Hausärzte und AOK: Bald Einigung in Sicht

Alfred Domke


06.04.2014

Der seit Jahren andauernde Streit um einen besser dotierten Sondervertrag der 7.800 bayerischen Hausärzte mit der AOK scheint beendet zu sein. Zum 1.Juli soll ein neuer Hausarztvertrag den Allgemeinmedizinern eine bessere Vergütung sichern.

Vertrag bringt Hausärzten Mehreinnahmen
Nach jahrelangem Streit soll am 1. Juli ein neuer Hausärztevertrag zwischen der AOK und den bayerischen Allgemeinmedizinern in Kraft treten, der dauerhaften Bestand haben soll. Davon geht der bayerische Hausärzteverband aus, wie der Verbandsvorsitzende, Dieter Geis, am Samstag in Nürnberg mitteilte. „Wir verhandeln in guter und freundlicher Stimmung und kommen schrittweise voran“, so Geis am Rande des 22. Bayerischen Hausärztetages. Der Vertrag, den die AOK mehrfach, zuletzt im Jahr 2012 gekündigt hatte, bringt den 7.800 Hausärzten im Vergleich zum sogenannten Kollektivertrag mit den Kassen deutliche Mehreinnahmen.

Patienten müssen zunächst zu einem Hausarzt
Der Vertrag soll zudem dazu dienen, die sogenannte Lotsenfunktion des Hausarztes im Gesundheitssystem zu stärken. Das bedeutet, dass jeder Versicherte erst einmal zu seinem Hausarzt gehen muss und der entscheidet dann, ob der Patient an einem Facharzt überwiesen werden muss. Mit dieser sogenannten zentrierten Versorgung wollen die Hausärzte verhindern, dass Versicherte das Hausarztsystem unterhöhlen. Die Hausärzte versprechen den Patienten eine ganzheitliche Behandlung, bei der teure Mehrfachuntersuchungen vermieden würden. Greis bedauerte, dass diese Lotsenfunktion aufgrund des Streits ausgebremst wurde.

Politik verbessert Bedingungen für niedergelassene Hausärzte
Ab Juli rechnet der Verbandschef mit einem starken Anstieg der in das Hausarztprogramm eingeschriebenen Patienten. „Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr bei AOK-Patienten die Millionengrenze überschreiten“, so Geis. Seinen Angaben zufolge sind derzeit rund 600.000 AOK-Mitglieder eingeschrieben. Nach Einschätzung des Verbandschefs dürften Weichenstellungen der neuen Bundesregierung die Hausarztverträge auch für die niedergelassenen Allgemeinmediziner wieder attraktiver machen. Die schwarz-rote Koalition habe die sogenannte Refinanzierungsklausel gestrichen, die eine bessere Vergütung der Hausärzte durch Einsparungen, etwa bei Arzneimittelverordnungen, vorschrieb.

Hausarztberuf soll für junge Mediziner attraktiver werden
Die AOK hatte den Vertrag mit den bayerischen Hausärzten 2010 im Streit um eine höhere Dotierung gekündigt. Damals hatten die Ärzte gedroht, aus dem Kassensystem auszusteigen. Allerdings verweigerte die Mehrheit der Hausärzte in einer spektakulären Abstimmung in der Nürnberger Arena die Unterstützung. Im Juli 2012 war der Vertrag erneuert worden, den die AOK aber schon bald darauf wieder kündigte. Zurzeit läuft auf Druck der Staatsregierung ein Schiedsverfahren. Der Verband will unterdessen seine Bemühungen verstärken, den Hausarztberuf für junge Mediziner wieder interessanter zu machen. So setzen sich die Allgemeinmediziner in einem Forderungskatalog unter anderem dafür ein, Lehrstühle für Allgemeinmedizin an Medizin-Fakultäten zum Regelangebot zu machen. Zudem sollte statt der Abiturnote ein Eignungstest regeln, wer zum Medizinstudium zugelassen wird. Des Weiteren sollte in dem von Nachwuchsmedizinern zu absolvierenden Praktischen Jahr ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin eingeführt werden.

Jeder Zweite bereut Entscheidung für eigene Praxis
Vorgeschlagen wird auch, dass jungen Ärzten bei Schulungen die Angst genommen werden soll, sich als Hausarzt niederzulassen. Laut einer Umfrage des Ärztenetzwerks „Hippokranet“ bereut fast jeder zweite niedergelassene Arzt im Nachhinein die Entscheidung für eine eigene Praxis. Gründe dafür seien unter anderem eine überbordende Bürokratie und Unzufriedenheit mit dem Honorar. Allerdings würde die große Mehrheit der Befragten jungen Menschen zum Arztberuf raten, lediglich 29 Prozent würden dies nicht tun. Beteiligt an der Umfrage hatten sich 747 niedergelassene Fachärzte sowie 389 Hausärzte. (ad)

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