Hohe Gesundheitsrisiken durch Brustimplantate

Fabian Peters

Rückrufaktion gestartet:Warnung vor fehlerhaften Brustimplantaten

21.12.2012

Brustvergrößerungen stellen immer ein gesundheitliches Risiko dar, doch bei Verwendung der Brustimplantate des französischen Unternehmens Poly Implant Prothèse (PIP) ist das Gesundheitsrisiko zusätzlich massiv erhöht.

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Französische Behörden hatten bereits im Jahr 2010 aufgedeckt, dass bei der Herstellung der Silikonkissen minderwertiges Gel verwendet wurde, wodurch vermehrt Risse der Implantate und infolgedessen Entzündungen aufgetreten sind. Auch in Deutschland waren den Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zufolge bereits 19 derartiger Fälle zu verzeichnen. Vermeiden lässt sich das Risiko nur durch ein Entfernen beziehungsweise einen Ersatz der Implantate.

Minderwertige Brustimplantate reißen öfter und begünstigen Entzündungen
Die französische Behörde für die Sicherheit von Medizinprodukten (Afssaps) hatte festgestellt, dass PIP bei der Herstellung der Brustimplantate anstatt des vorgesehenen Silikon-Gels ein günstigeres „hausgemachtes Gel“ verwendete, erklärte der zuständige Staatsanwalt Jacques Dallest in Marseille. Betroffen ist ein Großteil der seit 2001 hergestellten Brustimplantate von PIP. Anlass für die Verwendung des minderwertigen Gels war offenbar reines Profitinteresse. So hat das seit 2010 nicht mehr existente Unternehmen zu Lasten der Gesundheit etlicher Frauen pro Jahr ungefähr ein Millionen Euro Kosten gespart. Das hausgemachte Gel kostete laut Auskunft Staatsanwalts nur ein Zehntel des ordnungsgemäßen Silikon-Gels. Die französischen Behörden haben unmittelbar nach Aufdeckung des Skandals im Jahr 2010 die weitere Verwendung, Vermarktung, und den Export der Silikon-Gel-Brustimplantate der Firma PIP europaweit untersagt. Doch im Körper von zehntausenden Frauen befinden sich immer noch die gesundheitsgefährdenden Silikonkissen.

Zehntausende Frauen von fehlerhaften Brustimplantaten betroffen
Vor allem in Frankreich wurden die fehlerhaften Brustimplantate des Herstellers PIP verwendet. Hier sollen laut Schätzungen der französischen Gesundheitsbehörden zwischen 30.000 und 40.000 Frauen von den fehlerhaften Silikonkissen betroffen sein. Zwar kamen die PIP-Brustimplantate auch in anderen Ländern zum Einsatz, doch die Anzahl der Patientinnen ist hier in der Regel recht überschaubar. Beispielweise wurden die Implantate in der Schweiz lediglich bei rund 280 Frauen verwendet Wie viele Frauen in Deutschland ein Brustimplantat des Herstellers PIP erhielten, ist laut Aussage des BfArM-Experten Maik Pommer gegenüber Journalisten der Mediengruppe „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ-Mediengruppe) „nicht bekannt“. Fest stehe lediglich, dass bisher 19 Frauen einen entsprechenden Riss des fehlerhaften Silikonkissen erfuhren. „Bundesweit sind uns 19 Fälle bekannt, bei denen Implantate des Herstellers PIP in der Brust gerissen waren“, erläuterte Maik Pommer. Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) geht jedoch nicht davon aus, dass die fehlerhaften PIP-Implantate in Deutschland zu einem großen Thema werden. Auf die bereits im April 2010 ausgesprochene Warnung meldeten sich lediglich „zwei Chirurgen bei uns, die mit PIP gearbeitet haben“, so die Aussage von Kerstin van Ark, Sprecherin der DGPRÄC, gegenüber der WAZ-Mediengruppe.

Entfernung der gesundheitsgefährdenden Brustimplantate sinnvoll
Neben dem Reißen der Implantate drohen den betroffenen Frauen unter Umständen weitere schwerwiegende gesundheitliche Folgen der fehlerhaften Silikonkissen, da diese möglicherweise auch ein erhöhtes Krebsrisiko mit sich bringen können. Bisher bleibe unklar, ob die in Frankreich bei mindestens acht Patienten aufgetretenen Krebs-Verdachtsfälle tatsächlich im Zusammenhang mit den fehlerhaften Brustimplantaten stehen, so die Auskunft des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. In Frankreich, wo deutlich mehr Frauen von den minderwertigen Silikonkissen betroffen sind als in Deutschland, ist die Diskussion insgesamt schon ein Stück weiter. Während hierzulande noch über die mögliche Zahl der Betroffenen und die Folgen der fehlerhaften Implantate spekuliert wird, wollen die französischen Gesundheitsbehörden bis Ende der Woche einen Aufruf starten, in dem die mehr als 30.000 betroffenen Frauen dazu aufgefordert werden, sich ihre PIP-Brustimplantate wieder entfernen zu lassen, so die Berichte der Zeitung „Libération“ vom Dienstag. In diesem Zusammenhang haben die französische Gesellschaft der ästhetischen und plastischen Chirurgen (Sofcep) und zwei weitere Verbände ihren Berufszweig dazu aufgefordert, für die Entfernung der gesundheitsgefährdenden PIP-Implantate keine überhöhten Honorare abzurechnen. Auch wenn die Anzahl der verwendeten fehlerhafte Silikonkissen in Deutschland insgesamt deutlich niedriger liegt, könnte eine entsprechende zweite Operation zum Entfernen der PIP-Brustimplantate für die Betroffenen hierzulande ebenfalls sinnvoll sein, um langfristige gesundheitliche Folgen zu vermeiden. (fp)