Chronische Herzschwäche Diagnose oft verspätet

Fabian Peters

Risiko der chronischen Herzschwäche vielfach unterschätzt

09.05.2014

Zwei bis drei Millionen Deutsche leiden an einer chronischen Herzschwäche. Insgesamt sind in Europa circa 28 Millionen Menschen betroffen, berichtet die Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (European Society of Cardiology) anlässlich des Europäischen Tags der Herzschwäche. Oftmals werde die Erkrankung erst deutlich verspätet diagnostiziert, was entsprechend dramatische Folgen für die Betroffenen haben kann.

In Deutschland sterben laut Angaben des Universitätsklinikums Essen, dass sich ebenfalls an den Aktionen zum Tag der Herzschwäche beteiligt, „mehr als 45.000 Menschen jährlich an der Herzschwäche — Tendenz steigend.“ Gegenüber der österreichische Nachrichtenagentur „APA“ erklärte der stellvertretende Leiter der Arbeitsgemeinschaft Herzinsuffizienz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft, Deddo Mörtl, dass „nach der Erstdiagnose ein Drittel der Patienten im ersten Jahr“ stirbt, und dass „mit einer adäquaten Therapie die Lebenserwartung der Herzinsuffizienz-Patienten verdoppelt“ werden könnte. Von einem Großteil der Bevölkerung werde die Gefahr durch eine chronische Herzschwäche deutlich unterschätzt, berichtet der Experte unter Berufung auf eine aktuelle repräsentative Umfrage.

Atemnot, Wasser in den Beinen und Herz-Rhythmusstörungen
Zu dem Beschwerdebild der Herzschwäche erläuterte Professor Till Neumann vom Westdeutschen Herzzentrum Essen am Universitätsklinikum Essen, dass „bei einer Herzinsuffizienz das Herz nicht ausreichend pumpt, um Körper und Organe mit Blut und Sauerstoff versorgen zu können.“ Infolgedessen leiden „die Patienten unter Luftnot, haben Wassereinlagerungen und Herz-Rhythmusstörungen“, so Neumann weiter. Zu der Entstehung einer Herzinsuffizienz erläutert das Universitätsklinikum Würzburg in einer Pressemitteilung anlässlich des Europäischen Tags der Herzschwäche, dass das Herz bei zu hohen Belastungen, wie zum Beispiel durch chronischen Bluthochdruck, immer größer werde, um die Belastung zu verkraften. „Wächst es dabei zu stark, dann sterben Herzmuskelzellen ab, das Gewebe vernarbt und wird dauerhaft geschwächt – eine chronische Herzschwäche ist entstanden“, berichtet das Universitätsklinikum weiter. „Es ist wichtig, dass Betroffene die Herzschwäche frühzeitig erkennen und zum Arzt gehen“, betonte Professor Neumann.

Erstdiagnose könnte häufiger bei niedergelassenen Ärzten erfolgen
Als wichtigste Diagnoseverfahren bei einer Herzinsuffizienz gelten klinische Untersuchungen, die Erstellung von Elektrokardiogrammen (EKG), Herzultraschalluntersuchungen und die Bestimmung des Biomarkers BNP im Blut. Allerdings erfolgt die Diagnose meist erst zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Erkrankung, wenn sich bereits deutliche Symptome, wie geschwollene Beine oder massive Atemnot, zeigen. Die Behandlung wird durch diese verspätete Diagnose erheblich erschwert. Hier sehen die Experten auch die niedergelassenen Ärzte in der Pflicht, denn ein Großteil der Erstdiagnose könnte bei niedergelassenen Ärzten erfolgen, erläuterte Christian Ebner, Leiter der österreichischen Arbeitsgemeinschaft Herzinsuffizienz der Kardiologen, gegenüber der „APA“. Seiner Ansicht nach sollten Patienten in den beiden leichteren Stadien der Herzinsuffizienz von niedergelassenen Ärzten ambulant versorgt werden. Dieser Forderung des Experten stehen jedoch sowohl in Österreich als auch in Deutschland strukturelle Schwächen des Gesundheitssystems entgegen, die tendenzielle eine stationäre Versorgung der Patienten forcieren und die ambulante Behandlung erschweren. (fp)

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