Helicobacter pylori verursachen Magenkrebs

Fabian Peters

Helicobacter pylori verursachen Magenkrebs

06.09.2011

Das Magenbakterium Helicobacter pylori kann nicht nur Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre verursachen, sondern ist ein erheblicher Risikofaktor für die Entstehung von Magenkarzinomen (Magenkrebs). Anne Müller und Massimo Lopes vom Institut für Molekulare Krebsforschung der Universität Zürich haben nun erstmals den Mechanismus aufgedeckt, mit dem Helicobacter pylori Bakterien humane Wirtszellen schädigen und so den Ausbruch einer Magenkrebserkrankung fördern.

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Wie die Schweizer Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) berichten, zählt Magenkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen weltweit. Demnach geht mehr als ein Drittel der Krebstodesfälle auf ein Karzinom im Magen zurück. Als wesentliche Risikofaktoren für die Entwicklung von Magenkrebs waren bereits vor der aktuellen Studie von Anne Müller und Massimo Lopes chronische Infektionen der Magenschleimhaut mit den Helicobacter pylori Bakterien bekannt. Den Schweizer Forschern gelang nun jedoch erstmals die Entschlüsselung des molekularen Mechanismus, der zum Ausbruch einer Magenkrebserkrankung führt.

Schädigungen der DNA durch Helicobacter-pylori-Infektionen
Bei der Untersuchung der genetischen Folgen einer Helicobacter-pylori-Infektion haben die Forscher um Anne Müller und Massimo Lopes herausgefunden, dass die Bakterien in den Zellen der Magenschleimhaut Brüche beider Strängen des DNA-Moleküls verursachen. Hierdurch werden laut Aussage der Wissenschaftler die Erbinformation der Zelle geschädigt und Mutationen im Gewebe, die bei unkontrolliertem Zellwachstum Magenkrebs verursachen, begünstigt. Das Auftreten der Doppelstrang-Brüche ist dabei den Forschern zufolge abhängig von der Intensität und der Dauer der Helicobacter-pylori-Infektion. Wenn die Erreger im Rahmen der Laborversuche wenige Stunden nach der Infektion mit Hilfe von Antibiotika abgetötet wurden, waren die natürlichen Reparaturmechanismen dazu in der Lage die meisten Brüche zu beheben und ein unkontrolliertes Wachstum der Zellen zu verhindern, so die Aussage der Experten.

Erfolgte keine medikamentöse Behandlung der Magenschleimhaut-Infektion, so konnten die natürliche Reparaturmechanismen die wachsende Anzahl an Doppelstrang-Brüchen auf Dauer nicht unter Kontrolle bringen, berichten die Schweizer Forscher. Die Brüche würden nur noch ungenau oder gar nicht mehr repariert, so die Aussage von Anne Müller und Kollegen. Als Folge nennen die Experten neben dem Absterben der Zellen eine wachsende Anzahl genetischer Mutationen, die das Risiko einer Magenkrebserkrankung deutlich erhöhen. Damit ist der Zusammenhang zwischen dem Magenbakterium Helicobacter pylori und dem Auftreten von Magenkrebs erstmals eindeutig wissenschaftlich belegt, betonen Anne Müller und Massimo Lopes. Die aktuellen Studienergebnisse zeigen den Forschern zufolge außerdem, wie wichtig eine frühzeitige Behandlung bei Helicobacter-pylori-Infektionen der Magenschleimhaut ist. Zudem könnte auf Basis der aktuellen Erkenntnisse in Zukunft nicht nur die Magenkrebs-Therapie sondern möglicherweise auch die Früherkennung der Magenkarzinome deutlich verbessert werden, so die Hoffnung der Schweizer Wissenschaftler.

Anzeichen einer Helicobacter-pylori-Infektion ernst nehmen
Die schulmedizinische Behandlung einer Infektion mit dem erstmals 1983 nachgewiesenen Magenbakterium Helicobacter pylori basiert in der Regel auf der Verabreichung spezieller Antibiotika in Kombination mit einem Wirkstoff zur Reduzierung der Säureproduktion im Magen. Oftmals verläuft eine Infektion mit Helicobacter pylori jedoch ohne Symptome, so dass die Betroffenen keinen Anlass sehen einen Arzt aufzusuchen. Als mögliche Anzeichen einer Helicobacter-pylori-Infektion können laut Aussage der Experten Bauchschmerzen im Oberbauch, Magendrücken, Blähungen, Sodbrennen, Durchfall oder Übelkeit und Erbrechen auftreten. Angesichts des mit einer Helicobacter-pylori-Infektion einhergehenden erhöhten Magenkrebsrisikos sollte bei entsprechendem Verdacht dringend ein Arzt konsultiert werden. (fp)