Hepatitis: Gelbsucht sieht nicht nur gelb aus

Alfred Domke

Lebererkrankung: Welt-Hepatitis-Tag 2013: Hepatitis bleibt oft unerkannt

27.07.2013

Hepatitis ist eine der weltweit häufigsten Virusinfektionen. Obwohl fast jeder davon betroffen sein kann, wissen viele noch nicht einmal, dass sie infiziert sind. Der Welt-Hepatitis-Tag soll zu einer größeren Sensibilisierung der Bevölkerung für die Krankheit beitragen.

Leber leidet stumm
Weltweit haben nach Schätzungen über 500 Millionen Menschen Hepatitis B oder C, die beiden häufigsten Varianten. In Deutschland wird deren Zahl vom Robert-Koch-Institut auf bis zu eine Million Betroffene geschätzt. Bemerkenswert ist dabei, dass bei vielen Patienten die Krankheit unentdeckt bleibt. „Die wenigsten wissen davon", wie die Deutsche Leberhilfe in Köln schreibt. Leberentzündungen, die durch die Hepatitis-Viren ausgelöst werden, würden oft nicht bemerkt, da die „Leber stumm leidet“, wie manche Mediziner sagen.

Mit grippalem Infekt verwechseln
Einige typische Symptome zu Beginn der Erkrankung, wie Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit werden oft als vermeintlicher grippaler Infekt wahrgenommen. Aber selbst solche Warnzeichen treten manchmal jahrelang nicht auf. Es würden zwar manchmal bei Routineuntersuchungen erhöhte Leberwerte festgestellt, „was jedoch oft ignoriert wird", so die Selbsthilfeorganisation. Bleiben die Infektionen unentdeckt, könnten sie zu Leberzirrhose und -krebs führen.

Näher als Du denkst
Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages am morgigen Sonntag bilanziert die Deutsche Leberhilfe: „Die Behandlung hat in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht." Der Tag wurde 2011 von der Weltgesundheitsorganisation eingeführt und verfolgt das Ziel der globalen Sensibilisierung der Bevölkerung zu den Themen Hepatitis B und Hepatitis C und zur Ermutigung von Prävention, Diagnose und Behandlung. In diesem Jahr lautet das Motto: „Näher als Du denkst.“ Unter anderem wurde im Vorfeld eine Fotoaktion mit drei Stoffäffchen durchgeführt. „Die drei Äffchen sollen das „Wegsehen“, das „Nicht hinhören“ und das „Nicht darüber sprechen wollen“ symbolisieren“, heißt es auf der Internetseite der Leberhilfe. Professor Heiner Wedemeyer, Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover, verweist auf das Problem: „Wir können nur helfen, wenn wir wissen, wer betroffen ist."

Vier Risikogruppen
Für ein Screening spricht sich der wissenschaftliche Koordinator der Deutschen Leberstiftung aus. Vier Gruppen sollten sich seiner Meinung nach testen lassen: diejenigen, die vor 1991 eine Bluttransfusion bekamen, die die Drogen konsumierten, sich im Urlaub ein Tattoo stechen ließen und „alle Patienten mit unklar erhöhten Leberwerten". Es gebe zwar Medikamente, die das Virus unterdrückten, aber Hepatitis B sei nicht heilbar. Voraussichtlich 2014 und 2015 würden neue, nebenwirkungsfreie Wirkstoffe gegen Hepatitis C zugelassen, so Wedemeyer über den Stand der Therapiemöglichkeiten. „Damit sind wir in der Lage, eine chronische Erkrankung zu heilen – das ist in der Medizin fast einmalig."

Ursachenforschung kommt voran
Ebenso gibt es Fortschritte in der Ursachenforschung. Zum einen hat ein internationales Wissenschaftlerteam unter Federführung des Bonner Universitätsklinikums im Rahmen einer umfangreichen Studie den möglichen Ursprung des Hepatitis-C-Virus ausgemacht. Und zum anderen haben Forscher des Frankfurter Universitätsklinikums neue Faktoren ausgemacht, die Hepatitis begünstigen könnten und ihre Erkenntnisse im Fachmagazin „Hepatology“ veröffentlicht. So erklärte Forschungsgruppenleiter Christian Lange: „Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und der Ausbreitung des Hepatitis-B-Virus in der Leber."

Vitamin D gegen Hepatitis B?
In dieser Studie war eine niedrige Vitamin-D-Konzentration eine der stärksten Determinanten für eine hohe Konzentration an Hepatitis-B-Viren im Blut. Die Forscher schreiben: „Diese Erkenntnis eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die medikamentöse Behandlung der Erkrankung." Vier Jahre lang hatten sie mehr als 200 Patienten mit chronischer Hepatitis B untersucht und dabei unter anderem ungewöhnlich oft einen Vitamin-D-Mangel festgestellt. Beobachtet wurde auch, dass, wenn durch den Einfluss von Sonnenlicht im Sommer die Konzentration des Vitamins im Blut stieg, die Virenzahl sank – und umgekehrt. Nach Langes Angaben lege dies eine ursächliche Verbindung zwischen dem Vitaminmangel und den Viren nahe. Das Team wolle jetzt prüfen, inwieweit Vitamin D bei der Behandlung von chronischer Hepatitis B zum Einsatz kommen könne.

Deutschland weltweit führend
„In der Forschung ist Deutschland weltweit führend", so Wedemeyer, „in der Versorgung leider nicht". Dies sei das Ergebnis einer europaweiten Studie. In Deutschland gebe es keinen nationalen Aktionsplan, es gebe „einen Flickenteppich.“ Vielleicht trägt ja der Welt-Hepatitis-Tag 2013 dazu bei, die bemängelte Versorgung zu verbessern. Die WHO-Hauptversammlung hatte im Jahr 2010 Virushepatitis mit einer Resolution als globale Gesundheitsbedrohung anerkannt. (ad)

Bild: Hartmut91016351a2cc0b08c03p>