Heftige Grippewelle: Mehrere Kliniken mussten die Notaufnahme schließen

Alfred Domke
Überlastung wegen Grippewelle: Mehrere Krankenhäuser an der Belastungsgrenze
Schon vor Wochen gab es Hinweise darauf, dass es in dieser Saison deutlich mehr Grippefälle als im vergangenen Winter geben könnte. In manchen Regionen häufen sich derzeit die Erkrankungen. In Süddeutschland mussten nun mehrere Krankenhäuser ihre Notaufnahmen wegen Überlastung schließen. Grund dafür ist die heftige Grippewelle.

Grippe sollte nicht unterschätzt werden
Die aktuelle Grippesaison hat in manchen Gegenden Deutschlands wesentlich früher begonnen als in den Vorjahren. Gesundheitsexperten warnen davor, die Influenza zu unterschätzen. So schreibt etwa das bayerische Landesamt für Gesundheit (LGL) auf seiner Webseite: „Für Menschen mit Grunderkrankungen kann eine Grippe eine lebensbedrohliche Komplikation bedeuten.“ In der Tat sind während der aktuellen Grippewelle schon Dutzende Menschen an der Krankheit gestorben. In Süddeutschland sind manche Krankenhäuser nun an ihrer Belastungsgrenze angelangt.

Die Grippewelle sorgt derzeit dafür, dass manche Kliniken ihre Notaufnahmen wegen Überlastung schließen müssen. Ein Ende der Erkrankungswelle ist noch nicht in Sicht. (Bild: Monkey Business/fotolia.com)

Mehrere Kliniken sind überlastet
In Nürnberg und München sind derzeit die Notaufnahmen mehrerer Kliniken überlastet, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Hans-Peter Reißmann, Sprecher der Feuerwehr Nürnberg, bei der die Integrierte Rettungsleitstelle angesiedelt ist, sagte demnach, dass zumindest in Franken die Grippewelle der Grund dafür sei.

„Es kommen sehr viele Patienten in den Krankenhäusern an und teilweise fallen die Pflegekräfte wegen der Grippe aus“, so Reißmann. „Es ist extrem schwierig im Moment. Uns ist keine vergleichbare Situation in dem Ausmaß aus den vergangenen Jahren bekannt.“

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Der Bayerische Rundfunk (BR), der zuerst über die Engpässe berichtet hatte, wies darauf hin, dass derzeit neben der Influenza auch das Nororvirus und das RSV (Humane Respiratorische Synzytial-Virus, englisch: Human Respiratory Syncytial Virus) verstärkt aufträten.

Hausarzt statt Notaufnahme
Auch ohne Grippewelle, kommt es in vielen Krankenhäusern oft zu überfüllten Notaufnahmen. Viele der Patienten, die sich in diese Einrichtungen begeben, wären beim Hausarzt besser aufgehoben.

Wie Reißmann erklärte, müssten Kliniken in Nürnberg immer wieder ihre Notaufnahmen zeitweise schließen. Die Patienten müssten teilweise auf Krankenhäuser in Erlangen und im Nürnberger Land verteilt werden. „Die Rettungswagen sind derzeit lange unterwegs, bis sie die Patienten unterbringen.“

Auf dem Portal Ivena, das die Kapazitäten der Kliniken unter anderem in München und Nürnberg darstellt, wurden am Dienstagvormittag vielfach rote Balken gezeigt, die den Status „belegt“ signalisieren. „Wir hoffen, dass sich die Lage Mitte Februar langsam entspannt“, sagte Reißmann.

Schwerpunkte der aktuellen Grippewelle
Aus dem aktuellen Influenzabericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) geht hervor, dass die Grippe derzeit vor allem im Süden und Osten Deutschlands verbreitet ist. Schwerpunkte seien aber auch Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Er werden allerdings nicht alle Grippefälle gemeldet.

Das hängt auch damit zusammen, dass sich viele Patienten nicht sicher sind, ob eine Grippe oder ein grippaler Infekt für ihre Beschwerden verantwortlich ist. Nicht alle von ihnen gehen zum Arzt und auch dort werden Personen mit Erkältungssymptomen nicht immer auf Influenza getestet.

Obwohl die Influenzasaison 2016/2017 in vollem Gange ist, kann es laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) noch immer sinnvoll sein, sich gegen Influenza impfen zu lassen.

Kein hundertprozentiger Schutz
Wie es im „Epidemiologischen Bulletin“ (4/2017) des RKI heißt, zirkulieren laut aktuellem Influenza-Wochenbericht der AG Influenza am RKI „derzeit zu etwa 98 % Influenza A(H3N2)-Viren, die dafür bekannt sind, insbesondere bei älteren Menschen und kleinen Kindern schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu verursachen“.

Von der Ständigen Impfkommission (STIKO) wird für Risikogruppen (Schwangere, Menschen ab 60 Jahren und Menschen mit chronischen Krankheiten) eine Impfung empfohlen. Die Empfehlung betrifft vor allem auch medizinisches und pflegerisches Personal.

Allerdings bietet die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz. „Wie bereits aus vorherigen Saisons mit überwiegendem Vorkommen von A(H3N2)-Viren bekannt, zeichnet sich auch in dieser Saison ab, dass weniger als die Hälfte der Geimpften vor einer Erkrankung mit Influenza geschützt ist“, schreiben die Experten.

„Trotzdem bleibt die Influenza-Impfung die beste Präventionsmaßnahme um das Risiko einer Erkrankung zu vermindern. Für die Impfung spricht außerdem, dass bei Geimpften eine Erkrankung in der Regel milder und mit weniger Komplikationen verläuft“, heißt es dort weiter. (ad)

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