Hautbakterien machen das Immunsystem fit

Sebastian

Bakterien auf der Haut unterstützten die Immun-Fitness

29.07.2012

Wissenschaftler des National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda haben im Verlauf einer Forschungsarbeit heraus gefunden, dass nicht nur Bakterien der Darmflora das Immunsystem unterstützten. Auch die Besiedlung von Bakterien auf der menschlichen Haut schützt die Gesundheit. Übermäßige Reinlichkeit kann demnach gesundheitsschädlich wirken.

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Heilpraktiker wissen, die Darmflora sollte insbesondere nach einer antibiotischen Therapie aufgebaut werden, um das Immunsystem zu unterstützten (Darmflora aufbauen). Doch nicht nur in der Darmflora leben unzählige Bakterien in einer „evolutionären Partnerschaft zum Menschen“, sondern auch auf der Haut, wie eine Studie zeigte, die in dem Fachblatt „Science“ (2012; doi: 10.1126/science.1225152) veröffentlicht wurde.

Bakterien besiedeln die Haut
Das US-Forscherteam um Yasmine Belkaid vom Nationalen Institut für Allergie und Infektionskrankheiten in Bethesda hat in einem Experiment mit keimfreien Mäusen gearbeitet. Beim ersten Studienaufbau wurde die Tierhaut gezielt mit dem Bakterienstamm der Staphylococcus epidermidis besiedelt. Diese Bakterien kommen auch beim Menschen als ungefährliche Keime auf der Haut vor. Im Anschluss wurde die Haut der Tiere mit dem Krankheitserreger Leishmania major kontaminiert. Der Erreger (Protozoon) ist verantwortlich für zahlreiche Tierseuchen und kann beim Menschen die Tropenkrankheit Leishmaniose auslösen. Wie erwartet löste die Infektion bei den Nagern eine typische Abwehrreaktion aus. Es bildeten sich T-Zellen, um den Schädling zu eliminieren.

Im zweiten Versuchsaufbau wurden keimfreie Mäuse ohne den Zusatz der Bakterien Staphylococcus epidermidis mit dem Erreger Leishmania major infiziert. Nunmehr blieb die Bildung der T-Zellen in der zweiten Gruppe aus. „Unser Resultat legt die Vermutung nahe, dass die normale bakterielle Besiedlung der Haut die Abwehrbereitschaft des Immunsystems trainiert und damit stärkt“, resümieren die Forscher in dem Studienbericht.

Hautflora aktiviert Immun-Fitness
Wesentlich beteiligt an der immunisierenden Reaktion war das Zytokin „Interleukin-1“, dass auch bei der Entstehung der Schuppenflechte (Psoriasis) und weiteren entzündlichen Erkrankungen der Haut beteiligt ist. Die Studienleiterin Yasmine Belkaid vermutet in ihrem Bericht daher, dass die Hautflora über die Aktivierung der speziellen Proteine einen Einfluss auf die Entstehung von Hautkrankheiten hat. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten ihrer Ansicht nach zu der Entwicklung von neuen „rationellen Therapien führen“. Die Forscherin denkt dabei insbesondere an Impfstoffe und haut-spezifische Verstärker.

Besiedlung führt zu lokale Effekten
Weitere Studienaufbauten zeigte jedoch, dass die bakterielle Besiedlung des Darms nicht die Immunabwehr der Haut beeinflussen kann. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass bakterielle Hautbesiedelungen nur einen regionalen Einfluss auf die Abwehrbereitschaft ausüben. Das gelte offenbar auch für die Haut, den Darm der Lunge oder anderen Organen. Um die Vermutungen zu sichern, sind weitere Studien notwendig. (sb)