Herzrhythmusstörungen: Plötzlicher Herzstillstand auch bei jungen Menschen möglich

Viele junge Menschen haben erblich bedingt ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen, wissen jedoch nicht von der Gefahr. (Bild: staras/fotolia.com)
Fabian Peters
Viele gefährdete Personen wissen nichts von ihrem Risiko für Herzrhythmusstörungen
Auch junge Menschen können lebensbedrohliche Herzprobleme entwickeln. „Immer wieder erleiden junge, scheinbar gesunde Menschen plötzlich schwere Herzrhythmusstörungen – mit oft tödlichem Ausgang“, so die Warnung des Universitätsklinikums Freiburg. Viele gefährdete Personen seien sich des Risikos nicht bewusst.

Das Risiko erblich bedingter Herzrhythmusstörungen tragen schätzungsweise 50.000 bis 100.000 Menschen in Deutschland in sich, doch viele wissen nichts von der Gefahr, berichten die Experten der Freiburger Uniklinik. „Die Betroffenen erfahren oft erst von ihrem Risiko, wenn sie selbst oder ein Elternteil eine schwere Herzrhythmusstörung überleben“, erläutert die Kardiologin Prof. Dr. Katja Odening von der Klinik für Kardiologie und Angiologie I des Universitäts-Herzzentrums Freiburg Bad Krozingen. Bei frühzeitiger Intervention ließe sich die Gefahr jedoch deutlich reduzieren.

Viele junge Menschen haben erblich bedingt ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen, wissen jedoch nicht von der Gefahr. (Bild: staras/fotolia.com)
Viele junge Menschen haben erblich bedingt ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen, wissen jedoch nicht von der Gefahr. (Bild: staras/fotolia.com)

Stress, Sport und soagar der Wecker können Herzrhythmusstörungen auslösen
Bei den gefährdeten Personen können laut Aussage von Prof. Odening unterschiedliche Faktoren die Herzrhythmusstörung auslösen. „Arbeits-Stress, Leistungssport und selbst das Aufschrecken durch den Wecker kann zu einer lebensbedrohlichen Situation führen“, erläutert die Leiterin der „Spezialambulanz für angeborene arrhythmogene Erkrankungen“ in Freiburg. Zudem könne der hormonelle Status bei bestimmten Erkrankungen eine Rolle spielen. So hätten beispielsweise Jungen beim sogenannten Long-QT-Syndrom vor der Pubertät ein besonders hohes Risiko für potenziell tödliche Rhythmusstörungen, während Mädchen dies erst während beziehungsweise nach der Pubertät entwickeln. Das gehe darauf zurück, dass das weibliche Hormon Östrogen die Rhythmusstörungen fördert, während Testosteron eher hemmend wirkt, berichtet die Freiburger Uniklinik von den Ergebnissen des Forscherteams um Professor Odening. Auch könne in manchen Fällen die Einnahme von Antibiotika und anderen Medikamenten das Risiko der Herzrhythmusstörungen erhöhen.

EKG wichtigstes Diagnoseinstrument
Überleben Betroffene die schweren – auch als Kammerflimmern bezeichneten – Herzrhythmusstörungen, folgen in der Freiburger Spezialambulanz eingehende Untersuchungen nach erblichen Ursachen der Rhythmusstörung. „Wichtigstes Werkzeug dafür ist das Elektrokardiogramm (EKG), das die Herzaktivität aufzeichnet“, berichtet das Universitätsklinikum. Durch Messungen in Ruhe, unter Belastung beim Fahrradfahren und über einen Zeitraum von 24 Stunden werde die Herzfunktion ermittelt. Auch aufwendige genetische Analysen seien seit einiger Zeit am Universitäts-Herzzentrum Freiburg Bad Krozingen Teil der Standard-Diagnostik.

Potenzielle Auslöser meiden
„Darüber hinaus erforschen wir derzeit, ob Veränderungen der elektrischen oder mechanischen Eigenschaften des Herzens weitere Hinweise auf das Risiko für Rhythmusstörungen bei diesen angeborenen Erkrankungen geben“, berichtet die Kardiologin Prof. Odening. Bei der Behandlung sei eine individuelle Ausrichtung nach der jeweiligen Erkrankung vorgesehen. Wesentlicher Bestandteil der Behandlung ist, dass Betroffene für ihre Erkrankung spezifische potenzielle Auslöser wie Leistungssport, körperlichen Stress, Fieber oder übermäßigen Alkohol meiden. Auch seien in bestimmten Fällen Medikamente wie bestimmte Antibiotika tabu. Durch regelmäßige kardiologische Kontrollen solle früh eine Verschlechterung der Situation angezeigt werden.

Weitergehende Behandlungsmöglichkeiten
Wenn die Vorsorgemaßnahmen nicht ausreichen, kann auch die Implantation eines sogenannten Defibrillators erforderlich werden, der das Kammerflimmern durch einen kurzen elektrischen Schock beendet, so die Mitteilung des Universitätsklinikum Freiburg. Bis vor kurzem seien zudem bei einigen der angeborenen Rhythmuserkrankungen Betablocker als Medikamente gegen Rhythmusstörung eingesetzt worden. „Doch wie neueste Forschungsergebnisse zeigen, wirken diese nur bei einem Teil der Betroffenen ausreichend, je nach genetischem Profil“, berichtet die Freiburger Uniklinik.

Individuell angepasste Therapiepläne
Angesichts der eingeschränkten medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten sucht das Team um Prof. Odening auch nach Alternativen, wie beispielsweise bei der geschlechterspezifischen Therapie von Hormon-gesteuerten Herzrhythmus-Erkrankungen. „Wir prüfen für jeden Patienten individuell, welche Diagnostik wertvoll sein könnte und stimmen darauf den Therapieplan ab“, betont die Kardiologin. Bei Verdacht auf eine angeborene Herzrhythmus-Erkrankung können sich Betroffene in der „Ambulanz für angeborene arrhythmogene Erkrankungen“ des UHZ vorstellen. (fp)

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