MHH Klinik: Hirnblutung durch Headbanging

Heilpraxisnet

Heavy-Metal-Fan erleidet Hirnblutung nach dem Headbangen

04.06.2014

Headbanging gehört für Heavy-Metal-Fans zu jedem anständigen Konzert, doch kann die heftige Bewegung des Kopfes gesundheitliche Beschwerden bis hin zu Hirnblutungen auslösen, berichtet die Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im dem renommierten Fachmagazin „The Lancet“. Den Angaben der MHH zufolge hatte ein 50-jähriger Patient nach dem Besuch eines Konzert der Metal-Band Motörhead Blutungen im Gehirn erlitten.

Der 50 Jahre alte Mann kam im Januar 2013 in die neurochirurgische Abteilung der MHH, nachdem er über zwei Wochen unter kontinuierlich stärker werdenden Kopfschmerzen litt. Seine Krankengeschichte war laut Angaben der Ärzte unauffällig. Er hatte keine Stöße oder Schläge gegen den Kopf erlitten, war in keine Unfälle verwickelt und hatte keinerlei Substanzen eingenommen, die im Zusammenhang mit den Beschwerden stehen könnten. Ein Computertomographie (CT) des Gehirns zeigte eine Blutung zwischen Hirnoberfläche und Schädelknochen, die zunehmend auf das Gehirn drückte und so die Schmerzen verursachte.

Schleudertrauma, Gefäßverletzungen, Halswirbelbrüche und Hirnblutungen
Das wilde Kopfschütteln bei Heavy-Metal-Konzerten erscheint Außenstehenden eher skurril, doch für die eingefleischten Fans ist Headbanging ein nicht wegzudenkendes Ritual. Wer über mehrere Stunden den Kopf heftig hin und her bewegt, kann sich damit allerdings nicht zu unterschätzende Schäden zufügen. Zu den bekannten möglichen Folgen des Headbangings zählen zum Beispiel das Schleudertrauma, Gefäßverletzungen im Kopf oder der Bruch von Halswirbeln. Bei dem Patienten an der Medizinischen Hochschule Hannover hatte das Headbangen auf dem Motörhead-Konzert vier Wochen zuvor ein sogenanntes rechtsseitiges chronisches Subduralhämatom ausgelöst. Dies ist der erste dokumentierte Fall einer Hirnblutung infolge des Headbangings.

Druckentlastung durch Öffnung des Schädelknochens
Die Mediziner um Dr. Ariyan Pirayesh Islamian berichten weiter, dass nach der eindeutigen Diagnose der Hirnblutung für Druckentlastung gesorgt wurde, indem sie den Schädel des Patienten chirurgisch öffneten. Durch die Öffnung im Schädelknochen wurde ein Schlauch geführt, über den die angesammelte Flüssigkeit abgeleitet werden konnte. Nachdem das Hämatom vollständig beseitigt war, entdeckten die Ärzte mit Hilfe der Computertomographie zudem eine Arachnoidalzyste (gutartige Hirnzyste) im Gehirn des Patienten, welche möglicherweise dazu beigetragen hat, dass beim Headbangen die Hirnblutungen einsetzten.

Verletzungen beim Headbangen eher selten
Die Mediziner wollen nach eigenen Angaben keineswegs vorm Headbangen warnen oder gar Heavy-Metal-Musik allgemein verteufeln, denn Verletzungen seien hier extrem seltene Ausnahmen. Doch mache der Vorfall deutlich, dass bei Kopfbewegungen zu der Musik mit 200 BPM (Beats per minute) ein höheres Verletzungsrisiko besteht, als bei gemächlichem Kopfnicken zu klassischer Musik. Dem Ruf als härteste Band der Welt wurde Motörhead an dieser Stelle erneut gerecht. Zwar müssen Metal-Fans sich bei Konzertbesuchen nicht zwangsweise zurückhalten, doch sollten sie in den Tagen nach einem Konzert bei Beschwerden wie Kopfschmerzen, Druckgefühl im Schädel, Bewusstseinsstörungen, Orientierungsschwierigkeiten oder gar Lähmungen sensibilisiert sein. Hier ist ein zeitnaher Arztbesuch anzuraten, da schlimmstenfalls lebensbedrohliche Hirnblutungen hinter den Symptomen stecken. (fp)

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