Hohe Kindersterblichkeit durch Infektionen

Astrid Goldmayer

Hohe Kindersterblichkeit durch vermeidbare Infektionen

11.05.2012

Kindersterblichkeit ist vor allem in den Dritte-Welt-Ländern Afrikas aber auch Asiens ein großes Problem. Zwar konnte die Sterberate von Kindern unter fünf Jahren bei einigen Krankheiten gesenkt werden, jedoch starben 2010 weltweit 7,6 Millionen Kinder. Wissenschaftler der Vereinten Nationen (UN) errechneten, dass Infektionskrankheiten für zwei Drittel der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahre verantwortlich sind.

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Lungenentzündung führt am häufigsten zum Tod
Lungenentzündung, Durchfall, Malaria und andere Infektionskrankheiten verlaufen in Industrieländern nur sehr selten tödlich. In Entwicklungsländern sind Lungenentzündungen sowie Komplikationen bei Frühgeburten die häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Mit einer besseren medizinischen Versorgung könnten derartige Infektionskrankheiten und Komplikationen in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden. Die UN-Wissenschaftler berichten in „The Lancet“, dass viele Infektionen vermeidbar seien.

Li Liu von der Child Health Epidemiology Reference Group der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Kollegen sowie Mitarbeiter des Kinderhilfswerks Unicef analysierten Daten zur Kindersterblichkeit aus 193 Ländern. Sie fanden heraus, dass mehr als drei Millionen Babys meistens aufgrund von Komplikationen bei Frühgeburten bereits im ersten Monat nach der Geburt starben. Die häufigste Todesursache von etwas älteren Kindern waren laut Wissenschaftlern Lungenentzündungen vor Durchfallerkrankungen und Malaria. Etwa die Hälfte der Sterbefälle betraf Kinder aus Afrika, bei denen bei 73 Prozent vermeidbare Infektionskrankheiten die Ursache waren. In Südostasien standen Komplikationen während des ersten Lebensmonats als Todesursache an erster Stelle.

Kindersterblichkeit soll um zwei Drittel sinken
Die UN hatte 2006 eine Vorgabe gemacht, nach der die Kindersterblichkeit der unter Fünfjährigen zwischen 1990 und 2015 um zwei Drittel gesenkt werden soll. Nun scheint dieses Ziel im vorgegeben Zeitraum jedoch nicht mehr erreichbar. In Afrika seien lediglich die Zahlen von Aids, Malaria, Tetanus und Masern deutlich gesunken. Insgesamt sei die Kindersterblichkeit weltweit seit 2000 um 26 Prozent gesunken, berichten die Wissenschaftler. Besonders groß seien die Fortschritte bei Lungenentzündungen, Durchfall und Masern gewesen. Dennoch würden diese Fortschritte nicht ausreichen, um die Kindersterblichkeit insgesamt um zwei Drittel zu senken.

In den kommenden Jahren müssten mehr Maßnahmen und lebensrettende Eingriffe für die Gesundheit von Neugeborenen, Kleinkindern und Müttern vor allem in den stark betroffenen Regionen erfolgen, erklären die Wissenschaftler.

Mit Vitamin A Kindersterblichkeit reduzieren
Britische und pakistanische Wissenschaftler berichteten im August letzten Jahres in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“, dass Vitamin A unzähligen Kindern in Entwicklungs- und Schwellenländern das Leben retten könnte.

In einer umfassenden Untersuchung analysierten die Wissenschaftler die Daten von 43 Studien zur Wirkung von Vitamin A. Mehr als 200.000 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren waren daran beteiligt. Die Wissenschaftler um Professor Zulfiqar Bhutta vom Aga Khan Universitätsklinikum in Karachi (Pakistan) kamen zu dem Ergebnis, dass die Sterblichkeit von Kindern in Entwicklungs- und Schwellenländern durch die Einnahme von Vitamin-A-Ergänzungsmittel um 24 Prozent reduziert werden könnte.

Vitamin A ist ein lebenswichtiges Vitamin, dass nicht vom Körper selbst gebildet wird. In Industrieländern nehmen Menschen diesen Nährstoff mit der Nahrung auf. In Entwicklungsländern führen das knappe Nahrungsangebot und Hungersnöte zu einem Vitamin A-Mangel bei den Menschen. Dies manifestiert sich in verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die von von trockener Haut, Sehschwierigkeiten, Haarausfall und Nachtblindheit über eine erhöhte Infektionsanfälligkeit bis hin zu Blutarmut, Herzerkrankungen und einem erhöhten Krebsrisiko reichen. Zudem sind Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit eine mögliche Folge des Vitaminmangels. Darüber hinaus kommt es bei Kindern, die zu wenig Vitamin A aufnehmen, relativ häufig zu Wachstumsstörungen.

Laut Professor Bhutta seien die Ergebnisse der Untersuchung so eindeutig, dass umgehend mit dem Einsatz von Vitamin A-Präparaten in den entsprechenden Regionen begonnen werden sollten. Hinzu komme dass die Nahrungsergänzungsmittel preiswert seien. (ag)