Herzgefährlich: Kommt bald das Verbot von Energydrinks?

Fabian Peters
Kommt das Verkaufsverbot? Energydrinks sind keine harmlosen Muntermacher
Vor allem bei Jugendlichen sind die sogenannten Energydrinks äußerst beliebt. Häufig werden die süßen, koffeinhaltigen Trendgetränke gemixt mit Alkohol konsumiert. Ärzte und Verbraucherschützer warnen seit Jahren vor den gesundheitlichen Gefahren. Derzeit wird über ein Verkaufsverbot für unter 16-Jährige nachgedacht.

Jugendliche nehmen zu viel Koffein zu sich
Egal ob „Red Bull“, „Monster“ oder „Booster“: Koffeinhaltige Energydrinks sind bei Jugendlichen äußerst beliebt. Hersteller tun auch einiges dafür. Sie werben aggressiv für die zuckersüß schmeckenden Getränke, die einem einen Kick verpassen sollen. Die Drinks werden in coolen Dosen präsentiert und spektakuläre Sport-Events werden gesponsert. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nehmen Jugendliche zu viel Koffein zu sich. Die Behörde veröffentlichte im Mai eine Studie, die zeigte, dass bereits 68 Prozent der Teenager in der EU Energydrinks konsumieren. Den Angaben zufolge überschreitet jeder vierte von ihnen mit drei und mehr Dosen hintereinander die als unbedenklich eingestufte Menge Koffein.

Gesundheitsexperten plädieren für ein Verbot von Energydrinks. (Bild: beermedia.de/fotolia.com)
Gesundheitsexperten plädieren für ein Verbot von Energydrinks. (Bild: beermedia.de/fotolia.com)

Energydrinks und ihre Folgen für die Gesundheit
Seit Jahren mahnen Gesundheitsexperten zur Vorsicht bei Energydrinks. Vor kurzem wurde eine neue Internetseite gestartet, auf der gezeigt wird, was nach einer Dose Red Bull im Körper geschieht. Nach höherem Konsum kann es unter anderem zu Herzrasen oder Bluthochdruck kommen. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, warnt die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, dass die Muntermacher im Verdacht stehen, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Nierenversagen und sogar Todesfälle zu verursachen. Genauso wie die Gesellschaft der Europäischen Kinderkardiologen fordert die Organisation ein europaweites Verkaufsverbot der trendigen Getränke an Minderjährige. Zwar setzt sich die SPD-Fraktion im Bundestag für ein Abgabeverbot an unter 16-Jährige ein, doch nach dem Willen von Foodwatch sollten die hochkonzentrierten sogenannten Energy Shots komplett verboten werden.

Aufklärungskampagne zu Energydrinks geplant
Von der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke wurden solche Forderungen als „absolut unverhältnismäßig“ bezeichnet. Dem Verband zufolge enthalte eine 250-Milligramm-Getränkedose eines typischen Energydrinks in etwa die gleiche Menge Koffein wie eine Tasse Filterkaffee. Und Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) meinte: „Verbote laufen hier ins Leere. Wir müssen stattdessen das Bewusstsein schärfen. Nachhaltige Erfolge erzielen wir durch Aufklärung und Bildung.“ Wie der Politiker auf dpa-Anfrage ankündigte, werde er noch in diesem Jahr eine Aufklärungskampagne zu Energydrinks und anderen koffeinhaltigen Lebensmitteln starten. Unter anderem seien in diesem Rahmen Faltblätter, Internet- und Hörfunkbeiträge sowie Materialien für den Schulunterricht geplant.

Unverantwortlicher Kurs der Bundesregierung
Der Göttinger Kinderkardiologe Martin Hulpke-Wette hält den Kurs der schwarz-roten Bundesregierung für unverantwortlich. Wie der Mediziner erklärte, sei ein Verbot schon deshalb notwendig, weil die Folgen des chronischen, hochdosierten Konsums von Energydrinks im Jugendalter noch gar nicht wissenschaftlich untersucht seien. Dem Arzt zufolge leiden mindestens 700.000 Kinder in Deutschland unter Bluthochdruck, die meisten wüssten davon gar nichts.

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Mittlerweile gebe es sogar „Energy Sweets“ auf dem Markt. Das sind koffeinhaltige Fruchtgummis in Form von Dosen. „Das ist für mich die Perversion schlechthin. Immer jüngere Kinder sollen damit angefüttert werden“, sagte Hulpke-Wette. Offensichtlich hätten die massiven wirtschaftlichen Interessen ein höheres Gewicht als die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen, so der Arzt. Auch bei diesem Thema müsse – wie bei Zigaretten und Alkohol – der Jugendschutz greifen.

Vorgaben wurden kürzlich verschärft
Das Bundesjugendministerium sieht jedoch aufgrund des aktuellen Forschungsstandes keinen Anlass für ein Konsum- oder Abgabeverbot. Wie aus dem Ernährungsministerium verlautbart wurde, seien die Vorgaben für Energydrinks erst kürzlich verschärft worden.

Demnach sei der zulässige Koffeingehalt auf maximal 320 Milligramm pro Liter beschränkt worden. Sind über 150 Milligramm Koffein pro Liter enthalten, muss neben dem Hinweis „Erhöhter Koffeingehalt“ seit vergangenem Dezember auch ein zweiter Warnhinweis stehen: „Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen.“ (ad)