Herzfehler bei Frauen schneller behandeln

Astrid Goldmayer

Herzfehler bei Frauen müssen schneller therapiert werden

18.11.2011

Eine neue Studie hat die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei einer angeborenen Herzerkrankung, der Fallot-Tetralogie (TOF), untersucht. Studienleiter PD Dr. Samir Sarikouch von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) fand mit einem Forscherteam des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler heraus, dass Frauen früher als Männer operiert werden müssen.

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Fallot-Tetralogie
Die Herzkrankheit Fallot-Tetralogie wird diagnostiziert, wenn vier verschiedene Komponenten gemeinsam auftreten: Zum einen liegt eine Verengung der Ausflussbahn der rechten Herzkammer in die Lungenschlagader vor. Zum anderen ist die Herzkammerscheidewand defekt. Dieser Defekt tritt unmittelbar unterhalb der Hauptschlagader auf. Hinzu kommt eine Verdickung der Muskulatur der rechten Herzkammer. Zusätzlich tritt häufig eine missgebildete oder fehlende Herklappe der Lungenschlagader auf. Eine mangelnde Sauerstoffversorgung des Körpers mit sogenannten hypoxischen Anfällen ist die Folge. Betroffene Babys erkennt man an der auffälligen Blau-Rot-Färbung der Haut und der Schleimhäute. Durch diese Anfälle kann es zu Hirnschädigungen kommen. Im schlimmsten Fall verstirbt das Kind. Eine operative Korrektur sollte innerhalb der ersten 18 Lebensmonate erfolgen (Quelle: Deutsches Herzzentrum München)

Die Studie
In der Studie wurden mehr als 400 Patienten mit dem angeborenen Herzfehler an 14 Herzzentren in Deutschland untersucht. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede des Krankheitsverlaufs. Die Studie ergab, dass Frauenherzen bei der Normierung auf eine einheitliche Köpergröße kleiner als Männerherzen sind. Frauenherzen mit Fallot-Tetralogie sind demnach deutlich weniger belastbar. PD Dr. Samir Sarikouch berichtet: „ Der Langzeitverlauf der Erkrankung ist auch insofern anders, dass Frauen bei vergleichbaren Restbefunden eher reoperiert werden müssen, um irreparable Belastungen der rechten Herzkammer zu vermeiden.“ Erfolgen diese Operationen zu spät, kann es zu Herzinsuffizienz und Herzversagen kommen. Dr. Sarikouch weiter: „ Wir haben bei den angeborenen Herzfehlern bisher vernachlässigt, dass Frauenherzen anders behandelt werden müssen als Männerherzen. Die Guidelines für Reoperationen bei der Fallot-Tetralogie sollten überdacht werden und künftig das Geschlecht berücksichtigen." Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes "Circulation: Cardiovascular Imaging" erschienen. Für die rund 15.000 betroffenen Patienten in Deutschland wollen Wissenschaftler zukünftig ein Verfahren ermitteln, dass es ermöglicht, individuelle Risikoanalyen zu erstellen. (ag)