Herzwochen: Unterschätztes Risiko Bluthochdruck

Fabian Peters

Gesundheitsrisiko Bluthochdruck Themenschwerpunkt bei den Herzwochen

31.10.2011

Bluthochdruck wird, aufgrund der ausbleibenden Symptome im Anfangsstadium der Erkrankung, von den Betroffenen häufig unterschätzt. Tatsächlich drohen Bluthochdruckpatienten jedoch zahlreiche Folgeerkrankungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte, Herzschwächen, Herzrhythmusstörungen, Nierenversagen und Erblindung, warnt die Deutsche Herzstiftung im Vorfeld der diesjährigen Herzwochen.

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Wie der Herzspezialist und Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Herzstiftung, Thomas Meinertz, anlässlich der Herzwochen 2011 im November betonte, kann ein zu hoher Blutdruck insbesondere im Winter zu einer akuten gesundheitlichen Bedrohung werden. Zudem ist Bluthochdruck in Deutschland laut Aussage des Experten relativ stark verbreitet, wobei Menschen jeder Altersgruppe und beider Geschlechter in wachsendem Maße betroffen sind. Die Symptome bleiben angesichts des schleichenden Krankheitsbildes anfänglich oftmals eher unauffällig und beschränken sich auf leichte Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Herzpochen und ähnlich unspezifische Beschwerden, erläuterte die Deutsche Herzstiftung. Im späteren Krankheitsverlauf bringe Bluthochdruck jedoch zahlreiche weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen und Folgeerkrankungen mit sich.

35 Millionen Deutsche haben zu hohen Blutdruck
Die Deutsche Herzstiftung hat daher die diesjährigen Herzwochen dem Thema „Bluthochdruck“ gewidmet und mit zahlreichen Beiträgen bereits im Vorfeld der Herzwochen auf die speziellen Risiken eines zu hohen Blutdrucks hingewiesen. Nach Einschätzung der Experten haben in Deutschland „zwischen 18 und 35 Millionen Menschen einen zu hohen Blutdruck“, wobei nicht nur alte Menschen sondern auch jüngere Bevölkerungsgruppen zunehmend betroffen sind. Bis zu zehn Millionen Betroffenen wissen dabei laut Aussage der Deutschen Herzstiftung nicht einmal von ihrem Bluthochdruck. Wie Bernhard Schwaab von der Abteilung für Kardiologie der Klinik Höhenried und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung erläuterte, ist ein zu hoher Blutdruck heute „der häufigste Risikofaktor für Herz- und Gefäßerkrankungen“ in Deutschland, wobei dies „auch mit den Veränderungen unseres Lebensstils zu tun“ habe. Doch nicht nur die Unwissenheit der Betroffenen sei bei der Behandlung ein erhebliches Problem, sondern auch die Tatsache, dass viele Patienten die Folgen von Bluthochdruck deutlich unterschätzen. Im Anfangsstadium bestehe „meist keine Behandlungseinsicht, weil sich die Betroffenen nicht krank fühlen“, ergänzte der Herzspezialist Thomas Meinertz.

Blutdruckkontrolle im Winter besonders wichtig
Die Experten der Deutschen Herzstiftung haben in ihren aktuellen Pressemitteilungen auch darauf hingewiesen, dass sowohl im Sommer bei besonders heißem, schwülen Wetter als auch im Winter bei starker Kälte außen und oft überhitzen Innenräumen die Gesundheitsrisiken durch Bluthochdruck deutlich steigen. Die genauen Ursachen für die vermehrten Beschwerden bei den Bluthochdruckpatienten im Winter seien bisher zwar nicht abschließend geklärt, aber einige Untersuchungen weisen daraufhin, dass die Herzfrequenz und auch die Konzentration von gefäßerweiterndem Stickstoffmonoxid im Winter geringer sei, erklärten die Experten der Deutschen Hochdruckliga. Damit steige das Risiko von Bluthochdruck, weshalb die Betroffenen ihren Blutdruck im Winter besonders häufig kontrollieren sollten, so die Deutsche Hochdruckliga weiter. Diese Blutdruckkontrollen beziehungsweise die „strikte Einhaltung des Zielwerts unter 140/90 mm Hg ist aufgrund des saisonalen Risikos gerade im Winter wichtig“, betonte der Experte der Deutschen Hochdruckliga, Joachim Leiblein.

Herzwochen widmen sich dem Thema Bluthochdruck
Generell sollten die Betroffenen mögliche Hinweise auf Bluthochdruck ernst nehmen und in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, so die Aussage der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Hochdruckliga im Vorfeld der diesjährigen Herzwochen. Dies falle einigen Patienten jedoch durchaus schwer, da sie sich trotz des erhöhten Blutdruck lange Zeit weiterhin kerngesund fühlen. Mit der Zeit werden durch den zu hohen Blutdruck jedoch sämtliche großen und kleinen Blutgefäße des Organismus geschädigt, wodurch auf Dauer erhebliche Durchblutungsstörungen drohen, warnen die Gesundheitsorganisationen. Langfristig werden auch lebenswichtige Organe in Mitleidenschaften gezogen, was schlimmstenfalls zu akuten Beschwerden wie Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Erblindungen führen kann, so die Experten weiter. Da Bluthochdruck quasi jeden ereilen kann, sollte „spätestens ab dem 40. Lebensjahr“ der Blutdruck jährlich präventiv kontrolliert werden, erklärte Bernhard Schwaab und ergänzte: „Wer Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einen hohen Blutdruck bereits aus dem Familienkreis kennt, sollte schon ab dem 30. Lebensjahr“ mit den Kontrollen beginnen. (fp)