Hausärzte kritisieren Zeitmangel und Bürokratie

Sebastian

Hausärztetag: Allein in Mecklenburg-Vorpommern fehlen über 190 Hausärzte

02.12.2012

Während in den Städten eine hohe Arztdichte vorherrscht, beklagen Mediziner auf dem Hausärzte-Tag in Rostock den stetig steigenden Landärztemangel. Für die Patienten gebe es kaum Zeit, vielfach sei die Ärztestruktur überaltert und die Bürokratie der Krankenkassen nehme immer weiter zu. Gerade im Nordosten Deutschland gebe es „eine regelrechte Unterversorgung“. Es fehlen in dem Bundesland Mechlenburg-Vorpommern über 190 Hausärzte.

Jeder fünfte Hausarzt ist über 60 Jahre alt
Etwa 350 Mediziner des Hausärzteverbandes haben sich am Wochenende in Rostock zum Hausärztetag zusammen gefunden. Im Zuge der Veranstaltung beklagte der Ärzteverband die zunehmende Unterversorgung der allgemeinmedizinischen Versorgung auf dem Land. „Es fehlen mittlerweile in Mecklenburg-Vorpommern 190 Hausärzte“, mahnte der Verbandschef des Landes, Dr. Dieter Kreye. Jedes Jahr würden etwa 16 Praxen schließen müssen, weil keine Nachfolger die Praxis übernehmen würden. Jeder fünfte Hausarzt ist mittlerweile älter als 60 Jahre.

Als kritische Regionen mit einer massiven ärztlichen Unterversorgung nannte der Landesverbandschef die Gegenden um Woldegk, Schwaan und Crivitz. Verbesserte Rahmenbedingungen für Allgemeinmediziner könnten dem Problem nach Ansicht des Verbandes aber begegnen. Kreye forderte vor allem „stabile Aussagen beispielsweise über Förderbedingungen, Honorarentwicklung und einen deutlichen Bürokratieabbau.“

Ansiedlung von Hausärzten auf dem Land soll verbessert werden
Von Seiten der Politik bekam der Hausärzteverband die Zusicherung zur Verbesserung der Situation. So kündigte der SPD-Ministerpräsident Erwin Sellering an, die Ausbildungssituation zu verbessern und die Ansiedlung von Ärzte zu unterstützen. "Wir müssen für die Allgemeinmedizin mehr Ärzte gewinnen", betonte der Ministerpräsident. Hierfür sei es notwendig die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Landärzte zu verbessern. "Wir brauchen ein attraktives Berufsbild, das auch Familie zulässt. Dafür müssen wir kluge Modelle wie den Betrieb von Gesundheitshäusern finden." Als Reform schlug Sellering vor, die Eröffnung von Zweitpraxen für Hausärzte zu erleichtern. Derzeit werde auch geprüft, wie die Beförderung von Patienten auf dem Land verbessert werden könne.

Zwei neue Professuren an den Universitäten für Allgemeinmedizin
Als weiteres Vorgehen wurden an den Universitätskliniken Rostock und Greifswald zwei Professuren für Allgemeinmedizin eingerichtet. Zwar sei dies „keine Lösung des Problems innerhalb von zwei Jahren“, wie das Vorstandsmitglied Dr. Thomas Maibaum betonte, allerdings wird dies die „Situation in zehn Jahren dennoch deutlich verbessern“. Der Verband bemerke, dass die Nachfrage von Medizinstudenten im Hausärzte-Bereich immer mehr zunimmt. Inzwischen ist Allgemeinmedizin bei den Studierenden das beliebteste Wahlfach“, so Maibaum.

Bürokratie der Krankenkassen nimmt weiter zu
Ein bedeutendes Problem der Ärzte sei der zu hohe Zeitaufwand für die bürokratische Abwicklung. Es falle zunehmend schwer sich „im Dschungel der Formulare für gesetzlich Versicherte zurechtzufinden“. Nach Angaben des Ärzteverbandes müssen die Hausärzte durchschnittlich ein Drittel ihrer Arbeitszeit für die Bürokratie der Krankenkassen aufbringen. Die Abschaffung der Praxisgebühren würde daran kaum etwas ändern. "Bei mir ist es so: Ich setze mich am Wochenende in der Regel jeden Tag Sonnabend und Sonntag drei bis vier Stunden hin, um meine Versorgungsamt-Anträge, meine Reha-Anträge und Begründungen für Krankenkassen zu schreiben“, beklagt ein Hausarzt aus dem Kreis Demmin. Zwar könne der Arzt durch die Arbeit am Wochenende mehr Diagnose- und Behandlungszeit für seine Patienten frei schaufeln, doch seine eigene Privatzeit für Familie und Ausspannen komme dabei deutlich zu kurz. In diesem Kontext forderte der Hausärzteverband von Seiten der Politik, mehr Druck auf die gesetzlichen Krankenkassen auszuüben, um den Aufwand für bürokratische Angelegenheiten zu begrenzen. Die Krankenkassen hingegen betonten in der Vergangenheit immer wieder es gebe keinen Ärztemangel. Vielmehr würde eine Ungleichverteilung bestehen, da die Arztdichte in den Städten vielerorts deutlich zu hoch sei. (sb)

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