Hohe Cholesterinwerte erhöhen Brustkrebs Risiko

Astrid Goldmayer

Abbauprodukt von Cholesterin soll die Entstehung von Brustkrebs-Tumoren fördern

29.11.2013

Ein Abbauprodukt von Cholesterin könnte das Risiko für Brustkrebs und Metastasen erhöhen. Das fanden US-amerikanische Forscher im Rahmen von Tierversuchen heraus. Demnach ahmt der Stoff 27-Hydroxy-Cholesterol (27HC) das Hormon Östrogen nach und treibt das Wachstum von Brustkrebs-Tumoren an. Die Ergebnisse sollen auch auf den Menschen übertragbar sein.

Hohe Cholesterinwerte wirken sich ungünstig auf Heilungsprognose bei Brustkrebs aus
Der Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Brustkrebs ist bereits seit einiger Zeit bekannt. Welcher Mechanismus jedoch dafür verantwortlich ist, dass Übergewichtige ein erhöhtes Risiko für Tumore in der Brust haben, galt bislang als ungelöstes Rätsel. US-amerikanische Forscher um Donald McDonnell von der Duke University Medical School in Durham im US-Bundesstaat North Carolina haben möglicherweise eine Erklärung gefunden. Wie die Wissenschaftler im Magazin „Science“ berichten, ist das Cholesterin-Abbauprodukt 27HC dafür verantwortlich, dass erhöhte Cholesterinwerte das Risiko für Brustkrebs und die Bildung von Metastasen erhöhen und die Heilungschancen verschlechtern.

„Viele Studien zeigen eine Verbindung zwischen Fettleibigkeit und Brustkrebs und insbesondere darauf, dass erhöhte Cholesterinwerte mit dem Brustkrebsrisiko zusammenhängen, aber bisher wurde kein Mechanismus entdeckt", wird McDonnell in einer Mitteilung seines Instituts zitiert. „Wir haben nun ein Molekül gefunden – nicht Cholesterin selbst, sondern ein gängiges Abbauprodukt namens 27HC – das das Hormon Östrogen nachahmt und das Wachstum von Brustkrebs antreibt." Rund ein Viertel der Brustkrebstumore besitzt eine erhöhte Sensibilität für das Sexualhormon.

Enzym macht Brustkrebs aggressiver
Wie sich bei Mäusen mit Brustkrebs zeigte, begünstigt 27HC nicht nur die Entstehung von Brusttumoren, sie metastasieren auch stärker. Antiöstrogene wirken dagegen hemmend auf das Cholesterin-Abbauprodukt.

Die Ergebnisse der Forscher wurden bei Untersuchungen an menschlichen Brustkrebszellen bestätigt. Dabei wurde ein weiterer Stoff entdeckt, der die Tumore zudem aggressiver werden lies: Das Enzym CYP27A1 baut Cholesterin zu 27HC ab und aktiviert die Krebszellen. Möglicherweise versagen deshalb Östrogenhemmer in einigen Fällen von hormonempfindlichem Brustkrebs.

„In menschlichen Brustkrebsproben korrelierte der CYP27A1-Spiegel mit dem Tumorgrad. In Tumoren höheren Grades zeigten sowohl Tumorzellen und als auch die mit dem Tumor assoziierten Makrophagen einen hohen Spiegel des Enzyms“, schreiben die Forscher im Magazin.

„Das ist ein sehr wichtiger Befund", wird McDonnell weiter in der Institutsmitteilung zitiert. „Weil menschliche Brusttumore dieses Enzym zur Herstellung von 27HC bilden, stellen sie ein Östrogen-artiges Molekül her, das das Tumorwachstum fördern kann. Damit haben die Tumore einen Mechanismus entwickelt, mit dem sie eine andere Treibstoffquelle nutzen können."

Zur Vorbeugung von Brustkrebs Cholesterinwerte senken
Das Fazit der Forscher: Sehr wahrscheinlich reduziert eine cholesterinbewusste Ernährung oder die medikamentöse Kontrolle der Cholesterinwerte das Brustkrebsrisiko. Darüber hinaus könnten derartige Maßnahmen zur Folge haben, dass sich die Wirksamkeit von Krebstherapien mit Aromatase-Hemmern oder Tamoxifen bei bereits vorhandener Erkrankung verbessert.

„Bisher hat man zwar gewusst, dass es eine Verbindung zwischen hohen Cholesterinwerten und Brustkrebsrisiko gibt", erklärte Professor Klaus Parhofer vom Klinikum der Universität München Großhadern gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. „Man hat den Zusammenhang aber nicht verstanden. Diese Studie belegt die Kausalität und zeigt auch die Mechanismen auf." Nach Ansicht des Endokrinologen sind die Ergebnisse der Forscher auf den Menschen übertragbar. Wie groß der Effekt sei, müsse jedoch in weiteren Untersuchungen geklärt werden.

Brustkrebs ist die am häufigsten bei Frauen auftretende Krebsart. Etwa jede achte Frau erkrankt heute daran. So beängstigend die Diagnose für die Patientinnen auch ist, gleichbedeutend mit einem Todesurteil ist sie dank großer Fortschritte im Bereich der Diagnostik und Therapie mittlerweile nicht mehr. Angaben der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) zufolge können heute etwa 80 Prozent der erkrankten Frauen erfolgreich behandelt werden. Grundsätzlich gilt: Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen. (ag)

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