Hautkrebs: Sonnenbaden macht junge Frauen krank

Fabian Peters

Deutliche Zunahme der Hautkrebserkrankungen durch ungesundes Freizeitverhalten

15.07.2013

Hautkrebs ist ein vielfach unterschätztes Risiko beim Sonnenbaden im Freien und dem Besuch von Solarien. In einem aktuellen Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ hat der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven, über die dramatische Zunahme der Hautkrebserkrankungen in Deutschland berichtet. „Die Zahl der Hautkrebserkrankungen hat sich in den letzten Jahrzehnten vervierfacht“ und „Hautkrebs ist inzwischen die häufigste Krebsart in Deutschland“, erläuterte Nettekoven.

„Die potenziell krebserregende ultraviolette Strahlung von Sonne und Solarien – in Kombination mit dem Freizeitverhalten der Bevölkerung“, sind laut Angaben des Hauptgeschäftsführers der Deutschen Krebshilfe die größten Risikofaktoren für Hautkrebs. Seit den 1970er-Jahren seien . Sonnenurlaube und die regelmäßige Solariennutzung normaler Bestandteil des Lebens vieler Menschen in Deutschland. Für die Haut hat dies laut Aussage des Experten nicht selten fatale Folgen. „Allein in diesem Jahr werden rund 234.000 Menschen in Deutschland neu an Hautkrebs erkranken“, warnte Gerd Nettekoven in dem Gespräch mit der Zeitung.

Alarmierende Zunahme der Hautkrebserkrankungen
Dem Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe zufolge ist die Zunahme der Hautkrebserkrankungen in Deutschland „alarmierend“, doch werde „die Gefährlichkeit von UV-Strahlen bei uns immer noch stark unterschätzt.“ Viel zu häufig sehe man „am Strand, im Schwimmbad, auf dem Fußballplatz oder beim Sportfest Kinder und Erwachsene mit Sonnenbrand.“ Für Kinder und Jugendliche sei dies besonders fatal, weil gerade bei ihnen „Sonnenbrände das Risiko, später an einem malignen Melanom zu erkranken, um das Zwei- bis Dreifache erhöhen.“ Maligne Melanome (Schwarzer Hautkrebs) sind in der Regel deutlich gefährlicher als der sogenannte weiße Hautkrebs, welcher einen Großteil der Erkrankungen ausmacht. Nettekoven spricht von 206.000 erwarteten Erkrankungen an weißen Hautkrebs und 28.000 am dem besonders bösartigen schwarzen Hautkrebs im Jahr 2013. Die malignen Melanome seien dabei so gefährlich, weil sie sehr schnell Metastasen bilden und dann nur noch schwer heilbar sind. Circa 3.000 Menschen sterben laut Angaben des Experten pro Jahr in Deutschland an den Folgen einer Melanomerkrankung.

Solarien mit Strahlungsintensität wie am Äquator
Das Freizeitverhalten der Bevölkerung spielt laut Nettekoven bei den steigenden Hautkrebserkrankungen eine maßgebliches Rolle. Ausgeprägte Sonnenbäder am See, Sonnenurlaube und Solarien bilden hier eine ungünstige Kombination aus Risikofaktoren. In Bezug auf die Solariennutzung erläuterte Nettekoven, dass derzeit noch etwa 4,8 Millionen Deutsche regelmäßig Solarien nutzen und dies „obwohl die Strahlungsintensität der Geräte vergleichbar mit der mittags am Äquator“ sei. Die Deutsche Krebshilfe rate daher grundsätzlich von Solarienbesuchen ab. Wenn sich Jugendliche nicht an das seit dem Jahr 2009 geltende Verbot der Solariennutzung halten, sei dies „schlichtweg dramatisch“, da sich „das Risiko, am schwarzen Hautkrebs zu erkranken, verdoppelt, wenn Solarien bis zu einem Alter von 35 Jahren regelmäßig genutzt werden.“ Hier bedürfe es dringend einer verbesserten Aufklärung, damit sich insbesondere junge Menschen dieses leicht vermeidbaren Krebsrisikofaktors bewusst werden.

Vor allem Frauen erkranken vermehrt an bösartigem Hautkrebs
Besonders bedenklich sind laut Aussage des Experten die in den letzten Jahren vergleichsweise hohen Erkrankungszahlen junger Frauen am malignen Melanom. Sie seien „mittlerweile die häufigste Tumorart bei jungen Frauen“, wobei in Fachkreisen „insbesondere häufige Solarienbesuche für diesen Trend verantwortlich“ gemacht würden, erklärte Nettekoven.

Sonnenschutz beim Aufenthalt im Freien
Neben dem Vermeiden von Solarien-Besuchen spielt der Sonnenschutz beim Aufenthalt im Freien für die Hautkrebsprävention eine maßgebliche Rolle. Hier gilt das vom Bundesverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) propagierte Motto „Meiden – Kleiden – Cremen“. Demnach ist die direkte Sonnenstrahlung insbesondere in den Mittagsstunden zu meiden. Bei Aufenthalt in der Sonne sollte der Körper durch Kleidung wie einen Sonnenhut oder leichte, lange Hosen und langärmlige Hemden geschützt werden und die unbedeckten Stellen sind mit einer Sonnencreme, die über einen angemessenen Lichtschutzfaktor (mindestens 25 bei Erwachsenen und 30 bei Kindern) verfügt, gründlich einzucremen.

Hautkrebs-Screening
Da bei einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung des Hautkrebses, die Behandlungschancen deutlich steigen, rät Gerd Nettekoven außerdem zu sogenannten Hautkrebs-Screenings, welche als „standardisierte Untersuchung der gesamten Hautoberfläche“ den gesetzlich Versicherten ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre zur Verfügung stehen. Auf diese Weise bestehen gute Chancen, dass selbst bösartige maligne Melanome noch in einem therapierbaren Stadium erkannt werden. (fp)

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