Herzbericht 2013: Im Osten höheres Sterberisiko

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Herzbericht 2013: Neue Bundesländer haben ein höheres Sterberisiko

30.01.2014

Jedes Jahr gibt die von der Deutsche Herzstiftung den Herzbericht heraus, um auf die aktuelle Lage und auf Verbesserungsmöglichkeiten in de medizinischen Versorgung aufmerksam zu machen. Er ist die wichtigste Grundlage für Entscheidungsträger wie in Krankenkassen, Krankenhäusern und Gesundheitspolitik, wenn es um den Ausbau von medizinischen Leistungen geht. Die aktuelle Fassung wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung, den ärztlichen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), Herzchirurgie (DGTHG) und Kinderkardiologie (DGPK) verfasst. In ihm werden die jährlichen Erkrankungs- und Todesraten in Folge verschiedener Herzerkrankungen sowie die kardiologische und herzchirurgische Versorgung analysiert. In Deutschland sind jährlich rund 280.000 Menschen von Herzproblemen betroffen.

Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2011
In Deutschland zählen Herzkrankheiten zu den häufigsten Todesursachen. Erfreulich ist, dass die Sterblichkeit in Folge von Herzkrankheiten insgesamt in Deutschland gesunken ist. Waren es 1980 noch 92.800 Menschen, die in Folge eines Herzinfarktes gestorben sind, traf es bundesweit in 2011 nur noch rund 52.000. Die Überlebenschancen sind aber nicht überall gleich, denn Unterschiede zeigen sich zwischen Ost- und Westdeutschland, so das Ergebnis des Herzberichtes. Die einzige Ausnahme bildet Berlin.

Bessere Strukturen bei der Versorgung und Diagnostik
Für Professor Thomas Meinertz, Vorsitzender der Herzstiftung ist dies sehr wahrscheinlich auf die Verbesserung bei der Vorbeugung, Diagnostik und Therapie zurück zu führen. Auch eine gesündere Lebensweise könnte eine Rolle dabei spielen. Dennoch, das zeigt der Bericht, treibt ein Drittel der Erwachsenen zu wenig Sport. Hinzu kommt, dass die Menschen zu lange warten, bis sie bei akuten Herzproblemen einen Arzt aufsuchen. Gerade in ländliche Regionen, wo die Wege lang eine Klinik aufzusuchen, ist die Todesrate hoch.

Höheres Sterberisiko in den neuen Bundesländern
Die regionalen Unterschiede in der Infarktsterblichkeit sind nicht von der Hand zu weisen, so ein weiteres Ergebnis des Deutschen Herzberichts. Demnach ist das Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben, ist in den neuen Bundesländern höher als in den alten. Zum Beispiel gab es in Bremen im Jahr 2011 nur 35 Herzinfarkttote pro 100.000 Einwohner, wohingegen sich in Sachsen-Anhalt 104 Fälle auf 100.000 Einwohnern ereigneten. Bremen bildet dabei keine Ausnahme. Auch in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ist die Sterblichkeitsrate ähnlich gering.

Versorgung der Patienten nicht überall gleich gut
Experten machen für die regionalen Unterschiede vor allem die geringe Anzahl von Kardiologen, ein mangelndes Gesundheitsbewusstsein und fehlende Bildung dafür verantwortlich."Anhand der Unterschiede sehen wir, dass von einer flächendeckend einheitlichen Versorgung von Herzpatienten nicht die Rede sein kann und noch mehr Akzente in der herzmedizinischen Versorgung zugunsten der strukturschwachen Regionen gesetzt werden müssen", erklärt Meinertz gegenüber der „dpa“.

Unterschiedlich hohe Sterblichkeit an Herzkrankheiten
Die aktuellen Sterbeziffern bei Herzkrankheiten wie die Koronare Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen, der Herzschwäche und den Herzklappenerkrankungen Sachsen mit 350 und Thüringen mit 320 Gestorbenen pro 100.000 Einwohner stehen in einem deutlichen Kontrast zu den Ländern mit einer niedrigeren Sterblichkeit. Die Deutsche Herzstiftung mahnt deshalb zu einer besseren Versorgung der ländlichen, strukturschwachen Regionen. Beispielsweise gebe es in Mecklenburg-Vorpommern nur einen Herzspezialisten für rund 37.000 Einwohner, während in Bremen lediglich 19.500 auf einen solchen Facharzt kommen. Ein weiteres, für die Mediziner nicht ohne Weiteres zu erklärendes Phänomen ist, das mehr Frauen an Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und Herzklappenkrankheiten sterben als Männer. Das Ergebnis, das sind sich alle einig, muss aber stärker bei der Vorsorge berücksichtigt werden. Nach Angaben des Berichts starben 2011 mit 30.621 Todesfällen mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer (14.807) an einer Herzschwäche.

Männer sterben häufiger an einem akuten Herzinfarkt
Die Sterbeziffer des akuten Herzinfarkts lag dagegen in 2011 bei Männern um rund 26 Prozent höher als bei Frauen. Betrachtet man die Altersgruppe der 50 bis 55-jährigen Männer ist sie sogar um das Fünffache höher. "Derartige Unterschiede zwischen Männern und Frauen verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit und erfordern in der medizinischen Versorgung gezielte Maßnahmen, etwa wenn an den für die Rehabilitation nach einem Herzinfarkt wichtigen Herzgruppen immer weniger Frauen teilnehmen“, entgegnet Herzspezialist Meinertz

Zahl der Spenderorgane sinkt kontinuierlich
Auch die geringe Zahl von Spenderorganen, bereitet den Ärzten Sorge. In 2012 wurde in Deutschland lediglich 346Herzen verpflanzt. So wenige warnen es seit 1995 nicht mehr. Der Deutsche Herzbericht 2013 ist kostenfrei ab 30. Januar 2014 für jeden erhältlich. (fr)

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