Herzforscher: Warum unsere Herzen auch riechen können

Fabian Peters
Forscher entschlüsseln Funktion von Duftstoffen im Herz
Duftrezeptoren dienen zur Wahrnehmung von Gerüchen und befinden sich daher vor allem in der Nase. Doch bestehen auch Duftrezeptoren im menschlichen Herzen. Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB), der Ludwig-Maximillians-Universität (LMU) München sowie der Universitäten Köln und Tübingen haben nun herausgefunden, welche Funktion die Duftrezeptoren in unserm Herz haben. Insbesondere für Diabetiker oder Patienten mit erhöhter Herzfrequenz könnten die Ergebnisse langfristig nützlich sein, berichten die Wissenschaftler.

Im menschliche Herz finden sich Riechrezeptoren, die auch in der Nase vorkommen, erläutern die RUB-Forscher. Für einen dieser Rezeptoren konnten die Wissenschaftler nun entschlüsseln, welche Funktion dieser im Herz übernimmt. Die Ergebnisse hat das Forscherteam um Dr. Nikolina Jovancevic und Professor Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum in dem Fachmagazin „Basic Research in Cardiology“ veröffentlicht.

Forscher haben entschlüsselt, welche Funktion Duftrezeptoren in unserem Herzen haben (Bild: lom123/fotolia.com)

Duftrezeptor reagiert auf ranzig-fettigen Geruch
In ihren Untersuchungen stellten die Wissenschaftler fest, dass der Duftrezeptor im menschlichen Herz auf Fettsäuren reagiert, die einen ranzig-fettigen Geruchseindruck vermitteln. Diese Fettsäuren seien zum Beispiel im Blut von Diabetikern gehäuft vorhanden. „Wird der Duftrezeptor durch die Fettsäure aktiviert, reduziert sich die Herzfrequenz und Herzkraft“, berichtet die RUB. Für ihre Versuche hatten die Bochumer Wissenschaftler gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Hescheler von der Universität Köln Miniherzen aus embryonalen Stammzellen und menschlichen Hautzellen konstruiert.

Bei Kontakt mit Fettsäuren ändert sich die Herzfrequenz
Wurde in den Herzen der Rezeptor namens OR51E1 mit einer bestimmten Fettsäure aktiviert, so verminderte sich die Schlagfrequenz der gezüchteten Miniherzen. Wurde der Duftstoff wieder entfernt, normalisierte sich die Frequenz der Miniherzen, erläutern die Mediziner weiter. Diese Funktion des Duftrezeptors könnte sich nach Ansicht von Professor Hatt „negativ auf die Herzfunktion von Diabetikern auswirken.“

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Therapeutischer Nutzen des Duftrezeptors
Die Wissenschaftler haben inzwischen auch einen Blocker für den Rezeptor entwickelt, der den negativen Effekt der aktivierenden Düfte aufhebt. Dieser könnte vielversprechenden therapeutischen Nutzen haben. Die negativen Effekte auf die Herzfrequenz ließen sich mit seiner Hilfe gegebenenfalls vermeiden. Auch könnte anderseits der aktivierende Duft bei Patienten mit stark erhöhten Herzfrequenzen zu einer Normalisierung des Herzschlags genutzt werden. Der Duftstoff ließe sich hierfür in Form einer Salbe äußerlich verabreichen, hoffen die Forscher. „Wenn man die Stelle über dem Herzen einreibt, könnten genügend Duftstoffe durch die Haut gelangen, um eine Wirkung auf das Herz auszuüben; dafür gibt es erste Hinweise“, so Prof. Hatt. (fp)

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