Hohe Neugeborenensterblichkeit: 2,6 Millionen Babys sterben schon im ersten Monat

Alfred Domke

2,6 Millionen Babys auf der Welt überleben nicht einmal ihren ersten Monat

Deutsche Experten berichteten im vorvergangenen Jahr, dass rund jedes vierte heute neugeborene Mädchen über 100 Jahre alt werden wird. In vielen anderen Ländern der Welt haben aber weder Mädchen noch Jungen eine so hohe Lebenserwartung. Weltweit sterben jährlich rund 2,6 Millionen Neugeborene sogar schon im ersten Monat, berichtet das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.


Alarmierend viele Babys sterben aus vermeidbaren Gründen

Noch immer sterben weltweit alarmierend viele Babys aus meist vermeidbaren Gründen – vor allem in den ärmsten Ländern, warnt das UN-Kinderhilfswerk UNICEF in seinem aktuellen Bericht „Every Child Alive. The Urgent Need to End Newborn Deaths“. Babys in Japan, Island oder Singapur haben demnach die besten Überlebens-Chancen. Die schlechtesten Chancen haben Neugeborene in Pakistan, der Zentralafrikanischen Republik und Afghanistan.

Das Kinderhilfswerk UNICEF weist in einem aktuellen Bericht zur Neugeborenensterblichkeit darauf hin, dass weltweit noch immer alarmierend viele Babys aus vermeidbaren Gründen sterben. (Bild: bevisphoto/fotolia.com)

Keine großen Fortschritte bei der Senkung der Sterblichkeit von Neugeborenen

„Während es gelungen ist, die Kindersterblichkeit im letzten Vierteljahrhundert zu halbieren, haben wir bei der Senkung der Sterblichkeit von Neugeborenen leider nicht die gleichen Fortschritte gemacht“, erklärte die UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore in einer Mitteilung.

„Wenn man bedenkt, dass die Mehrzahl dieser Fälle vermeidbar wäre, ist es ganz klar: Die Welt versagt beim Schutz der ärmsten Babys.“

Wie der Report zeigt, liegen acht von zehn Ländern mit der höchsten Neugeborenensterblichkeit in Subsahara-Afrika, wo schwangere Frauen wegen Armut, Konflikt und schwachen Institutionen häufig schlechter gesundheitlich betreut werden.

Gelänge es allen Ländern, bis zum Jahr 2030 die Neugeborenensterblichkeit auf das durchschnittliche Niveau der Industrieländer zu senken, könnten 16 Millionen Leben gerettet werden.

Todesfälle von Babys könnten vermieden werden

Wie das Kinderhilfswerk schreibt, führen Erfolge zum Beispiel im Kampf gegen Krankheiten wie Masern oder Durchfall dazu, dass die Kindersterblichkeit bei Mädchen und Jungen unter fünf Jahren sinkt.

Die Fortschritte bei der Versorgung rund um die Geburt sind jedoch langsamer. Deshalb steigt seit Jahren der Anteil der Neugeborenen an den Kindern, die ihren fünften Geburtstag nicht erleben.

Über 80 Prozent der Todesfälle von Babys (innerhalb der ersten 28 Tage) sind eine Folge von Frühgeburt, Komplikationen bei der Geburt oder Infektionen wie Lungenentzündung (Pneumonie) oder Sepsis.

Laut UNICEF könnten sie vermieden werden, wenn die Frauen bei der Geburt durch gut ausgebildete Hebammen betreut werden und bewährte Maßnahmen wie sauberes Wasser, Desinfektionsmittel, Stillen und Hautkontakt unmittelbar nach der Geburt sowie gute Ernährung angewendet werden.

Vor allem die Pneumonie wird den Kleinen gefährlich: Weltweit sterben pro Minute zwei Kinder an einer Lungenentzündung, berichtete das Kinderhilfswerk Save the Children im vergangenen Jahr.

„Lungenentzündungen fordern weltweit mehr Todesopfer bei Kindern als jede andere Krankheit – mehr als Malaria, Durchfallerkrankungen und Masern zusammen“, schrieben die Experten damals in einem Faktenblatt zu ihrem Bericht „Fighting for Breath“ („Der Kampf um jeden Atemzug“).

Weltweite Kampagne „Every Child Alive“

UNICEF startet diesen Monat die weltweite Kampagne „Every Child Alive“ („Überleben für jedes Kind“), um Lösungen zum Schutz von Babys einzufordern und umzusetzen.

Mit der Kampagne richtet das Kinderhilfswerk einen dringenden Appell an Regierungen, Gesundheitsdienstleister, Spender, den Privatsektor, Familien und Unternehmen, sich durch folgende Maßnahmen für das Überleben aller Kinder einzusetzen:

Eine ausreichende Zahl von Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen mit Expertise in Schwangerenvorsorge und Geburtsbegleitung muss eingestellt, ausgebildet und gemanagt werden.

Jede Mutter und jedes Baby muss in erreichbarer Nähe eine saubere, funktionierende Gesundheitsstation haben, die über Wasser, Seife und Strom verfügt.

Mütter und Babys mit Medikamenten und medizinischer Ausrüstung für einen gesunden Start ins Leben zu versorgen muss oberste Priorität haben.

Heranwachsende Mädchen, Frauen und Familien müssen gestärkt werden, damit sie eine gute Gesundheitsversorgung einfordern und erhalten.

„Jedes Jahr überleben 2,6 Millionen Babys auf der Welt nicht einmal ihren ersten Monat. Eine Million von ihnen stirbt bereits am Tag ihrer Geburt“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Fore.

„Wir wissen, dass wir die meisten dieser Babys durch erschwingliche und gute Lösungen retten können. Schon ein paar kleine Schritte von uns allen können helfen, die ersten Schritte im Leben dieser kleinen Menschen zu sichern.“ (ad)