Hilfe für Schreibabys: Akupunktur wirkte bei Säuglings-Koliken

Alfred Domke
Akupunktur kann bei Säuglings-Koliken helfen
Akupunktur wird schon seit langem auch in der westlichen Medizin gegen verschiedenste Beschwerden eingesetzt. Die Behandlungsmethode wirkt bei zahlreichen Volkskrankheiten wie Kopfschmerzen und Migräne. In einer Studie zeigte sich nun, dass die Nadeltherapie auch bei der Behandlung von Säuglings-Koliken helfen kann.

Wenn das Baby immer wieder schreit
Vor allem wenig erfahrene Eltern sind meist schnell beunruhigt, wenn ihre Kleinen viel schreien. Sie sollten trotzdem aufkommenden Stress vermeiden, denn der kann sich auf das Kind übertragen und die Situation noch verschlimmern. Laut Experten sind zwei Stunden Schreien am Tag bei Babys normal. Wenn die Ursache nicht bekannt ist, dürfen Eltern ihr Baby aber nicht schreien lassen, mahnen Fachleute. Vielmehr gilt es, herauszufinden, warum sich der Nachwuchs beschwert. Liegt es an Koliken, kann Akupunktur helfen, wie Wissenschaftler nun herausgefunden haben.

Wenn kleine Babys oft und heftig schreien, können Koliken der Auslöser dafür sein. In einer Studie zeigte sich nun, dass Akupunktur diesen Säuglingen helfen kann. (Bild: lisalucia/fotolia.com)

Kleinkinder mit Koliken
Kajsa Landgren und Inger Hallström von der schwedischen Universität Lund haben untersucht, ob die alternative Heilmethode auch bei Säuglingen, die unter sogenannten Drei-Monats-Koliken leiden, helfen kann.

Vor allem in den ersten Lebensmonaten haben viele Babys mit den starken Bauchschmerzen zu kämpfen. Die Beschwerden der Kleinen führen auch zu häufigen und heftigen Schreiattacken.

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Durch die Behandlung mit den Nadeln schrien die Kinder viel seltener als Babys die standardmäßig versorgt wurden. Darüber hinaus heilte die Kolik bei diesen Säuglingen auch schneller aus. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „Acupuncture in Medicine“ veröffentlicht.

Behandlung mit Akupunktur
Im Rahmen der Studie wurden 147 Babys, bei denen Koliken diagnostiziert worden waren, in drei Gruppen eingeteilt. Die ansonsten gesunden Kinder waren zwischen zwei und acht Wochen alt.

Die Säuglinge einer Gruppe erhielten eine standardisierte minimale Akupunktur an einem Akupunkturpunkt für jeweils zwei bis fünf Sekunden. Die der zweiten wurden mit einer leicht anregenden Akupunktur an maximal fünf Akupressurpunkten, für eine Dauer von 30 Sekunden, behandelt. Und die restlichen Kinder erhielten eine normale Standardversorgung ohne Akupunktur.

Die Behandlung, die zweimal pro Woche durchgeführt wurde, dauerte insgesamt vierzehn Tage. Während des Studienverlaufs führten alle Eltern ein detailliertes Schrei-Tagebuch – ohne zu wissen, wie ihr Kind behandelt wurde.

Schreiattacken nahmen deutlich ab
Es zeigte sich, dass die Babys in allen drei Gruppen im Lauf der Zeit weniger schrien, was aber nicht verwunderlich ist, da Koliken normalerweise von selbst ausheilen und die Symptome im Krankheitsverlauf weniger werden.

Es gab jedoch einen entscheidenden Unterschied: In den beiden Akupunktur-Gruppen nahmen die Schreiattacken stärker und schneller ab. Die positiven Effekte seien auch noch eine Woche nach der Behandlung deutlich gewesen.

Zudem wurden zwei Wochen nach der Behandlung weniger Koliken bei den Säuglingen festgestellt. Den Angaben zufolge hatten in den beiden Akupunkturgruppen noch 16 beziehungsweise 21 Babys eine Kolik, in der Standardgruppe waren es dagegen 31.

„Für Babys, die mehr als drei Stunden am Tag weinen, kann Akupunktur eine effektive Behandlungsoption sein“, schreiben die Studienautoren in einer Mitteilung.

Vergessen werden darf aber nicht: „Jammern und Weinen sind für ein Baby normale Kommunikation, daher ist das Ziel der Behandlung eine Reduktion auf ein normales Level (anstatt Stille)“.

Laserlicht satt Nadeln
In Österreich wird die Nadeltherapie bei Kindern bereits erfolgreich eingesetzt. „Wir stechen die Babys in Österreich aber nicht, sondern wenden Laserlicht auf dem jeweiligen Akupunkturpunkt an – auch damit kann man sehr gute Erfolge erzielen“, erklärte Dr. Karin Stockert, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur, in einem Bericht auf „kurier.at“.

Zwar werde die Nadelbehandlung in China sicher angewandt, „in Österreich würden wir das aber nicht tun, weil das doch ziemlich schmerzhaft sein kann und die Hemmschwelle der Eltern sehr groß ist, ihre Kinder stechen zu lassen“.

Außerdem müssten die Kleinen während der Behandlung ruhig liegen bleiben, was in dem jungen Alter naturgemäß sehr schwierig ist. (ad)