Heilende Pflanzen: Mutterkraut-Wirkstoff sorgt für schnellere Regeneration der Nerven

Ein neuer Wirkstoff könnte die Regeneration von Nervenfasern ermöglichen. Gewonnen wird er aus der Heilpflanze Mutterkraut. (Bild: ag visuell/fotolia.com)
Fabian Peters
Regeneration von Nervenfasern durch Wirkstoff aus alter Heilpflanze möglich
Viele Wirkstoffe der Medizin wurden aus Heilpflanzen gewonnen und auch heute noch entdecken Forscher immer wieder neue Behandlungsmöglichkeiten auf Basis bislang unbekannter pflanzlicher Substanzen. So haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Düsseldorf in einer aktuellen Untersuchung einen Wirkstoff identifiziert, der zur Nervenregeneration beiträgt und bei vielen Krankheiten mit bisher unheilbaren Nervenschäden eingesetzt werden könnte. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in dem Fachmagazin „Journal of Neuroscience“.

Das Forscherteam um Professor Dr. Dietmar Fischer von der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Düsseldorf nutzte einen Wirkstoff aus der Heilpflanze „Mutterkraut“ (Tanacetum parthenium), um geschädigte Nervenfasern bei Mäusen nachwachsen zu lassen. Der Effekt war durchaus überzeugend. Der Wirkstoff „ist für eine mögliche klinische Anwendung am Menschen mit krankheits- oder verletzungsbedingten Nervenleiden sehr vielversprechend“, so die Pressemitteilung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Bis heute gebe es noch keine Medikamente, die hier eine Heilung bewirken können.

Ein neuer Wirkstoff könnte die Regeneration von Nervenfasern ermöglichen. Gewonnen wird er aus der Heilpflanze Mutterkraut. (Bild: ag visuell/fotolia.com)
Ein neuer Wirkstoff könnte die Regeneration von Nervenfasern ermöglichen. Gewonnen wird er aus der Heilpflanze Mutterkraut. (Bild: ag visuell/fotolia.com)

Untersuchung der Nervenregeneration an Mäusen
Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler an Mäusen mit geschädigten Nervenfasern, wie sich die Nervenregeneration positiv beeinflussen lässt. Dabei stellten sie fest, dass sich Mäuse mit einem genetisch veränderten Enzym deutlich schneller und besser nach Nervenverletzungen erholen als normale Tiere. Im nächsten Schritt entschlüsselten die Wissenschaftler den zugrundeliegenden Mechanismus und suchten nach Substanzen, mit denen der Effekt imitiert werden kann. Hierbei stießen sie auf den Wirkstoff Parthenolide, der aus der Heilpflanze „Mutterkraut“ stammt, berichtet die Universität Düsseldorf. Traditionell sei die Pflanze zum Beispiel als Migränemittel eingesetzt worden.

Nachwachsen der Nervenfasern
In Zellkulturexperimenten konnten die Forscher nachweisen, dass Parthenolide das Nachwachsen von Nervenfasern (Axonen) erheblich beschleunigt. Die anschließenden Untersuchungen an Mäusen mit geschädigten Ischiasnerven zeigten laut Angaben der Universität, „dass diese bereits nach weniger als einer Woche – und damit erheblich schneller als die unbehandelten Tiere – ihre durch die Verletzung gelähmten Zehen wieder bewegen und sensorische Reize wahrnehmen konnten.“

Bemerkenswerterweise habe auch die systemische Verabreichung von Parthenolide eine entsprechende Wirkung gezeigt, was für eine mögliche klinische Anwendung am Menschen mit krankheits- oder verletzungsbedingten Nervenleiden sehr vielversprechend sei. „Dieser therapeutische Ansatz ist völlig neu“, betont Professor Fischer. Bis zur Entwicklung eines einsatzfähigen Medikaments seien allerdings noch zahlreiche weitere Untersuchungen notwendig.

Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Neuropathien
Für Menschen mit Nervenleiden (Neuropathien) könnte der Wirkstoff aus dem Mutterkraut in Zukunft völlig neue Therapiemöglichkeiten eröffnen, denn bislang haben sie praktisch kaum Aussichten auf Heilung. Laut Angaben der Universität Düsseldorf sind knapp acht Prozent der über 55-Jährigen in den Industrieländern von peripheren Neuropathien (Schädigung der Nerven vor allem in Beinen und Armen) betroffen, wobei diese häufig als Folge anderer Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus entstehen.

Neurotoxische Substanzen wie Alkohol können die Schädigungen der Nerven auslösen. Als mögliche Symptome nennen die Forscher zum Beispiel schwere Empfindungsstörungen, Störungen der Motorik und chronische Schmerzen. Die bisherigen Behandlungsmöglichkeiten können häufig nur ein Stillstand der Erkrankung erreichen. Dies könnte sich dank des neuen Wirkstoffs zukünftig ändern, auch wenn hier noch weitere Untersuchungen erforderlich sind, bevor dieser als Medikament eingesetzt werden kann. Zudem überprüfen die Forscher derzeit, ob der Mutterkraut-Wirkstoff auch die Regeneration des verletzten Rückenmarks oder Sehnervs positiv beeinflussen kann, welche normalerweise überhaupt nicht dazu in der Lage sind zu regenerieren. (fp)

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