Hitze bedenklicher als ständige Temperaturwechsel

Fabian Peters

Anhaltende Hitze stresst den Organismus mehr als Wetterwechsel

30.07.2012

Der Sommer war bislang geprägt von relativ abrupten Wetterwechseln. Diese können empfindlichen Personen erheblich Probleme bereiten, doch sind sie gesundheitlich weniger bedenklich als anhaltende Hitze, so die Medizin-Meteorologin Christina Koppe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Freiburg.

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Gesunde Menschen haben mit dem Wechsel zwischen warmen und nass-kaltem Wetter laut Aussage der Expertin kaum Schwierigkeiten. Sie zeigen in der Regel keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen. Entscheidend sei nur, dass bei hohen Temperaturen ausreichend Flüssigkeit aufgenommen wird. „Wetterwechsel selber machen nicht krank“, so die Medizin-Meteorologin vom DWD. Allerdings leiden besonders empfindliche, wetterfühlige Personen bei abrupten Wetterwechseln häufig an Müdigkeit, Kreislaufproblemen und Kopfschmerzen bis hin zu Migräne. Insgesamt wäre jedoch „langanhaltende Hitze viel schlimmer“, so Koppe weiter.

Sommer mit wechselhaftem Wetter
Das Wetter im Juli war laut Mitteilung des Deutschen Wetterdienstes äußerst durchwachsen. „Der Schaukelsommer, den wir bereits im Juni ertragen mussten, setzte sich auch im Juli 2012 fort“, so Uwe Kirsche, Pressesprecher des DWD. Es überrasche daher nicht, „dass der Monat zwar viel zu nass war, bei Temperatur und Sonnenschein aber recht durchschnittlich ausfiel.“ Als Beispiel für das wechselhafte Wetter werden in der DWD-Meldung die Messwerte der Station in Nürnberg-Netzstall genannt, die am 23. Juli nachts Bodenfrost bei -1,1 Grad Celsius anzeigte und bereits einen Tag später einen Anstieg der Temperatur bei viel Sonnenschein auf 31,1 Grad Celsius verzeichnete. Letzte Woche wurden dann mit teilweise über 35 Grad Celsius die bislang höchsten Temperaturen des Jahres erreicht.

Erneute Abkühlung für die Gesundheit von Vorteil
Während viele Menschen sich auch weiterhin vergleichbar hohe Temperaturen mit viel Sonnenschein gewünscht hätten, ist unter gesundheitlichen Aspekten der erneute Temperatursturz durchaus zu begrüßen. Dieser macht zwar wetterfühligen Menschen zu schaffen, doch insgesamt hätten die Gesundheitsprobleme bei anhaltender Hitze deutlich stärker zugenommen. So waren angesichts der extrem hohen Temperaturen in der vergangenen Woche bereits die Notaufnahmen auf Hitzepatienten vorbereitet. Vor allem ältere Menschen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden unter den Wetterwechseln, da sich ihr Organismus ständig auf neue Bedingungen einstellen muss, erläuterte die DWD-Expertin.. Dennoch sei die nun eingetretene Abkühlung für die Betroffenen nach den schwül-heißen Tagen eine echte Erleichterung. „Sie können wieder richtig durchatmen, raus und die Wohnung durchlüften“, so die Medizin-Meteorologin Christina Koppe.

Flüssigkeitsmangel als Ursache der gesundheitlichen Beschwerden
Oft resultieren die gesundheitlichen Beschwerden bei warmen Wetterlagen laut Aussage der DWD-Expertin aus einer zu geringen Flüssigkeitsaufnahmen. Wegen ihres reduzierten Durstgefühls würden ältere Menschen häufig nicht genug trinken und auch Kinder achten laut Koppe beim Spielen häufig nicht auf ihr Durstgefühl. „Man sollte sie immer wieder auffordern, zu trinken“, so die Medizin-Meteorologin. Denn beim schwitzen gehe auch Salz verloren, das am besten durch natriumhaltiges Mineralwasser wieder aufgenommen werden sollte. Ansonsten drohen Schwindel, Kreislaufproblemen und Kopfschmerzen. Als Richtwert nannte Koppe die Aufnahme von zwei Litern an heißen Tagen. Empfehlenswert sei dabei Mineral- und Leitungswasser oder Fruchtschorle.

Flüssigkeitsaufnahme bei hohen Temperaturen besonders wichtig
Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat vergangene Woche erneut darauf hingewiesen, wie wichtig ausreichende Flüssigkeitsaufnahme insbesondere bei warmem Wetter ist. Demnach sollten „abhängig vom Alter rund 1,5 Liter über den Tag verteilt getrunken werden, bei Hitze dürfen es bei Gesunden ruhig drei Liter und mehr sein.“ Ideal geeignet seien dabei „kalorienfreie Getränke wie Mineral- und Trinkwasser sowie ungesüßte Kräuter- und Früchtetees.“ Auch „Fruchtsaftschorlen aus einem Teil Saft und drei Teilen Wasser sind akzeptabel und löschen ebenfalls gut den Durst“, so die Mitteilung der DGE. Genussmittel wie Kaffee, grüner und schwarzer Tee sollten laut Aussage der Experten hingegen nur in Maßen getrunken werden. Zuckergesüßte Erfrischungsgetränke wie Limonaden, Fruchtsaftgetränke, Nektare oder stark gezuckerte Eistees seien als Durstlöscher indes völlig ungeeignet. (fp)