Herzinfarktrisiko in Ostdeutschland höher

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Herzinfarkt-Risiko bei Männern und in Ostdeutschland deutlich höher
Männer erleiden häufiger einen Herzinfarkt als Frauen und in den neuen Bundesländern ist das Herzinfarkt-Risiko höher als im Westen. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) hat auf ihrer Herbsttagung in Nürnberg den aktuellen Herzbericht 2009 vorgestellt.

Männer häufiger von Herzinfarkten betroffen als Frauen
Demnach wurden Männer über 50 Prozent häufiger wegen eines Herzinfarktes ins Krankenhaus eingewiesen als Frauen. Und auch die Behandlungskosten für Herzkrankheiten bei Männern sind von 2002 bis 2008 weit stärker gestiegen als bei Frauen, 22,5 Prozent gegenüber 11,8 Prozent „Herzinfarkt ist in Deutschland noch immer überwiegend eine Männerkrankheit“, betonte der Autor des Herzberichts, Ernst Bruckenberger. Entweder ist die genetische Disposition bei Männern ungünstiger oder sie leben ungesünder, erläuterte der Fachmann weiter, wobei der Herzbericht lediglich die Zahl der Erkrankungen erfasst, jedoch keine wissenschaftliche Erklärung der Ursachen liefert. Deutschlandweit wurden nach Angaben des vorgelegten Herzberichts 2009 133.636 Männer wegen eines Herzinfarkts ins Krankenhaus eingeliefert gegenüber 77.069 Frauen. 30.559 Männer und 26.216 Frauen starben 2009 an einem Herzinfarkt, womit die Sterbeziffer für Männer um 21,2 Prozent höher lag als bei den Frauen.

Starke regionale Unterschiede – Ostdeutschland tendenziell stärker betroffen
Neben den geschlechtsspezifischen Unterschieden bei den Herzinfarkten dokumentiert der Herzbericht 2009 erneut deutliche regionale Unterschiede. So sind Herzinfarkte in den neuen Bundesländern weit häufiger als im Westen, wobei die Zahl der Todesfälle durch Herzinfarkte in Sachsen-Anhalt um 42,9 Prozent, in Brandenburg um 46 Prozent, in Sachsen um 18,6 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern um 14,9 Prozent und in Thüringen um 13 Prozent zugenommen hat. Relativ wenig Menschen sterben hingegen in Hessen, Schleswig-Holstein sowie den Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin. Runter gebrochen auf Kreisebene werden die Unterschiede noch größer. So haben die Herzinfarkt bedingten Todesfälle zum Beispiel im Kreis Spree-Neiße um 106 Prozent und in der Uckermark um 102,7 Prozent zugenommen. Demgegenüber steht eine Abnahme der Todesfälle im Landkreis Plön (minus 66,6 Prozent), der Stadt Memmingen (minus 58,7 Prozent ) sowie der Landkreis Schleswig-Flensburg (minus 56,5 Prozent), was die starken regionalen Unterschiede bei den Todesfällen durch Herzinfarkte verdeutlicht.

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Unterschiede in der Versorgungslandschaft
Der Ministerialrat a.D. am niedersächsischen Sozialministerium und Autor des Herzberichts 2009, Ernst Bruckenberger, führt die eindeutigen Ost-West-Unterschiede in erster Linie auf die schlechtere medizinische Versorgung in den neuen Bundesländern zurück. Seiner Ansicht nach kann von einer „auch nur in etwa gleichmäßigen Versorgungslandschaft“ für die wesentlichen Herzkrankheiten nicht gesprochen werden, auch wenn die Behandlungsmöglichkeiten in Deutschland generell gut sind. Deutschland belegt zum Beispiel bei den Herzkatheter-Labors mit aktuell 930 Einrichtungen im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz.

Zahl der Behandlung nimmt nur noch leicht zu
Die Zahl von Behandlungen wie Herzkatheter-Untersuchungen (plus 1,5 Prozent), perkutanen koronaren Interventionen (plus 1,8 Prozent) und Stents (plus 1,1 Prozent) haben auch 2009 weiter zugenommen, doch ist der Anstieg gegenüber dem Vorjahr nach Aussage des Fachmanns der geringste seit 1980. So sieht der DGK-Präsident Michael Böhm seine Einschätzung bestätigt, dass sich in Deutschland mittlerweile eine ausreichende und effiziente Versorgungsstruktur in der Kardiologie etabliert hat. Insgesamt zieht der Autor des Herzberichts eine positive Bilanz, denn Herzinfarkte sind für immer weniger Menschen in Deutschland die Todesursache: „Die Zahl der Herzinfarkt-Toten ist seit dem Jahr 2000 insgesamt um 10.507 Todesfälle oder 15,4 Prozent gesunken“, erklärte Bruckenberger, wobei die Sterberate bei Männern und Frauen in allen Altersgruppen abgenommen habe. Am stärksten konnten dabei Patienten der Altersgruppe zwischen 70 und 80 Jahren von den Fortschritten in der Diagnostik und Behandlung profitieren. Deutschlandweit sterben nach Angaben des Herzberichts 2009 durchschnittlich 69,2 Menschen von 100.000 Einwohnern pro Jahr an einem Herzinfarkt. (fp, 09.10.2010)