Hausmittel statt Medikamente: Kindern nur wenig Pillen geben

Sebastian

Medikamente, die bei Erwachsenen relativ harmlos sind, können bei Kindern oft eine bedenkliche Wirkung haben. Eltern sollte daher grundsätzlich auch bei der Gabe von gewöhnlichen Schmerz- oder Erkältungsmitteln vorsichtig sein. Einfache Hausmittel wirken ohnehin oft besser.

Kindern nicht einfach nur die halbe Dosis geben
Kinder reagieren grundsätzlich anders auf Medikamente als Erwachsene und brauchen daher unter anderem eine andere Dosierung. Die teilweise noch angewandte Regel „bei Kindern die halbe Dosis“ ist Experten zufolge jedoch längst überholt. Insbesondere bei Kindern, die schon an Allergien leiden, können frei verkäufliche Pillen und Co. Unverträglichkeiten auslösen. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, empfiehlt die deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA) in ihrem Elternmagazin „haut & allergie“ (Ausgabe 2/2015), bei kleineren „Wehwehchen“ so gut es geht auf chemische Mittel zu verzichten.

Lieber öfter zu Hausmitteln statt zu Medikamenten greifen. Bild: fotoknips - fotolia
Lieber öfter zu Hausmitteln statt zu Medikamenten greifen. Bild: fotoknips – fotolia

Natürliche Hausmittel helfen
So raten die Experten beispielsweise bei Schnupfen und Erkältung auf einfache Mittel wie Rotlicht, Inhalieren von Wasserdampf, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und bei älteren Kindern auf Brusteinreibungen zu setzen. Der DHA zufolge „sind Nasentropfen keine harmlosen Schnupfenmittel und sollten deswegen auch nur abends zum Einsatz kommen, damit das Kind besser schlafen kann“. Als Hausmittel gegen Fieber bieten sich unter anderem Wadenwickel an. Erhöhte Temperatur geht zwar oft mit Appetitlosigkeit einher, doch Patienten sollten nicht komplett auf Essen verzichten. Eine leichte Gemüsebrühe kann etwas Kraft geben. Laut DHA seien fiebersenkende Mittel erst ab 38,5 Grad Celsius sinnvoll. Wenn Kinder krampfartige Schmerzen haben, hilft Wärme. Haben die Kleinen jedoch entzündungsbedingte Schmerzen, dann ist wiederum Kälte besser.

Medikamentengabe mit Kinderarzt abstimmen
Wenn die „Wehwehchen“ jedoch zur Krankheit werden, ist es auf jeden Fall sicherer, sich mit dem Kinderarzt über die mögliche Medikamentengabe abzustimmen und Arzneien nicht selbst zu verabreichen. Selbst Mittel, die Erwachsene recht häufig einsetzen wie Acetylsalicylsäure (ASS), können für Kinder mitunter sogar schädlich sein. Dies hat auch damit zu tun, dass viele Medikamente nicht für Kinder geprüft wurden, wie Experten immer wieder bemängeln. So würden über 50 Prozent der Arzneien, die bei Kindern zum Einsatz kommen, vorher nicht in dieser Altersgruppe getestet. Bereits 2007 hatte die EU eine Arzneimittelverordnung erlassen, die Pharmakonzerne verpflichtet, jedes neue Medikament auch in Studien mit Kindern zu testen. Für das Fehlen pädiatrischer Arzneiprüfungen seien sowohl ethische Bedenken als auch wirtschaftliche Aspekte verantwortlich. Solche Prüfungen sind für die Pharmaindustrie nicht lukrativ, da Kinder und Jugendliche zum einen nur ein kleiner Markt seien und zum anderen sind pädiatrische Untersuchungen normalerweise sehr aufwendig. (ad)

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