Hohe Rate von Asse-Krebserkrankungen Zufall?

Sebastian

Hohe Rate von Asse-Krebserkrankungen ein statistischer Zufall? SPD, Grüne und Umweltschützer kritisieren die Haltung der Bundesregierung.

06.12.2010

Ist die gemessene erhöhte Rate von Krebserkrankungen in der Region um das marode Atommüllendlager "Asse II" nur ein "statistischer Zufall"? Das jedenfalls behauptet eine erste Stellungnahme der Bundesregierung. Man sehe "keinen erkennbaren Zusammenhang". Für Umweltschützer ist das ein Statement im Sinne der Laufzeitverlängerung der Atomanlagen in Deutschland. „Es darf nicht sein, was nicht sein darf." Deutlich Kritik äußerten auch die Oppositionspartei SPD, Linke und Grüne.

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In einer ersten Stellungnahme betont die Bundesregierung, dass die Häufung der Leukämie und Schilddrüsenkrebs-Erkrankungen im Umfeld des maroden Atommülllager „Asse II“ auf einem statistischen Zufall basiere. "Nach den vorliegenden Untersuchungsergebnissen der Umgebungsüberwachungen kann der beobachtete Anstieg in der Samtgemeinde Asse nicht durch die Strahlenbelastung aus der Asse erklärt werden", heißt es in einer Antwort auf die Bundestags-Anfrage von Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn. Höhn hatte die schwarz-gelbe Koalition befragt, ob einen Zusammenhang zwischen den gehäuften Krebserkrankungen und dem Atomlager Asse besteht. Prompt hagelte es deutliche Kritik. Der SPD Fraktionsvize Hubertus Heil warnte die Regierung davor, die erhöhte Krebsrate zu verharmlosen. „Das müsse sauber untersucht werden“, sagte Heil gegenüber dem Radiosender „FFN“. Der stellvertretende Grünen Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel bezeichnete die erste Stellungnahme als „mutig“. Trotz der Aussagen des Umweltministeriums sei ein möglicher Zusammenhang nicht widerlegt. Die Umwelt-Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser (CDU) gab zu bedenken, dass die Strahlendosis "etwa 10.000 Mal höher sein" als derzeit beobachtet. Erst dann könne der beobachtete Anstieg der Krankheiten mit der Strahlung erklärt werden.

Die Grünen forderten hingegen eine Einberufung einer unabhängigen Untersuchung. So sagte Wenzel: "Es ist unerlässlich, dass die Untersuchungen vor Ort geführt werden, und dabei müssen auch die Kommunalpolitiker und Fachleute aus den Bürgerinitiativen beteiligt werden." Ferner forderte Wenzel den Umweltbundesminister Röttgen auf, nachzuweisen, dass in der Strahlenschutzkommission des Bundes nur von der Atomindustrie unabhängige Sachverständige mit den Untersuchungen befasst sind. "Nach dem bisherigen Desaster muss ausgeschlossen werden, dass daran Personen mit entsprechenden finanziellen oder institutionellen Abhängigkeiten beteiligt sind." Auch fordert Wenzel eine Prüfung der Personalakten der ehemaligen Beschäftigten der Asse und der beteiligten Fremdfirmen auf Vollständigkeit. Es müsse durch Stichproben festgestellt werden, ob "kritische" Krankenakten vom alten Betreiber beseitigt oder vorenthalten wurden. Es sei auffällig, dass die Personalakten nach dem Betreiberwechsel erst mit großem Zeitverzug bereitgestellt wurden.

"Es darf nicht sein, was nicht sein darf" attestieren auch Atomkraftgegner und Umweltschützer in einer neuerlichen Stellungnahme. "Ein einer Legislaturperiode, in der Laufzeiten verlängert werden, immer mehr Atommüll entsteht darf Atomkraft nicht plötzlich krank machen. Dabei hat die Kinderkrebsstudie (KIKK) den Zusammenhang zwischen Wohnortnähe zu einem AKW und dem Krebsrisiko nachgewiesen! Kürzlich besagte zudem eine Studie des IPPNW, dass es weniger Geburten um AKWs gibt.“ Für die Umweltschützer stehe daher fest, dass die erhöhte Rate an Krebserkrankungen kein Zufall ist.

In der Schachtanlage lagern 126 000 Fässer mit schwach- und mittel-radioaktivem Atommüll. Eine statistische Erhebung hatte zutage gebracht, dass die Krankheitsrate in der Region um das Lager Asse II um ein Vielfaches höher ist, als im Bundesdurchschnitt. Grüne, Umweltschützer und Anwohner fordern seit Jahren eine Stilllegung der maroden Anlage. (sb)