Hebammen streiken vier Tage lang

Fabian Peters

Schlechte Arbeitsbedingungen: Hebammen in Schleswig-Holstein streiken

26.04.2011

Bereits im März meldete der Hebammenverband Mittelfranken, dass immer weniger freiberufliche Hebammen Geburtshilfe anbieten und der Berufsstand insgesamt bedroht sei. Nun planen auch die Hebammen in Schleswig-Holstein mit einem Streik auf die Probleme ihres Berufsstandes aufmerksam zu machen.

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Die Hebammen in Schleswig-Holstein werden vom 02. bis 05. Mai ihre Arbeit niederlegen und keine Vorsorgeuntersuchungen, Geburtsvorbereitung und Wochenbettbetreuung durchführen. Mit dem viertägigen Streik wollen die Hebammen auf die Missstände bei den Arbeitsbedingungen hinweisen und den Druck auf Krankenkassen und Politik erhöhen. Insbesondere die massiv gestiegenen Haftpflichtprämien bereiten zahlreichen freiberuflichen Hebammen erhebliche Probleme. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) hatte letztes Jahr bereits auf die finanziellen Schwierigkeiten der Hebammen hingewiesen und eine Online-Petition für den Erhalt der wohnortnahen Versorgung mit Hebammenhilfe initiiert.

Hebammen geben Wochenbettbetreuung und Geburtshilfe auf
Immer mehr Hebammen geben die freiberufliche Wochenbettbetreuung und die Geburtshilfe auf,
warnte Margret Salzmann, Vorsitzende des Hebammenverbands Schleswig-Holstein. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Prämien für die Berufshaftpflichtversicherungen bei Hebammen sich seit 2007 mehr als verdreifacht haben, wodurch der durchschnittliche Netto-Stundenlohn für eine Hausgeburt unter fünf Euro gesunken sei, betonte Salzmann. Um auf die Missstände bei ihrer beruflichen Situation aufmerksam zu machen, haben sich die Hebammen in Schleswig-Holstein nun erstmals zu einem Streik entschlossen. Vom 02. bis zum 05. Mai werden keine Vorsorgeuntersuchungen, Geburtsvorbereitung und Wochenbettbetreuung durchgeführt. Für Notfälle und Spontangeburten stehen die rund 550 schleswig-holsteinischen Geburtshelferinnen dennoch zur Verfügung. Durch den Streik werde der Druck auf die Krankenkassen und Politik erhöht, etwas gegen die unzulänglichen Arbeitsbedingungen beim Berufsstand der Hebammen zu unternehmen, erklärte Margret Salzmann. „Die drastische Erhöhung der Berufshaftpflichtprämie für Selbstständige im vergangenen Jahr und die Tatsache, dass es seit 2007, dem Beginn unserer Selbstverwaltung, keine Gebührenanhebung gegeben hat,“ verschärfe die berufliche Situation der Geburtshelferinnen enorm, betonte die Vorsitzende des Hebammenverbands Schleswig-Holstein, Interessenvertreterin der rund 630 Hebammen in Schleswig-Holstein.

Hebammen leiden unter der unzumutbaren Arbeitsbedingungen
Jede fünfte freiberufliche Hebamme in Schleswig-Holstein (20 Prozent) habe die Geburtshilfe wegen der unzumutbaren beruflichen Situation bereits aufgegeben, erklärte die Vorsitzende des Hebammenverbands Schleswig-Holstein. Dies sei deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt, wobei laut Aussage des Deutschen Hebammenverbands seit Juli 2010 rund 15 Prozent der Geburtshelferinnen deutschlandweit wegen zu hoher Kosten das Kernstück ihrer Arbeit aufgegeben haben. Hausgeburten oder Entbindungen im Geburtshaus könnten angesichts des drohenden Hebammen-Mangels künftig unmöglich werden, erklärte im März bereits die Vorsitzende des Hebammenverbands Mittelfranken, Steffi Kuntze. Schon heute leisten viele Hebammen nur noch die Schwangerschaftsvorsorge und Nachbetreuung, sind bei der eigentlichen Geburt im Krankenhaus jedoch nicht dabei, obwohl laut Aussage des Deutschen Hebammenverbands (DHV) vor allem bei der Geburt das Vertrauensverhältnis zwischen Hebamme und werdender Mutter eine besonders große Rolle spielt.

Deutscher Hebammenverband kämpft für den Erhalt der wohnortnahen Versorgung
Das viel Geburtshelferinnen ihre Tätigkeit an den Nagel hängen, ist nach Aussage sämtlicher Verbandssprecher nur zu gut zu verstehen. Denn die gestiegenen Haftpflichtprämien hätten dazu geführt, dass freiberuflichen Hebammen rund 37.000 Euro im Jahr für ihre Versicherung zahlen, bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von rund 14.000 Euro, erklärte die Vorsitzende des Hebammenverbands Schleswig-Holstein. Sowohl die Versicherungsprämien als auch die Vergütung der Leistungen, bedürfen nach Aussage von Margret Salzmann einer deutlichen Anpassung, um den Beruf wieder attraktiver zu machen. Der Deutschen Hebammenverband hatte bereits im vergangenen Jahr mit einer Online-Petition für den Erhalt der wohnortnahen Versorgung mit Hebammenhilfe gekämpft.

186.356 Unterzeichner/innen schlossen sich im letzten Jahr der Forderung des DHV an, womit die Petition die meisten Unterstützer aller bisher eingereichten Online-Petitionen erhielt. „Das Gesundheitsministerium hat daraufhin eine Studie zur bundesweiten Versorgung in Auftrag gegeben“, erklärte die Sprecherin des DHV, Edith Wolber. Der Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) versprach außerdem einen runden Tisch mit Vertretern der Krankenkassen und des Hebammenverbands einzuberufen, um die Probleme der Hebammen zu thematisieren. Passiert ist bisher jedoch nur wenig und immer mehr Geburtshelferinnen geben in der Zwischenzeit ihre Tätigkeit auf, warnte die Vorsitzende des Bayrischen Hebammen Landesverbands, Astrid Giesen im März. Die Expertin ergänzte : „Ich glaube nicht, dass wir die Frauen ins Boot zurückholen können, die einmal weg sind“, auch wenn die Vergütungs- und Versicherungsregelungen anschließend geändert werden. So werden sich in Zukunft wahrscheinlich die Klagen der Frauen häufen, weil „sie keine Hebammen mehr finden, die sie wohnortnah während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett betreuen“ betonte die DHV-Sprecherin Edith Wolber. Am internationalen Hebammentag (05. Mai) wollen die Geburtshelferinnen daher auch in Schleswig-Holstein auf die Straße gehen und gemeinsam mit Eltern und Kindern ihrer Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen mehr Nachdruck verleihen. (fp)

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Bild: Hartmut 910 / pixelio.de