Herzdrücken richtig deuten: Schnell handeln bei einem Herzinfarkt

Alexander Stindt
Richtiges Verhalten bei einem Herzinfarkt kann Leben retten und Folgeschäden verhindern
Wenn Menschen einen Herzinfarkt erleiden, ist es besonders wichtig, dass Betroffene die Symptome richtig einordnen und schnell reagieren, um dauerhafte Schäden am Herzen zu vermeiden. Nur bei sofortigem Handeln ist es möglich, dass die vom Infarkt betroffenen Menschen über den Notruf 112 rechtzeitig ärztliche Hilfe anfordern und von einem Krankenwagen in ein Krankenhaus eingeliefert werden können.

Es ist wichtig, die Symptome für einen Herzinfarkt rechtzeitig zu erkennen, um dann sofort einen Rettungswagen zu alarmieren. Nur so kann das Herz vor dauerhaften Schäden (Herzschwäche) geschützt werden. „Leider sind aber mehr als die Hälfte aller Herzinfarktsterbefälle vor Erreichen der Klinik zu beklagen, weil die Betroffenen bei Infarktverdacht zu lange vor der 112 zögern oder die Infarkt-Symptome nicht richtig zuordnen“, berichtet Prof. Dr. med. Heribert Schunkert Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums München.

Wenn ein Herzinfarkt auftritt, zählt sozusagen jeden Sekunde, um möglichst schnell eine lebensrettende Behandlung zu erhalten und möglichen Folgeschäden am Herzen oder sogar den Tod zu vermeiden. (Bild: hriana/fotolia.com)

Jedes Jahr hunderttausende Herzinfarkte in Deutschland
Wenn Menschen einen Herzinfarkt erleiden, ist es besonders wichtig schnell zu reagieren. Ein Herzinfarkt kann lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) auslösen. Diese können dann zur gefährlichen Schäden am sogenannten Herzgewebe führen. Herzinfarkte sind leider weit verbreitet. Pro Jahr gibt es in Deutschland beinahe 300.000 Menschen, welche einen Herzinfarkt erleiden und über 48.000 Betroffene versterben an den Folgen, erklären die Experten.

Richtiges und schnelles Handeln kann jegliche Schäden am Herzmuskel verhindern
Durch ein schnelles Handeln kann dem Herzspezialisten zufolge jeglicher Schaden für den Herzmuskel abgewendet werden. Auch das Leben nach der Erkrankung könne meist mit einer unveränderten Leistungsfähigkeit fortgesetzt werden, wenn es den behandelnden Ärzten zeitnah möglich ist, das durch den Blutpfropf verschlossene Herzkranzgefäß wieder zu öffnen, sagt Professor Schunkert.

Wo bekomme ich Rat nach einem Herzinfarkt?
Natürlich ist es auch wichtig, wie sich Patienten nach einen Herzinfarkt verhalten, um mögliche Schäden und negative Auswirkungen zu vermeiden. Für solche Menschen gibt es spezielle Ratgeber von Experten, welche Herzpatienten mit Koronarer Herzkrankheit (KHK) oder nach überstandenem Herzinfarkt Hinweise zur Verbesserung der Gesundheit des Herzens zur Verfügung stellen. Beispielsweise bietet die Deutsche Herzstiftung den „Herz in Gefahr: Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“ an, der kostenfrei angefordert werden.

Wie können betroffene Menschen sich vor einem erneuten Infarkt schützen?
Generell wird die Beutung der Nachsorge nach einem Herzinfarkt laut Aussage des Experten nicht erst genug genommen. Eigentlich stelle sich die Frage, ob ein überstandener Herzinfarkt nicht eine Art Hinweis auf einen nächsten noch kommenden Herzinfarkt ist. Auch wenn Betroffene einen Herzinfarkt rechtzeitig erkennen und dank ihrer schnellen und richtigen Reaktion den Vorfall unbeschadet überstehen, hört die Herzinfarkt-Behandlung nicht im Katheterlabor auf, so der Hinweis des Deutschen Herzzentrums München. Eine koronare Herzkrankheit sei oft der Auslöser für einen Herzinfarkt und diese Herzkrankheit ende nicht, nur weil Betroffene einen Herzinfarkt erleiden, sondern bleibt auch danach weiter bestehen. Diese Art der Erkrankung muss mit der Hilfe einer sogenannten Dreifachtherapie behandelt werden, sagen die Experten.

Auch nach einem Herzinfarkt bleibt die Herzkrankheit bestehen
Viele Betroffene verdrängen die Tatsache, dass eine vorliegende koronare Herzkrankheit nach dem Herzinfarkt noch weiter vorhanden ist. Wenn die Betroffenen allerdings ihr Leben weiter führen wie vor dem Herzinfarkt, riskieren sie dadurch einen weiteren Herzinfarkt. Es ist sehr wichtig, dass eine Behandlung der koronaren Herzkrankheit erfolgt, um das erhöhte Risiko für einen weiteren Herzinfarkt zu vermeiden. Wenn die Betroffenen allerdings genau so weitermachen wie vor dem Infarkt, ohne ihre KHK zu behandeln, riskieren sie einen erneuten Herzinfarkt, warnt Professor Schunkert.

Vorteile durch eine Dreifachtherapie
Wenn betroffene Herzpatienten ihre Rehabilitation nach einem Herzinfarkt ernst nehmen, kann das Risiko für einen erneuten Herzinfarkt abgewendet werden. Eine Dreifachtherapie in der Nachsorge nach einem Herzinfarkt ist in der Lage, den Fortschritt der koronaren Herzkrankheit zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen. Zu einer solchen Therapie gehört beispielsweise die Einnahme von verschiedenen Medikamenten, die die Bildung von Gerinnseln verhindern, zur Senkung des Cholesterins führen und zur Behandlung von Bluthochdruck und Schäden am Herzmuskel eingesetzt werden.

Betroffen müssen Ernährung verändern und sich mehr bewegen
Um die nötigen Änderungen des Lebensstils zu erreichen, welche zu einer Reduzierung des Herzinfarkt-Risikos führen, muss dringend die Ernährung und die tägliche körperliche Aktivität verbessert werden. Regelmäßige Bewegung und Übungen zur Verbesserung der Ausdauer (bestenfalls 30 Minuten je 5-mal in der Woche) stellen dabei einen wichtigen ersten Schritt dar. Der zweite Schritt ist die Umstellung auf eine gesündere Ernährung. Hier bietet sich beispielsweise die sogenannte Mittelmeerküche an. Der dritte wichtige Punkt bei der Vermeidung von weiteren Herzinfarkten ist die konsequente Meidung aller Infarkt-Risikofaktoren wie Diabetes, Übergewicht, Rauchen und Stress, raten die Forscher.

Die meisten Menschen machen nach einem Herzinfarkt keine Reha
In der Rehabilitation können Herzinfarktpatienten lernen, besser mit ihrer Krankheit umzugehen. Die Betroffenen können sich hierbei mit einem gesunden Lebensstil vertraut machen und sich zusätzlich mit Fragen zur beruflichen Wiedereingliederung auseinandersetzen. Erstaunlicherweise entscheiden sich nur wenige Menschen mit einem Herzinfarkt nach ihrer Erkrankung für die wichtige Reha. Schätzungsweise erhalten nur etwa die Hälfte der Herzinfarktpatienten eine solche Anschlussbehandlung. 20 bis 30 Prozent der Patienten benötigen außerdem eine psychologische Betreuung zur Verarbeitung von Ängsten vor einem erneuten Infarkt. (as)