Hirndoping unter Studenten weit verbreitet

Fabian Peters

Viele Studenten nutzen Medikamente zur Verbesserung ihrer Leistungen

01.02.2013

Studenten in Deutschland greifen immer häufiger zu Pillen, um ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern. Das Forscherteam um den Sportwissenschaftler Pavel Dietz von der Johannes-Gutenberg-Universität-Mainz hat die Verbreitung des sogenannten Hirndopings unter Studenten untersucht. Demnach schluckt jeder fünfte Student Aufputschmittel um seine kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Den Ergebnissen der Forscher zufolge ist die Einnahme aufputschender Pillen an deutschen Universitäten sehr viel stärker verbreitet als bislang angenommen. Hatte die vor rund einem Jahr veröffentlichte Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums noch ergeben, dass lediglich circa fünf Prozent der Studierenden Hirndoping betreiben, so kommen Dietz und Kollegen nun zu dem Schluss, dass dies für rund 20 Prozent der Studenten zutrifft. Anhand eines anonymen, spezialisierten Fragebogens, ermittelten die Forscher, wie viele Studierende Medikamente einnehmen, nur um ihre kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern und nicht um zugrundeliegende psychischen Erkrankungen wie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), Depressionen oder Schlafstörungen zu behandeln.

Jeder fünfte Student betreibt Hirndoping
Insgesamt haben die Wissenschaftler der Universitäten Mainz und Tübingen im Rahmen der Studie 2.569 Studenten befragt. Dabei stellten sie fest, dass die „12-Monats-Prävalenz für Hirndoping geschätzte 20 Prozent“ betrug. Männer griffen deutlich häufiger zu Pillen, um ihre kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern als Frauen, schreiben Dietz und Kollegen im Fachmagazin "Pharmacotherapy". So nutzten 23,7 Prozent der Männer innerhalb eines Jahre mindestens einmal aufputschende Pillen, während lediglich 17 Prozent der Frauen entsprechendes Hirndoping betrieben. Auch habe sich ein deutlicher Unterschied zwischen den einzelnen Fachbereichen ergeben. Sportstudenten griffen am häufigsten auf stimulierende Mittel zur Steigerung ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit zurück, berichten die Forscher. 25,4 Prozent der Sportstudenten betrieben laut Aussage der Wissenschaftler Hirndoping, während beispielsweise in den Kulturwissenschaften lediglich 21 Prozent, in den Wirtschaftswissenschaften 20 Prozent und in den Studiengängen Medizin, Psychologie und Naturwissenschaften nur 17 Prozent der Studenten aufputschende Mittel einnahmen. Am niedrigsten fiel das Hirndoping bei den Sprachstudenten und Pädagogik-Studenten aus, wo lediglich zwölf Prozent der Studenten ihre Leistung mit Pharmaka zu verbessern suchten.

Hirndoping unter Erstsemester Studenten am stärksten verbreitet
Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass die gängigen Hirndoping-Mittel wie Koffein-Tabletten oder auch verschreibungspflichtige Alzheimer-Medikamente, Amphetamine und das ADHS-Medikament Ritalin (Wirkstoff Methylphenidat), vermehrt von jüngeren Studenten zum Hirndoping missbraucht wurden, während im höheren Semester die Versuche zur medikamentösen Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit deutlich zurückgehen. So nutzen durchschnittlich 24,3 Prozent der Erstsemester Studenten Hirndoping, in späteren Semester lag der Anteil nur noch bei 16,7 Prozent, berichten Dietz und Kollegen. Insgesamt ist Hirndoping jedoch sowohl bei den jüngeren als auch bei den älteren Studenten erschreckend weit verbreitet. (fp)

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