Herzinfarkt: Neue App hilft bei Herz-Notfällen

Volker Blasek

Mehr Sicherheit bei der Behandlung akuter Herznotfälle

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) stellte kürzlich auf ihrer Jahrestagung sechs neue Apps vor, die bei akuten kardiologischen Erkrankungen helfen sollen. Die Apps wurden streng nach den aktuellen Behandlungsleitlinien entwickelt und sind schnell und unkompliziert bedienbar. Die Apps sollen zu einer besseren und exakten Behandlung bei mehreren akuten Herzkrankheiten wie dem Leitsymptom akuter Brustschmerz, ST- Hebungsinfarkt, Akutes Koronarsyndrom, infarktbedingter kardiogener Schock, akutes Aortensyndrom und die Lungenarterienembolie beitragen.


Die Apps wurden speziell für den Krankenhausbetrieb optimiert. Sobald einer dieser Notfälle auftritt, können die Ärzte sich Schritt für Schritt durch die kritischen Phasen der Notfallbehandlung führen lassen. Dies soll eine exakte Einhaltung der Leitlinien garantieren. Viele Studien haben gezeigt, dass die genaue Einhaltung von Leitlinien einen entscheidenden Einfluss auf die Behandlungsqualität hat.

Sechs neue Apps für den Krankenhausbetrieb sollen die Behandlungsqualität bei kardiologischen Notfällen verbessern. (Bild: Sonja Calovini/fotolia.com)

Bessere Behandlungsergebnisse

„Wir sind sicher, dass wir damit zu mehr Sicherheit und besseren Behandlungsergebnissen von akut herzkranken Patienten beitragen können“, berichtet Prof. Dr. Martin Möckel in der Pressemitteilung der DGK. Ganz konkrete Ereignisprozessketten, die auf den gültigen Leitlinien basieren, seien das Rückgrat der Apps. Laut Möckel war es bislang oft schwer, die Leitlinien in konkreten Arbeitssituation genau umzusetzen. Der Ansatz der App sei, die in den Leitlinien vorgegebene Qualiät in eine realitätsnahe, einfach verständliche und für jedermann nachvollziehbare Form zu bringen.

Digitale Hilfen bislang eine Ausnahme

Prof. Dr. Peter Radke berichtet weiter: „Im Medizinbetrieb sind digitale Orientierungshilfen nach wie vor eher die Ausnahme.“ Die Nutzung eines Handys sei noch vor wenigen Jahren ein absolutes Tabu im Krankenhaus gewesen. Viele Ärzte seien der Meinung gewesen, die Benutzung eines Mobiltelefons könnte die empfindlichen Geräte stören.

Viele Leitlinien, aber alle schlecht nutzbar

Laut Radke hat dieser skeptische Umgang mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten dazu geführt, dass heute deutschlandweit zwar Leitlinien von 177 medizinischen Fachgesellschaften vorliegen, davon aber gerade mal 15 in interaktiver Form verfügbar sind. Dies sei der Grund, warum die DGK eine eigene Arbeitsgruppe „Task Force, Medical Apps“ gründete.

Medizinisches Neuland

Die entwickelten Apps werden als Clinical Decision Support Tools (CDS Tools) bezeichnet. Mit diesen Tools begibt sich die DGK auf medizinisches Neuland, denn laut Radke sind sie die ersten digitalen Hilfsmittel, die auf klaren, allgemein akzeptierten und vor allem publizierten Regeln beruhen. Außerdem würden sie auf individueller Patientenbasis arbeiten, parallel ablaufende Prozesse berücksichtigen und den gesamten Entscheidungsprozess zur Patientendokumentation hinzufügen.

Checklisten zu obligatorischen Arbeitsschritten

Im Flugverkehr sind Checklisten zu sicherheitsrelevanten Arbeitsschritten bereits unabdingbar. Die neuen Apps wollen nun ähnliche Checklisten für die akute Behandlung von Herzkrankheiten wie einem Herzinfarkt etablieren. Die Checklisten ermöglichen durch rasche und übersichtliche Abfragen eine Übersicht, welche Patienten akut besonders gefährdet sind und welche Prozesse wann eingeleitet werden müssen.

Einhaltung der Leitlinien führt zu besseren Behandlungsergebnissen

„Eine an den Leitlinien der Fachgesellschaften orientierte Behandlung von Patienten mit akuten Erkrankungen des Herzens führt zu besseren Ergebnissen“, erläutert Prof. Möckel. Es sei bekannt, dass die Einhaltung der Leitlinien in Krankenhäusern sehr unterschiedlich ausfallen kann. Laut Möckel sind viele Stellen verbesserungswürdig. Der Einsatz der Apps bringe eine Verbesserung der Leitlinientreue und in der Folge auch der klinischen Ergebnisse in der kardiologischen Versorgung.

Studien zu den Leitlinien

Professor Möckel verweist auf zahlreiche Studien, die zeigen, dass die penible Einhaltung von Leitlinien entscheidenden Einfluss auf die Behandlungsqualität hat. Als Beispiel nennt er eine große Studie mit rund 40.000 Patienten, die einen klaren Zusammenhang zwischen einer hohen Leitlinientreue und einer niedrigen Sterblichkeitsrate herstellt.

DGK hofft auf breite Akzeptanz

„Wir hoffen sehr, dass die demnächst verfügbare digitale Hilfestellung auf breiter Basis angenommen wird“, so Möckel. Schließlich zeige auch der kürzlich vorgestellte Digitalisierungsreport der Deutschen Ärztekammer, dass sich jeder zweite Arzt die schnelle Verbreitung medizinischer Erkenntnisse auf digitalem Weg wünscht und dabei stehen bei mehr als 600 befragten Ärztinnen und Ärzten digitale Lösungen für Leitlinien auf Platz eins. (vb)