Heftige Kritik: Terminservice wird von Kassenärzten nicht richtig umgesetzt

Auf einen Termin beim Facharzt müssen gesetzlich Versicherte oftmals lange warten. Hier soll die Vergabestelle Abhilfe bieten. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)
Fabian Peters
Patientenschützer kritisieren: Kassenärzte setzen Terminservice nur halbherzig um
Bereits im vergangenen Jahr war angekündigt worden, dass Kassenpatienten künftig mit Hilfe von Vergabestellen Facharzttermine innerhalb von vier Wochen bekommen sollen. In der kommenden Woche sollen die Terminservicestellen starten. Doch die niedergelassenen Ärzte setzen den Service nur sehr schlecht um, kritisieren Patientenschützer.

Neuer Service soll für schnellere Arzttermine sorgen
Dass man auf einen Facharzttermin oft sehr lange warten muss, haben wohl die meisten Menschen schon mal erfahren müssen. Vor allem Kassenpatienten müssen geduldig sein. Einer Untersuchung aus dem letzten Jahr zufolge müssen sie im Schnitt 23 Tage länger warten als privat Versicherte. Nach lange angekündigten Verbesserungen werden ab Montag, den 25. Januar, sogenannte „Terminservicestellen“ der Kassenärztlichen Vereinigungen gestartet, über die gesetzlich Versicherte einen zeitnahen Termin beim Facharzt bekommen sollen. Kassenärzte kritisieren die neuen Terminservicestellen seitdem deren Einführung bekannt gegeben wurde. Und offenbar erledigen sie ihre Arbeit dabei auch nicht zufriedenstellend.

Auf einen Termin beim Facharzt müssen gesetzlich Versicherte oftmals lange warten. Hier soll die Vergabestelle Abhilfe bieten. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)
Auf einen Termin beim Facharzt müssen gesetzlich Versicherte oftmals lange warten. Hier soll die Vergabestelle Abhilfe bieten. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)

Scharfe Kritik von Patientenschützern
Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz den Kassenärztlichen Vereinigungen vorgeworfen, die Vergabestellen für Facharzttermine mehr schlecht als recht umgesetzt zu haben. Stiftungsvorstand Eugen Brysch sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „In den Terminservicestellen der Kassenärzte geht es bundesweit drunter und drüber.“ Dies hätten aktuelle Recherchen der Stiftung in sämtlichen Bundesländern wenige Tage vor dem Start der Servicestellen am Montag ergeben. Wie es heißt, kommt die Kassenärztliche Bundesvereinigung ganz offensichtlich ihrer Steuerungsfunktion für die regionalen Ärzteverbände nicht nach. Brysch meinte, die müsse nun aber „Ordnung in das Wirrwarr bringen. Wir brauchen für die Kassen-Patienten ein bundesweit einheitliches System bei der Terminvermittlung für Fachärzte.“

Große Unterschiede in den einzelnen Bundesländern
Die Terminservicestellen, die bei den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen eingerichtet werden sollen, sollen gesetzlich Versicherten mit einer Überweisung auf Wunsch binnen vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt vermitteln. Wenn das nicht möglich ist, können Patienten die Ambulanz eines Krankenhauses aufsuchen. Brysch zufolge sind die Servicestellen zum Beispiel in Niedersachsen täglich zehn Stunden erreichbar, in Brandenburg jedoch nur zwei. Außerdem werde in den verschiedenen Bundesländern die zumutbare Entfernung zum Facharzt unterschiedlich ausgelegt. Patienten in Baden-Württemberg beispielsweise ist eine Fahrt von einer halben Stunde vom Wohnort zumutbar – in den meisten anderen Ländern gelten die 30 Minuten erst ab der nächsten Facharztpraxis.

Verbandschef macht Patienten verantwortlich
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte laut dpa die Ärzteschaft aufgerufen, am Montag für einen reibungslosen Start der neuen Vermittlungsstellen zu sorgen. Von den zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen sei ein fristgerechter Aufbau der Terminservicestellen für Kassenpatienten zugesichert worden. „Es gibt also keinen Grund, warum die Ärzte das nicht hinbekommen sollten“, sagte der Politiker gegenüber der Nachrichtenagentur. Hier gehe es um die Stärkung der Patientenrechte. Nach Ansicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung macht eine bessere Steuerung der Arztbesuche Terminvergabestellen überflüssig. Wie Verbandschef Andreas Gassen sagte, entstünden die Wartezeiten, weil es zu viele Patienten gebe, die wegen derselben Beschwerden zu zwei, drei oder sogar noch mehr Fachärzten gingen. Dazu sagte Brysch der dpa: „Es ist frech, nun die Patienten für das Chaos bei den Kassenärzten verantwortlich zu machen.“ (ad)

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