Hefepilz Candida auris: Mediziner warnen vor Ausbruch gefährlicher Pilz-Infektionen

Alfred Domke

Hefepilz Candida auris stellt eine ernste globale Gesundheitsbedrohung dar

Der neu entdeckte Hefepilz Candida auris stellt laut der US-Gesundheitsbehörde CDC eine „ernste globale Gesundheitsbedrohung“ dar. Der Pilz lässt sich nicht nur schwer identifizieren, sondern ist auch gegen herkömmliche Antipilzmittel resistent. Forscher berichten nun jedoch, dass sie womöglich einen Wirkstoff gegen Candida auris entdeckt haben.

Gefährlicher Hefepilz auf dem Vormarsch

Im Herbst 2016 hatte die US-Gesundheitsbehörde CDC erstmals über eine neue Pilzkrankheit berichtet, die in manchen Fällen tödlich verläuft. Der Hefepilz Candida auris war demnach in den USA mit mehreren Todesfällen in Verbindung gebracht worden. Der Pilz wurde zum ersten Mal 2009 bei einem Patienten in Japan als Erreger einer Otomykose (Pilzerkrankung des äußeren Gehörganges) nachgewiesen. Doch mittlerweile grassiert er auch in zahlreichen anderen Ländern. Laut CDC stellt er inzwischen eine „ernste globale Gesundheitsbedrohung“ dar.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC warnt vor Candida auris. Der Hefepilz stelle eine „ernste globale Gesundheitsbedrohung“ dar. Der Pilz lässt sich nur schwer identifizieren und ist gegen herkömmliche Antipilzmittel resistent. (Bild: jarun011/fotolia.com)

Infektion kann lebensgefährlich werden

Auf der Haut leben vielzählige Mikroorganismen, darunter auch Hefen. Pilze der Art Candida können bei etwa 75 Prozent der Menschen nachgewiesen werden.

Mit einem gesunden Immunsystem sind die Hefepilze auf der Haut und den Schleimhäuten meist kein Problem.

Sie leben auf der Haut, ohne dass man etwas davon bemerkt. Und selbst wenn sie zu Hefepilzerkrankungen der Haut führen, können oft einfache Hausmittel gegen Candida helfen.

Wenn jedoch der neue Hefepilz Candida auris in den Blutkreislauf gelangt, kann die häufig in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen auftretende Infektion lebensgefährlich werden.

Erhöhte Aufmerksamkeit ohne unnötige Panikmache

„Candida auris kann bei den Infizierten in den Blutstrom gelangen und dort eine Sepsis, eine sogenannte Blutvergiftung, verursachen“, erklärte Professor Oliver Kurzai in einer Mitteilung der Universität Würzburg, an der der Mediziner den Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie innehat.

Zudem leitet er das Nationale Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen (NRZMyk) in Jena.

Professor Kurzai ist einer der Autoren einer Stellungnahme von Experten aus Deutschland und Österreich, in der im Zusammenhang mit Candida auris eine erhöhte Aufmerksamkeit empfohlen, gleichzeitig aber vor unnötiger Panikmache gewarnt wird.

Nur schwer zu identifizieren

Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) stellt Candida auris jedoch eine „ernste globale Gesundheitsbedrohung“ dar.

Die Behörde begründet dies vor allem damit, dass der Pilz bei den gängigen Routineuntersuchungen nur schwer zu identifizieren und aufgrund der weit verbreiteten Resistenzen schwer zu behandeln ist.

Gefährlich ist er auch, weil es vor allem in Gesundheitseinrichtungen zu Ausbrüchen kam.

Candida auris besiedelt Ohren und Atemwege, er kann allerdings auch im Blut oder in Wunden schwere Infektionen verursachen.

Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind gefährdet

Gesundheitsexperten zufolge ist der Pilz für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Diabetiker oder Frühgeburten eine tödliche Gefahr – diese Personengruppen erleiden nach einer Ansteckung oft ein Multiorganversagen.

Basierend auf den bislang vergleichsweise wenigen Fällen hat die CDC festgestellt, dass etwa 40 bis 60 Prozent der mit Candida auris infizierten Patienten gestorben sind.

Allerdings lässt sich dabei meist nicht genau sagen, ob tatsächlich der Pilz die Ursache war, weil es sich jeweils um schwer kranke Patienten handelte.

„Für einen gesunden Menschen stellt Candida auris keine Bedrohung dar“, sagte Professor Kurzai.

Verbreitung konnte noch nicht gestoppt werden

Sorge bereitet Experten, dass die Verbreitung bislang noch nicht aufgehalten werden konnte. In den vergangenen Monaten sind unter anderem in den USA, Großbritannien und Indien zahlreiche Erkrankungen mit dem gefährlichen Hefepilz erfasst worden.

Auch für Deutschland wird mit einer Zunahme der Fälle gerechnet. Allerdings gab es bislang nur Einzelfälle.

Dem NRZMyk sind vier Fälle bekannt, zudem ein Fall, von dem lediglich mündlich berichtet wurde.

Neuer Wirkstoff macht Hoffnung

Seitdem der Hefepilz erstmals auftauchte, arbeiten Forscher daran, herauszufinden, was ihn so aggressiv macht und wie er behandelt werden könnte.

Wissenschaftler der Case Western Reserve University und des University Hospitals of Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) sind hier nun offenbar einen Schritt weiter gekommen.

In einer kürzlich durchgeführten Studie konnten sie zeigen, dass eine neue Wirkstoffverbindung arzneimittelresistente C. auris abtötet, und zwar sowohl im Labor als auch in einem Mausmodell, das eine menschliche Infektion nachahmt.

Laut einem Bericht von „Science Daily“ testeten die Experten das Medikament gegen 16 verschiedene C. auris-Stämme, die von infizierten Patienten in Deutschland, Japan, Südkorea und Indien gesammelt wurden.

Als sie die Isolate dem neuen Medikament aussetzten, fanden sie es wirksamer als neun andere derzeit verfügbare Antimykotika.

Vielversprechendes Antipilzmittel

Laut Studienleiter Mahmoud A. Ghannoum, Professor für Dermatologie an der medizinischen Fakultät der Case Western Reserve University ist das aufregendste Element der Studie, dass es den Patienten ein vielversprechendes Antimykotikum einen Schritt näher bringt.

Es bildet die Grundlage für klinische Phase-1-Studien, in denen niedrige Konzentrationen des Medikaments bei gesunden Erwachsenen untersucht werden und potenzielle Sicherheitsbedenken getestet werden.

Solche Studien seien dringend erforderlich, da die C. auris-Infektion weltweit zu einer ernsthaften Bedrohung für die Gesundheitseinrichtungen geworden ist – und die Arzneimittelresistenz steigt.

„Begrenzte Behandlungsmöglichkeiten erfordern die Entwicklung neuer Medikamente, die gegen diese verheerende Infektion wirksam sind“, so Ghannoum. „Wir hoffen, dass wir in gewisser Weise zur Entwicklung neuer Medikamente beigetragen haben.“

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „Antimicrobial Agents and Chemotherapy“ veröffentlicht. (ad)