Hinter ADHS kann chronischer Schlafmangel stecken

Heilpraxisnet

Ärzte warnen vor ADHS-Fehldiagnosen

13.03.2015

ADHS könnte häufig falsch diagnostiziert werden. Das ergab eine dänische Übersichtsstudie, nach der Schlafstörungen ähnliche Symptome wie ADHS verursachen. Eine Verwechselung komme dem Kinderpsychiater Allan Hvolby zufolge deshalb öfter vor. Bevor ein Medikament wie Ritalin zum Einsatz kommt, sollten Eltern deshalb zunächst abklären lassen, ob nicht nächtliche Probleme beim Schlafen Ursache der Beschwerden sind.

ADHS könnte häufig falsch diagnostiziert werden
Kein Klassenzimmer mehr ohne ADHS-Kind. Es scheint als gehöre die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mittlerweile zu den Modediagnosen. Zweifelsohne gibt es Kinder, die an der psychischen Störung leiden. Doch dass die Diagnose tatsächlich immer gerechtfertigt ist, stellt Hvolby mit seiner Übersichtsstudie in Frage. Denn die Symptome von ADHS würden häufig mit den Beschwerden einer Schlafstörung verwechselt, erläutert der Kinderpsychiater gegenüber „Fokus“. Der Studie zufolge haben Kinder mit ADHS aber auch häufig einen unruhigen Schlaf.

„Die Symptome sehen auf den ersten Blick oft gleich aus“, berichtet Stephan Rüller vom Schlaflabor der Medizinischen Klinik des Forschungszentrums Borstel gegenüber dem Nachrichtenmagazin. Demnach hätten vor allem Jungen Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und einen Moment still zu sitzen. Andere Kinder – häufig sind es Mädchen – folgen nicht dem Unterricht, weil sie geistig abwesend sind und vor sich hin träumen.

Schlafprobleme durch Atemstörung können ADHS-ähnliche Symptome verursachen
Ursache des Schlafmangels ist häufig eine nächtliche Atemstörung, bei der sich die Atemwege im Schlaf verschließen und der Betroffene zu schnarchen beginnt. Durch die Atemnot wacht der Schlafende nachts mehrmals auf, so dass er keine Erholung mehr im Schlaf findet. Ärzte bezeichnen diese Atemstörung als Schlafapnoe. Wie das Nachrichtenmagazin berichtet, könnten laut Studien bis zu 80 Prozent der Kinder, die schnarchen und leichte ADHS-Symptome aufweisen, durch eine gezielte Therapie der Atemstörung von ihren Beschwerden befreit werden.

Das sogenannte Upper Airway Resistance Syndrome (UARS) kann ebenfalls ADHS-ähnliche Symptome verursachen. Dabei verengen sich nachts die Atemwege des Betroffenen, so dass dieser viel Energie aufwenden muss, um die Lunge mit Luft zu füllen. „Das ist, als ob man durch einen Strohhalm atmet“, so Rüller. „Spätestens, wenn das Medikament Ritalin zum Einsatz kommt, sollte man ein UARS abklären lassen.“ (ag)

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>Bild: Hermann Kühl / pixelio.de