Studie: HIV durch Antikörper-Therapie vermindert

Heilpraxisnet

Forscher testen erstmals erfolgreich eine Immuntherapie gegen HIV

09.04.2015

Forscher aus den USA und Deutschland haben möglicherweise eine neue Hoffnung im Kampf gegen HIV und AIDS entdeckt. Wie die Wissenschaftler aktuell im Fachmagazin „Nature“ berichten, sei es erstmals gelungen, eine Immuntherapie erfolgreich am Menschen zu testen. Demnach hatte durch den Antikörper „3BNC117“ die Viruslast bei Infizierten deutlich gesenkt werden können. Dadurch könne die Immuntherapie ein neuer Bestandteil in der Prävention, Behandlung und Heilung einer HIV-Infektion werden.

Ein Team von US-amerikanischen und deutschen Forschern hat erstmals eine Immuntherapie gegen HIV erfolgreich am Menschen getestet. Wie die Forscher um Marina Caskey von der Rockfeller University in New York im Fachblatt “Nature” berichten, habe bereits durch die einmalige Injektion eines breit neutralisierenden Antikörpers die Menge der HIV-Viren im Blut der infizierten Probanden deutlich gesenkt werden können. Die Forscher hatten für ihre Studie insgesamt 29 Menschen in den Vereinigten Staaten und Deutschland eine Dosis des HIV-Antikörpers „3BNC117“ verabreicht und im Anschluss 56 Tage lang beobachtet. Siebzehn der Teilnehmer hatten HIV, wobei 15 von ihnen zum Zeitpunkt der Studie keine antiretroviralen (ARV) Medikamente zur Behandlung der Erkrankung einnahmen. 3BNC117 gehöre zu einer neuen Generation von breit neutralisierenden Antikörper, die wirksam gegen ein breites Spektrum von HIV-Stämmen seien, so eine Mitteilung der Rockefeller University. „Das Besondere an diesen Antikörpern ist, dass sie gegen mehr als 80 Prozent der HIV-Stämme aktiv und sehr potent sind", sagt Marina Caskey, Co-Erstautorin der Studie.

Viruslast nimmt bei Dosis von 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht deutlich ab
Acht Infizierte erhielten dabei die höchste Dosis von 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, woraufhin sich der größte Effekt einstellte und die Virenlast binnen einer Woche deutlich abnahm. Auch in den darauffolgenden 28 Tagen blieb die verringerte Menge bei einem Teil der Probanden konstant, zudem hatten sich bei keinem der Teilnehmer in dem achtwöchigen Beobachtungszeitraum schwere Nebenwirkungen gezeigt. „Wir schließen daraus, dass 3BNC117 als Einzelwirkstoff sicher und wirksam bei der Reduzierung von HIV-1-Viruslast ist und dass die Immuntherapie als neue Modalität für die HIV-1 Vorbeugung, Therapie und Heilung erforscht werden sollte“, so die Wissenschaftler in „Nature“.

Wirkstoff allein nicht ausreichen gegen das wandlungsfähige Virus
Die Ergebnisse der Forscher könnten eine neue große Hoffnung im Kampf gegen HIV und AIDS bedeuten. Denn anders als bei der Therapie bestimmter Krebsarten hatten erste Tests von monoklonen Antikörpern gegen HIV bislang keinen Erfolg gezeigt. Dennoch sei eine erfolgreiche Monotherapie mit dem Wirkstoff den Wissenschaftlern nach unwahrscheinlich, da das HI-Virus extrem wandlungsfähig sei und im menschlichen Körper schnell mutiere, so der Hauptautor der Studie Michel Nussenzweig von der Rockefeller University in New York. Stattdessen würden sich für die Therapie Kombinationen von Antikörpern anbieten. Zu diesem Zweck hätten die Forscher um Nussenzweig einen zweiten HIV-Antikörper produziert und würden nun hoffen, diesen sowohl einzeln als auch in Kombination mit 3BNC117 noch in diesem Jahr testen zu können. (nr)

>Bild: Maurus Völkl / pixelio.de