und verlassenen Häusern anzutreffen.

Doch eine Panik wäre übertrieben, denn längst nicht alle Mäuse haben den gesundheitsgefährdenden Erreger in sich. Außerdem können sich einfache aber effektive Hygienemaßnahmen das Ansteckungsrisiko mindern. Wer sein Haus putzt, sollte dabei einen Mundschutz und Handschuhe tragen. Sind Mäuse in dem Haus anzutreffen, empfielt es sich einen Kammerjäger zu bestellen. Denn die beste Vorsorge ist, das Haus von Mäusen zu befreien.

Wo traten die häufigsten Infektionsfälle mit dem Hantavirus auf? Laut RKI wurden die meisten Infektionen in Schwäbischen Alb, im Spessart, im Bayerischen Wald, im Osnabrücker Land und im Münsterland gemeldet. Doch auch in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg- Vorpommern und Thüringen wurden einige Hantavirus-Infektionen verzeichnet.

Momentan gibt es keine auf die Erkrankung abgestimmte konventionelle Therapie. Derzeit werden Übertragungen von Mensch zu Mensch ausgeschlossen. Vorbeugende Maßnahmen, wie erläutert, sind demnach am sinnvollsten. Vorallem in ländlichen Gebieten, wo die Überträger am Häufigsten anzutreffen sind. (sb)