Herzforscher: Energy-Drinks können für einige Menschen tödlich werden

Alexander Stindt
Junge Menschen mit dem Long-QT-Syndrom sollten keine Energie-Drinks konsumieren
Der Konsum von Energie-Drinks wird mit negativen gesundheitlichen Auswirkungen in Verbindung gebracht, weil diese Art von Getränken beispielsweise generell viel zu viel Zucker enthält. Forscher fanden jetzt heraus, dass bereits ein oder zwei Energie-Drinks ausreichen, um auf einige junge Menschen (ohne eine bekannte Vorgeschichte von Herzerkrankungen) lebensbedrohlich zu wirken.

Die Wissenschaftler des Royal Prince Alfred Hospital in Sydney stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass für bestimmte junge Menschen mit dem sogenannten Long-QT-Syndrom bereits ein oder zwei Energie-Drinks lebensbedrohlich wirken können. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „International Journal of Cardiology“.

Für bestimmte Jugendliche kann der Konsum von Energie-Drinks gefährliche Folgen haben. Es ist sogar möglich, dass Betroffene durch den Verzehr sterben. (Bild: beermedia.de/fotolia.com)

Bei Menschen mit dem Long-QT-Syndrom können Energie-Drinks tödlich wirken
Menschen mit der genetischen Herzrhythmusstörung mit der Bezeichnung Long QT-Syndrom haben ein erhöhtes Risiko für erhebliche Herzbeschwerden nach dem Konsum von Energie-Drinks. In besonders schweren Fällen kann sogar der Tod eintreten, warnen Mediziner.

Was ist das Long-QT-Syndrom?
Das sogenannte Long-QT-Syndrom (LQTS) ist eine seltene aber lebensgefährliche Erkrankung. Sie kann bei Menschen mit einem gesunden Herzen zu einem plötzlichen Herztod führen. Die Erkrankung kann entweder vererbt werden oder beispielsweise als Folge einer unerwünschten Arzneimittelwirkung entstehen. Etwa einer von 2.000 Menschen ist vom Long-QT-Syndrom betroffen, erklären die Experten. Die meisten Betroffenen seien sich ihrer Erkrankung nicht bewusst, bis sie durch eine EKG-Untersuchung festgestellt wird. Bei einigen Patienten mit dem Long-QT-Syndrom könne das erste Symptom aber auch der plötzliche Herztod sein.

Mediziner untersuchen 24 Probanden mit dem Long-QT-Syndrom
Die aktuelle Studie wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren durchgeführt. Beteiligt waren 24 Personen mit dem Long-QT-Syndrom. Die Teilnehmer waren im Alter zwischen 16 und 50 Jahren. Die Probanden erhielten entweder Energie-Drinks oder sogenannte Kontroll-Drinks über einen Zeitraum von 90 Minuten. Während dieser Zeit wurden die Probanden kontinuierlich überwacht und es wurden zusätzlich regelmäßige EKG-Untersuchungen und Blutproben durchgeführt.

Bei Teilnehmern stieg der Blutdruck um mehr als zehn Prozent an
Die Probanden erlitten einen signifikanten Anstieg des Blutdrucks um mehr als zehn Prozent, nachdem sie den Energie-Drink konsumiert hatten. In der Kontrollgruppe konnte dieser Effekt nicht beobachtet werden. Bei einigen Patienten wurden dann gefährliche Veränderungen der Werte am EKG festgestellt, sagen die Mediziner. 12,5 Prozent der Teilnehmer zeigten eine deutliche Verlängerung des QT-Intervalls von 50 Millisekunden oder mehr. Die QT-Dauer ist eine Messgröße bei der Auswertung des EKG.

Viele Jugendliche konsumieren vier oder mehr Energie-Drinks an einem Abend
Aus ethischen Gründen konnten den Patienten in dieser Studie nur geringe Dosen von Energie-Drinks gegeben werden. Aber es sei durchaus realistisch, dass Jugendliche vier oder mehr Mischungen von Energie-Drinks mit Alkohol am Abend konsumieren. Solche Mischgetränke seien vor allem bei Jugendlichen weit verbreitet, erklären die Autoren.

Ursache ist noch unbekannt
Es bleibt bisher noch unklar, ob ein spezifischer Bestandteil in Energie-Drinks für Veränderungen beim EKG sorgt oder ob eine Kombination der Bestandteile dafür verantwortlich ist, erklärt Professor Chris Semsarian von der University of Sydney.

Viele Menschen wissen nicht von ihrem Long-QT-Syndrom
Die meisten Menschen wissen nicht einmal, dass sie ein vererbtes Long QT-Syndrom haben. Deshalb müssen Menschen vor dem Konsum der aufputschenden Getränke gewarnt werden, fügt der Experte hinzu.

Patienten fungierten als eigene Kontrollpersonen
Die Studie war zwar nur klein, trotzdem aber aussagekräftig. Die Patienten fungierten als ihre eigenen Kontrollpersonen, sie konsumierten sowohl Energie-Drinks als auch Kontroll-Getränke, erläutern die Forscher. Dies geschah bei verschiedenen Untersuchungen, dazwischen lag mindestens eine Woche. In diesem Zeitraum konnte das aufgenommene Getränk wieder ausgewaschen werden, erklärt Professor Semsarian. (as)