Hautkrebs-Vorsorge laut einigen Medizinern nutzlos

Sebastian
Jedes Jahr gehen rund acht Millionen Menschen in Deutschland zur Hautkrebs-Vorsorge. Laut einem Bericht des ARD-Magazins „Kontraste“ bringt dies jedoch kaum etwas. Einem Gutachten zufolge soll sich die Sterblichkeitsrate bei Hautkrebs trotz der Screenings nicht verändert haben.

Sterblichkeitsrate hat sich nicht verändert
Wie das ARD-Magazin „Kontraste“ unter Berufung auf erste Gutachten zum Hautkrebsscreening in Deutschland berichtet, zeigt das Vorsorgeprogramm der Krankenkassen zur Früherkennung von Hautkrebs offenbar keine Wirkung. Laut „tagesschau.de“ hieß es weiter, dass sich die Sterblichkeitsrate nicht verändert habe, obwohl seit 2008 für jeden Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre eine kostenlose Hautkrebsvorsorgeuntersuchung möglich ist. Den Angaben zufolge wurde das Gutachten vom Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in Auftrag gegeben, um die Auswirkungen der Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen zu überprüfen. „Der eindeutige Nachweis für die Wirksamkeit wäre die Abnahme der Mortalität, also der Sterblichkeit. Das konnten wir bisher nicht zeigen“, erklärte der renommierte Dermatologe Prof. Reinhard Dummer vom Universitätsspital Zürich.

hautveraenderungen

Viele Menschen werden unnötig belastet
Seit Einführung seien zwar etwa 25 Prozent mehr Hautkrebs-Diagnosen gestellt worden, doch 50 Prozent der entdeckten Tumore seien sogenannte Krebsvorstufen, von denen unklar ist, ob sie die Betroffenen je gesundheitlich beeinträchtigt hätten. Professor Hans-Werner Hense, Leiter des Krebsregisters Münster, kritisierte: „Viele Menschen werden dadurch unnötig mit einer Krebsdiagnose belastet.“ Prof. Dummer führt als Begründung für die gleichbleibende Sterblichkeitsrate an, dass gerade die schnell wachsenden und gefährlichen schwarzen Melanome durch die Früherkennung meist nicht gefunden werden. „Die Melanome, die zum Tod führen, sind meist dicke Melanome, und die verpassen wir immer noch trotz Früherkennungsprogrammen.“ Laut „derwesten.de“ sagte er weiter: „Es ist also blanker Zufall, ob man die schnellwachsenden Melanome bei einem Früherkennungstermin erkennt, der im Abstand von zwei Jahren stattfindet.“

Acht Millionen Deutsche gehen jährlich zum Hautkrebs-Check
Ungefähr acht Millionen Versicherte nehmen jährlich an dem Programm teil. Das Früherkennungsprogramm war 2008 laut „tagesschau.de“ auf Druck der Haut- und Hausärzte durchgesetzt worden. Ärzte können für jedes Screening rund 22 Euro pro Patient außerhalb des Budgets abrechnen. Die Kosten der Krankenkassen allein für die Vorsorgeuntersuchungen belaufen sich auf mindestens 130 Millionen Euro pro Jahr. Prof. Jürgen Windeler vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kritisierte: „Deutschland ist das einzige Land der Welt, dass trotz völlig ungeklärter Beweislage das Hautkrebscreening eingeführt hatte.“

Viele wiegen sich „in falscher Sicherheit“
Professor Hense vom Krebsregister hat zudem auf die Gefahr hingewiesen, dass die Menschen nach der Untersuchung zu wenig Sorgfalt walten lassen. „Durch das Screening wiegen sich viele Menschen in falscher Sicherheit. Sie achten nicht mehr selbst auf ungewöhnliche Veränderungen der Haut. Sie vertrauen stattdessen auf die alle zwei Jahre stattfindende Untersuchung durch den Arzt.“ Die Maßnahme ist für ihn überflüssig. „Man sollte sie deshalb einstellen.“ Auch andere Fachleute, wie etwa der Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery haben sich in der Vergangenheit äußerst kritisch gegenüber vielen Früherkennungsuntersuchungen geäußert. Unter anderem auch, da dadurch oft nur jene erreicht würden, die sich ohnehin um ihren Körper kümmern.

Vor starker Sonneneinstrahlung schützen
Hautkrebs gehört in Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft erkranken jährlich bis zu 200.000 Menschen neu an Hautkrebs. Die Deutsche Krebshilfe geht von einer noch höheren Zahl, nämlich von 234.000 Neuerkrankungen, aus. Dabei betreffen mehr als 20.000 Diagnosen den gefährlichen „schwarzen“ Hautkrebs. Experten empfehlen verschiedene Verhaltensregeln, um das Risiko für Hautkrebs zu mindern. So sollte man sich keiner zu starken Sonneneinstrahlung aussetzen, wie etwa während der Mittagszeit. Zudem sollte man geeignete Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille tragen und Sonnenschutzmittel verwenden. Ganz besonders sollte auf den Schutz der Kinder geachtet werden. Säuglinge sollten der Sonne grundsätzlich nicht direkt ausgesetzt werden. (ad)